ETV verzichtet auf Hölscher und feiert Derbysieg: „Unterschreibbar – aber ich will mehr“
„Natürlich fühlt es sich gut an, zu gewinnen“, wollte Can Schultz den Erfolg seines Eimsbütteler TV im Derby bei der U21 des Hamburger SV „als Entwicklungsschritt auch gar nicht kleinreden“. Allerdings betonte der Cheftrainer des Regionalliga-Aufsteigers auch: „Wir können das schon ganz gut einschätzen, dass wir heute – im Vergleich zu den letzten beiden Spielen – das Team mit deutlich mehr Glück waren.“ Dementsprechend war die Freude über den 2:0-Sieg des ETV groß, „aber auch die Bescheidenheit, zu wissen, dass wir weiter hart arbeiten müssen“, zeigte sich Schultz äußerst demütig.
Dabei verzichtete der Aufsteiger freiwillig auf die Dienste von Jasper Hölscher. Grund: Der 28-Jährige ist neben seiner Spieler-Laufbahn beim ETV als Trainerentwickler beim HSV tätig und dort für die Weiterbildung aller Coaches im Nachwuchs der Rothosen zuständig. Zwar beschwichtigte Schultz: „Interessenskonflikte gab es in dem Sinne nicht.“ Aber: „Wir haben alle das Interesse daran, Jasper zu schützen. Er arbeitet für den HSV, macht da einen hervorragenden Job und ist, so gut es geht, noch bei seinem Jugendverein aktiv, um dort zu helfen. Und ich glaube, an so einem Tag muss jeder mit ein bisschen Verstand verstehen, dass das einfach nicht geht. Da kannst du ja nur unglücklich aussehen, wenn dir was passiert. Und da hat jeder bei uns vollstes Verständnis für diese Entscheidung.“

Der Gegner mit der bisher höchsten Intensität.
Auch ohne Hölscher triumphierte der ETV an der Hoheluft. Obwohl Schultz im Nachgang konstatierte: „Wir hatten in zu vielen Phasen nicht den Mut und nicht die richtigen Lösungen“, hätte er sich noch mehr spielerische Elemente von seinem Team gewünscht. „Aber am Ende stehe ich nicht selbst auf dem Platz.“ Hinzu kamen „diese Wahnsinns-Zocker beim HSV, dieses Talent, auch in Sachen Bewegung, was uns richtig vor Probleme gestellt hat“, gab er unumwunden zu – und befand: „Von den bisherigen Gegnern war das heute wahrscheinlich die höchste Intensität. Da kann ich schon verstehen, dass die Spieler den Ball ein- oder zweimal mehr schlagen. Und natürlich sind wir am Ende froh, dass der Lucky Punch auf unserer Seite war.“

Hense und Mbodje sorgen für ETV-Jubel
Ein Grund für den Sieg: Keeper Max Wendt. „Definitiv bisher sein größtes Spiel“, lobte Schultz den Schlussmann. „In zwei, drei Situationen auf der Linie ist er über sich hinausgewachsen. Bei Flanken war er super sicher. Und die Null steht auch – die hat er sich hart erarbeitet.“ Vorne sorgten Toralf Hense (56.) sowie Max Mbodje (90. +5) für die beiden Tore. Ersterer nach einem Halbfeld-Chip von Juri Marxen und einem völlig verunglückten Kopfball-Klärungsversuch von Joel Agyekum wuchtig unter die Latte. Letzterer machte alles klar, nachdem sich die „Rothöschen“ defensiv alles andere als gut anstellten. Zunächst marschierte Jon Pauli zwischen zwei Verteidigern hindurch, dann hatte Simon Kristiansen das Spielgerät bereits sicher, ließ sich aber auf Höhe der Grundlinie noch von Gabriel Michalek übertölpeln. Zwar konnte der erste Abschluss von Oguzhan Gücyeter noch geblockt werden, aber den Nachschuss setzte Mbodje in die Maschen.

Glaube, dass da noch deutlich mehr geht.
Mit sechs Punkten nach vier Spielen steht der ETV auf dem neunten Tabellenplatz. „In den zwei Wochen, die man bemessen kann, weil die Vorbereitung eine Katastrophe war, sind wir grundsätzlich nicht unzufrieden, was die Schritte angeht. Ich glaube aber auch, dass da noch deutlich mehr geht“, gab Schultz die Marschroute vor. „Wir fangen nicht an, uns damit zufrieden zu geben. Es ist okay, es ist unterschreibbar, und ich hätte es auch nicht abgelehnt – aber ich will mehr!“
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