Kein Karriereende: Warum das Gesamtpaket die „romantische Geschichte“ übertrumpfte
Er habe sich „ganz bewusst viel Zeit genommen“ und die Situation nach dem Abschied bei der TuS Dassendorf „vor allem mit meiner Frau lange sacken lassen“, sagt uns Martin Harnik. Auch das endgültige Ende einer illustren Karriere stand für den ehemaligen österreichischen Nationalspieler und langjährigen Ex-Profi zur Debatte. „Aber im Urlaub hat meine Frau mehr oder weniger festgestellt, dass sie mich zu fast nichts anderem begeistern kann, um Sport zu machen. Und sie hat sich wirklich bemüht, mir Dinge schmackhaft zu machen – sei es Laufengehen, Fahrradfahren oder auch im Kraftraum aktiv zu sein. Aber sie hat gemerkt, dass ich dafür einfach nicht brenne. Und hierfür brenne ich halt“, habe es in ihm drin nach wie vor „gebrodelt, weiterspielen zu wollen“, verrät uns Harnik.
Ein Schnellschuss war jedoch kein Thema. Auch kein neues Engagement, um einfach nur weiter kicken zu können. Sondern: „Man muss wirklich sagen, dass das Gesamtpaket jetzt einfach auch nochmal passen musste.“ Und bei der HT 16 habe eben jenes Gesamtpaket – noch einmal mit langjährigen Freunden und Weggefährten auf ambitionierter Ligen-Ebene zusammenzuspielen – gestimmt. Allerdings gesteht er uns gegenüber auch, dass er über eine Rückkehr an den Ort, an dem einst alles begann, nachgedacht habe. Mehr als das. „Ich hatte mit Vier- und Marschlande wirklich nette Gespräche. Die haben sich auch total Mühe gegeben. Und natürlich wäre es auch eine romantische Geschichte gewesen. Gar keine Frage.“

Fühle mich noch bereit für die Oberliga.
Doch schlussendlich entschied er sich gegen eine Rückkehr zu den „Red Devils“, wo er einst in jungen Jahren zusammen mit Max Kruse für Furore gesorgt und anschließend eine Weltkarriere gestartet hat. Ein Grund dafür: „Das Thema Oberliga. Ich wollte gerne noch so ambitioniert wie möglich spielen, weil ich mich dazu auch einfach noch bereit fühle“, erläutert Harnik seine Beweggründe. „Und dann ist es einfach auch so, dass ich bei Vier- und Marschlande zwar noch die ganze alte Garde kenne, die im und um den Verein herum arbeitet. Aber sowohl über die Spieler als auch über das Trainerteam habe ich ganz wenig Wissen und Ahnung, so dass das für mich eine komplett fremde Mannschaft gewesen wäre. Und das war es hier halt nicht“, trifft der 39-Jährige an der Legienstraße auf „viele alte Bekannte“ und auch auf seinen Schwager Mattia Maggio.
Aus der damaligen Rivalität ist eine Freundschaft geworden.
Genau diese Konstellation habe ihn nochmal „sehr gereizt“, so Harnik. „Hier sind viele Jungs, die ich schon über 30 Jahre kenne. Und genau so lange respektieren wir uns. Aus der damaligen Rivalität ist schon lange eine Freundschaft geworden“, spricht er auf Leute wie Ahmet Sahin (Präsident), Rinik Carolus (Sportlicher Leiter), Erdinc Örün oder auch Gökhan Iscan (Trainerduo) an.

Wenn ich nicht da bin, schaffen die Jungs das auch ohne mich.
Hinzu kommt ein weiterer nicht unwesentlicher Aspekt für seine Entscheidung: „Mir ist wichtig, dass ich mir jede Verantwortung, die ich mir greifen kann, auch nehme – wenn ich auf dem Platz stehe. Und wenn ich im Training bin, dann bin ich auch zu 100 Prozent da“, will er vor allem den vielen jungen Spielern als Vorbild dienen. „Aber wenn ich halt nicht da bin, dann schaffen die Jungs das auch ohne mich“, hat er nicht mehr den ganz großen Druck, immer auf dem Platz stehen zu müssen. „Ich kann die Prioritäten ganz klar setzen: Familie, Jobs, weitere Projekte – und dann kommt der Fußball. Das wissen alle. Und das war mir auch ganz wichtig, dass alle genau wissen, woran sie sind. Und wenn ich da bin, dann versuche ich bestmöglich zu helfen.“
"Natürlich möchte man die Saison bestätigen"
So, wie bei seinem ersten Einsatz im Pokal, als Harnik nach seiner Einwechslung prompt einen Doppelpack erzielte, als Führungsfigur fungierte und auch vom Einsatz als Vorbild voranging. Klar ist aber auch, dass die Ziele, Ambitionen und Erwartungen im Verein mit der Verpflichtung des Ex-Profis – und weiterer Weggefährten aus Dassendorfer Zeit – steigen werden. Wenngleich Harnik beschwichtigt: „Ich glaube, dass die letzte Saison schon auch gut eingeordnet wurde, dass man da vielleicht ein Stück weit über seinen Verhältnissen gespielt hat“, überraschte der damalige Aufsteiger als Tabellensechster viele Beobachter. „Aber natürlich möchte man das bestätigen. Und die Möglichkeiten hat der Verein. Man hat auch nochmal Erfahrung dazugeholt, die für eine zusätzliche Stabilität sorgen kann.“

Niederlagen werden als Lernprozess und nicht als Krise verbucht.
Nichtsdestotrotz weiß „Hanno“ auch: „Wenn es am Ende ‚nur‘ der neunte Platz wird, dann wird hier kein Trainer entlassen und dann brennt hier auch nicht der ganze Laden“, vergleicht er die sportlichen Ziele mit denen in Dassendorf, wo „die Ambitionen immer ganz andere waren. Die wusste ich auch immer zu schätzen und habe sie geteilt. Aber jetzt kann ich sie einfach nicht mehr erfüllen“, betont der einstige Pokalsieger mit Werder Bremen – und meint abschließend: „Natürlich werden wir jedes Spiel so angehen, dass wir es gewinnen wollen. Aber ich glaube auch, dass Niederlagen hier als Lernprozess verbucht werden und halt nicht als Krise.“
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