Wie Fortuna Spieler überzeugt
Mislintat über Verhandlungen & Fall Immobile: „Man kann sich keine Sicherheit kaufen“
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Sven Mislintat führt seit dem 15. Dezember als Nachfolger von Klaus Allofs die sportlichen Geschicke bei Fortuna Düsseldorf. Der 53-jährige Dortmunder kam in einen kriselnden Verein, der endlich zurück in die Bundesliga wollte, aber auf dem harten Boden der Realität landete. „Wir sind zuversichtlich, dass er uns mit seinen Ideen und seiner Erfahrung sportlich aus der schwierigen Situation führen und langfristig stärken wird“, erklärte der Aufsichtsratsvorsitzende Björn Borgerding. Die Anfänge sind inzwischen gemacht.
Im zweiten Teil des Transfermarkt-Interviews spricht Mislintat über Mut und Volltreffer auf dem Transfermarkt, den fehlgeschlagenen BVB-Plan mit Ciro Immobile, zwei Möglichkeiten bei der Spielersuche, Verlässlichkeit, illusorische Kaufoptionen und Identifikation am Beispiel Leon Goretzka. Zudem verrät der Dortmunder, womit er bei Spielerverhandlungen punkten kann und weshalb er manchmal fast „naiv-loyal“ ist.
Transfermarkt: Herr Mislintat, Sie erarbeiteten sich in der Branche wegen Ihrer Entdeckungen der BVB-Senkrechtstarter Ousmane Dembélé und Shinji Kagawa den Ruf als „Diamantenauge“. Der Markt ist im vergangenen Jahrzehnt nochmal ein Stück weit gläserner geworden, kaum ein Spieler bleibt unbemerkt. Wie schwer ist es unter diesen Voraussetzungen inzwischen, solche Volltreffer auf dem Transfermarkt zu landen, ohne sich dabei finanziell zu verheben?
Mislintat: Ich finde, das hat sich nicht groß verändert.
Transfermarkt: Erklären Sie uns das bitte.
Mislintat: Die Herangehensweise mehr zu Daten und TV-Bildern als früher zu Livescoutings hat sich geändert, das ist klar. Und natürlich musst du dein Budget kennen und hast in jedem Klub andere Möglichkeiten. Aber in Summe ist es nicht viel anders als früher, es ist die gleiche Arbeit. Live-Spiele und Videos schauen, persönliche Gespräche, Machbarkeitsstudie, Social Media Scans, Datenanalyse. Wir haben heute so viele Daten vorliegen, daher ist es wichtig, diese auch richtig zu interpretieren. Das ist ein größerer und weiter wachsender Einfluss. Aber für mich ging es schon immer um eine 360-Grad-Perspektive und den Mut, Spieler anzugehen, die andere vielleicht nicht angehen würden, weil du von ihrer Qualität und damit ihrer Verpflichtung überzeugt bist.
Transfermarkt: Klingt einfach. Worauf müssen Sie noch achten?
Mislintat: Der Mensch ist das, was wirklich zählt. Wir geben Menschen eine Chance, teilweise eine lebensverändernde. Das Coole ist es doch, diese Jungs zu finden, die einfach total Bock haben, Fußball zu spielen und sich auf unsere Idee von Fußball und den Klub einlassen. Wenn man das hinbekommt und schneller als andere ist, lässt sich daraus Kapital schlagen. Das macht den Reiz aus – und wenn man dann zusammen eine gute Geschichte schreibt, ist das umso schöner.
Transfermarkt: Wie finden Sie als Sportchef das richtige Maß zwischen Risiko und Sicherheit?
Mislintat: Auch wenn das viele glauben: Man kann sich keine Sicherheit kaufen. Ich glaube, das ist die wichtigste Erkenntnis. Außer du verpflichtest wirklich die Top-Top-Top-Spieler – aber das kann außer Bayern München zum Beispiel mit Harry Kane und Michael Olise eigentlich keiner. Und selbst dort funktionierten Transfers jenseits der 50+-Millionen-Marke nicht immer. Geht man die Liste der Einkäufe über 25 Millionen Euro der deutschen Klubs durch, gibt es auch in dieser Range keine Garantie auf Erfolg. Runtergebrochen auf die Fortuna: Ob ich für einen Spieler eine halbe Million, eine oder zwei ausgebe, sagt doch über dessen Qualität nichts aus. Es sagt vielmehr etwas über die Vertragslänge und Verfügbarkeit aus und ob es bereits Konkurrenz um den Spieler gibt. Und über Erfolg oder Misserfolg entscheiden noch ganz andere Faktoren mit: ein sehr gutes Team im gesamten Verein, welches diese Jungs integriert und entwickelt – und das Ganze auch entsprechend kommuniziert.
Transfermarkt: Wie meinen Sie das genau?
Mislintat: Ein Beispiel: Chris Rasmussen wurde, von Ajax kommend, von vielen als absoluter Game-Changer gesehen. Er war 2023/24 nach Nordsjaelland ausgeliehen und spielt jetzt als junger Kerl das erste Mal in der zweiten Bundesliga, die physisch extrem stark ist. Dazu ein neuer Klub und eine neue Stadt. Das ist nicht einfach und selbstverständlich, dass er direkt und Woche für Woche liefert. Da braucht es auch etwas Zeit, etwas Geduld und die nötige Kommunikation, das einzuordnen. Noch einmal: Du kannst dir schon mit hohen Transfersummen keine Sicherheit kaufen, mit unseren Budgets erst recht nicht. Bei Borussia Dortmund hatten wir dieses Thema übrigens früher auch.
Transfermarkt: Holen Sie gerne aus …
Mislintat: Als wir 2014 Robert Lewandowski abgaben, sind wir bei der Suche nach dessen Ersatz das erste Mal einer anderen Verpflichtungsphilosophie gefolgt und haben mit Ciro Immobile den Torschützenkönig der Serie A gekauft (für 18,5 Mio. Euro; d. Red.) und damit versucht, auf Nummer sicher zu gehen. In Italien funktionierte er davor und danach sensationell – bei uns hat er gar nicht funktioniert. Das ist eigentlich unmöglich, wenn man ihn Tore schießen sieht. Wir haben Lewy verloren und dachten: Dann müssen wir halt einen liefern, bei dem uns keiner etwas vorwerfen kann. Im gleichen Jahr ist Sadio Mané aus Salzburg nach Southampton gewechselt. Ihn hatten wir auch auf dem Zettel, haben aber eben einen Torschützenkönig aus einer Top-5-Liga geholt, statt aus der etwas schwächeren österreichischen Liga. Gemäß der bewährten Strategie hätten wir Sadio holen müssen. Was wir dann später mit Spielern wie Pierre-Emerick Aubameyang und Ousmane Dembélé auch wieder gemacht haben.
Ciro Immobile (36), seit Anfang 2026 beim Paris FC unter Vertrag, gelangen in 359 Serie-A-Spielen 201 Tore
Transfermarkt: Sie kennen den japanischen Markt bekanntermaßen bestens, wie die Beispiele Shinji Kagawa (für den BVB), Hiroki Ito oder Wataru Endo (VfB Stuttgart) und jüngst Satoshi Tanaka zeigen. Welche Regionen haben Sie für einen ambitionierten Zweitligisten wie Fortuna noch im Blick?
Mislintat: Es gibt überhaupt kein Ausschlusskriterium. Es kann überall gute Spieler geben. Fakt ist jedoch: Wir müssen uns in Märkten umschauen, die wir bezahlen können. Und die kleineren können wir besser bezahlen als die größeren. Ich werde normalerweise keinen Spieler in der englischen Championship finden, der richtig gut performt, und ihn von Fortuna überzeugen können – selbst, wenn er ablösefrei ist. Das wird eher nicht funktionieren. Deswegen gibt es zwei Möglichkeiten: Du wählst deutlich jüngere Spieler, wie wir das beispielsweise zuletzt mit Kilian Sauck und Jordi Paulina aus zweiten Mannschaften von Bundesligisten getan haben. Sie haben langfristige Verträge bei uns, weil wir sie entwickeln wollen und müssen. Ohne zeitliche Dimension, weil sich Entwicklung nicht komplett voraussehen lässt. Und dann gibt es Märkte, in denen wir schon sehr gute Erfahrungen gemacht haben. Japan wird für uns allein aufgrund der japanischen Community in Düsseldorf immer ein Zielmarkt sein, wir sind ein toller Anlaufpunkt für die Jungs. Nicht aus Marketinggründen, sondern weil wir glauben, dass das ein Perfect Match ist. Aber warum sollte ich mich zum Beispiel nordafrikanischen oder Märkten des Baltikums verschließen, wenn ich dort Top-Spieler sehe? Ich muss nur wissen, dass ich diesen Spielern eine längere Adaptationszeit zugestehen muss.
Fortuna Düsseldorfs Mislintat über Kader-Umbruch und zu hohe Kaufoptionen
Transfermarkt: Wie umfangreich ist Ihre Liste mit potenziellen Sommer-Neuzugängen?
Mislintat: Die wird hinsichtlich Qualität, Mach- und Verfügbarkeit immer aktualisiert. Ich bin aber keiner, der mit einer Vielzahl von Spielern draußen spricht. Bei mir kann man sich darauf verlassen: Wenn ich einem Spieler sage, dass ich ihn haben will, will ich ihn wirklich haben und werde im Rahmen der Möglichkeiten alles dafür tun, ihn zu holen. Diesen Ruf habe ich mir erarbeitet und dafür stehe ich auch. Ich halte niemanden hin und habe auch den Mut, mal Nein zu sagen. Bei mir weiß jeder, woran er ist. Auch mit dem Risiko, dass ein Spieler vielleicht woanders funktioniert. Ich weiß auch, dass ich nicht alles richtig machen werde. Es wird immer so sein, dass jeder von uns Spieler auch mal falsch beurteilt. Genauso wird es weiter passieren, dass der gleiche Spieler bei gleicher Beurteilung bei Klub A top funktioniert und bei Klub B gar nicht. Es gibt so viele weiche Faktoren, die nicht auf dem Platz stattfinden und dies beeinflussen.
Transfermarkt: Fortuna hat zahlreiche Leihspieler unter Vertrag, darunter Marin Ljubicic (von Union Berlin) und Florent Muslija (SC Freiburg). Zudem laufen viele Verträge aus, siehe Shinta Appelkamp und Florian Kastenmeier. Es bahnen sich also viele Veränderungen an. Wie groß wird der Umbruch zur neuen Saison ausfallen?
Mislintat: Es könnte schon das eine oder andere passieren. Auf die meisten Leihspieler haben wir aufgrund der Höhe oder Konstruktion der Kaufoption keinen Zugriff. Die sind für uns in den meisten Fällen illusorisch. Das bringt uns in eine Verhandlungsposition, die keine gute ist. Grundsätzlich könnten wir mit allen ablösefreien Spielern verlängern, weil sie bei uns sind. Diese Gespräche können wir aber erst final führen, wenn wir wegen der Ligazugehörigkeit Planungssicherheit haben. Das bedeutet für beide Parteien eine sehr unsichere Lage. Das kann durchaus dazu führen, dass Spieler, die wir behalten wollen, vielleicht schon woanders unterschrieben haben – das müssten sie uns nicht sagen. Dann könnten wir nichts mehr machen. Eins möchte ich aber betonen: Die Jungs nehmen diese Situation herausragend an. Jeder versteht das und bringt sich für den Klassenerhalt voll ein. Wir haben niemanden, der beleidigt ist und sich nicht respektiert fühlt. Und falls doch, zeigt er es nicht, sondern verhält sich total professionell. Deshalb gebührt allen ein unfassbares großes Lob. Das hat man im Fußball schon ganz anders gesehen.
Sein Vertrag endet im Sommer: Florian Kastenmeier hütet seit 2019 das Tor bei Fortuna Düsseldorf
Transfermarkt: Rekordabgang der Fortuna ist Benito Raman, der 2019 nach zwei starken Jahren für 10 Millionen Euro zum FC Schalke 04 wechselte. Sind Sie in Düsseldorf, um solche Transfergeschäfte häufiger wahr werden zu lassen?
Mislintat: Ich denke, das war einer der Gründe, weshalb ich gefragt worden bin, ob ich mir vorstellen kann, für Fortuna zu arbeiten. Ich verstehe das auch als Auftrag. Nicht, weil ich Spaß am Verkaufen, kaufen und verkaufen habe. Es ist einfach die Realität eines Zweitligisten wie Fortuna Düsseldorf, aus einem Euro mehr Euro machen zu müssen. Das geht in der Regel über sportlichen Erfolg oder Transfergewinne. Beide Faktoren helfen sich gegenseitig. Wenn wir einen Spieler für 10 Millionen Euro verkaufen würden, könnten wir vielleicht drei oder vier für jeweils 1,5 Mio. Euro holen, um schneller in der Tabelle zu klettern. Wenn heute ein Angebot aus der ersten Liga für unsere Spieler kommt, vervielfachen die Jungs ihre Gehälter. Da habe ich kaum Argumente. Unsere Realität ist, dass wir in diesem Kontext verkaufen müssen, um den Klub zu entwickeln, auch wenn wir uns das manchmal anders wünschen. Wenn wir ehrlich sind, muss jeder deutsche Klub außer Bayern München verkaufen – nur zu unterschiedlichen Budgets. Das beste Beispiel ist übrigens der VfB Stuttgart, wo wir enorme Transfergewinne erzielt haben – bei einem Gehaltsvolumen, das von deren heutigem weit entfernt war. Mit Verkäufen von Spielern wie Nico González für 25+ Millionen Euro durchbrachen wir eine wichtige Schallmauer für die Entwicklung des Klubs.
Transfermarkt: Mit welcher Methode überzeugen Sie Spieler? Haben Sie bestimmte Kniffe oder Tricks in Verhandlungen?
Mislintat: Wir können bei Fortuna nur in den seltensten Fällen mit Geld gewinnen, auch wenn wir nicht mit Wattebäuschchen um uns schmeißen. Wir können in der zweiten Liga mit Ausnahme der Topklubs konkurrenzfähige Gehälter zahlen. Aber wenn ein Spieler maximieren will, brauchen wir nicht weiterzureden. Das findest du schnell heraus. Ich verurteile sowas nicht, das ist legitim. Es gibt Klubs in der zweiten Liga, die in der Spitze für ihre Top-Spieler das Doppelte bis Dreifache hinlegen können. Das bedeutet für uns: Wir müssen mit dem Stadion, dem Klub und mit der Stadt – die ist super, hier will jeder wohnen – punkten. Das hilft total. Wir können unsere infrastrukturellen Ressourcen in die Verhandlungen werfen. Was wir liefern? Wir können gut ausbilden, wir haben eine klare Vision davon, wie wir uns weiterentwickeln und wie wir Fußball spielen wollen. Die Spieler können diesen Weg mit uns gehen. Mit der Plattform Fortuna und der Größe des Klubs können wir Spieler auch optimal auf die nächsten Schritte vorbereiten. Und wenn wir einen solchen Weg gemeinsam erfolgreich gestalten, wird auch jeder sportliche und finanzielle Schritte machen. Klub wie Spieler.
Fortuna-Sportchef Mislintat über Goretzkas Identifikation und Transparenz
Transfermarkt: Gibt es noch diese Spieler, die sich einem Verein völlig verschreiben? Oder sehen fast alle nur noch die Möglichkeit, sich für den nächstgrößeren Klub zu empfehlen?
Mislintat: Das ist keine Entweder-oder-Frage. Es geht um beides, das beißt sich nicht. Es gibt Spieler, die sind maximal committed – aber sie dürfen doch trotzdem das Ziel haben, dass Fortuna in der zweiten Liga nicht ihre Endstation bleibt. Genau diese intrinsische Motivation der Jungs, die irgendwann um Titel in der Bundesliga spielen oder in die Premier League wollen, brauchen wir doch. Dieses Mindset liefert uns höhere individuelle Qualität und schließlich größeren Erfolg auf dem Platz. Es wird oft gesagt, Spieler haben nicht die maximale Identifikation mit dem Klub, wenn sie schon an den nächsten Schritt denken. Das ist falsch. Ein Leon Goretzka sitzt manchmal immer noch in Bochum auf der Tribüne und guckt die Spiele. Wo ist also das Problem?
Transfermarkt: Unter Ihrem Vorgänger verzichtete Fortuna darauf, die Vertragslaufzeiten bei Neuzugängen bekanntzugeben. Sie gehen den entgegengesetzten Weg, siehe das Beispiel Satoshi Tanaka, dessen Verpflichtung bis 2030 bekanntgegeben wurde. Warum?
Mislintat: Das war eine Diskussion bei uns, die 90 Sekunden dauerte. Ich habe kein Problem mit dieser Transparenz. Ich finde es sogar wichtig, dass bei unseren verpflichteten Jungs eingesehen werden kann, dass sie klare Commitments über teilweise viereinhalb Jahre bei uns eingegangen sind. Das zeigt, dass sie sich entwickeln wollen und uns daran partizipieren lassen wollen. Sollte ein Jordi Paulina top spielen, haben wir mit zwei weiteren Vertragsjahren statt nur einem einen ganz anderen Hebel, wenn es um einen möglichen Verkauf geht. Das hilft uns. Und Sie wissen es selbst: Am Ende finden alle, die im Fußball arbeiten, die Vertragslänge sowieso raus. Ich glaube, ich wusste bis auf bei einem Vertrag alle Laufzeiten, die nicht bei Fortuna kommuniziert wurden, als ich mit dem Aufsichtsrat gesprochen habe. Ohnehin bin ich ein Freund von Transparenz im Profifußball.
Transfermarkt: Weshalb?
Mislintat: Dann können die Fans sich ein fundiertes Bild über unsere Arbeit machen. Denn ich kenne viele Kollegen, die machen seit Jahren mit wenig Geld einen herausragenden Job. Aber es geht immer um sportlich sichtbaren Erfolg wie beispielsweise einen Aufstieg – und sehr selten darum, was in Relation zur Geldtabelle eigentlich möglich ist. Mit Blick auf Fortuna Düsseldorf: Wenn wir sagen, dass wir unbedingt aufsteigen müssen, wäre das aktuell ein sehr ambitioniertes Ziel, weil wir die Geldtabelle um einige Plätze schlagen müssten. Das heißt nicht, dass es in einem absolut optimalen Jahr nicht möglich sein kann. Aber Langfristanalysen zeigen deutlich, dass über zehn Jahre hinweg am Ende ein Ranking von gezahlten Gehältern den tatsächlich erspielten Ergebnissen sehr nahekommt, wenngleich es immer Ausschläge nach oben und unten geben wird.
Transfermarkt: Wann wäre Ihr Projekt bei Fortuna Düsseldorf ein erfolgreiches gewesen? Welche Überschrift würden Sie gerne über sich lesen?
Mislintat: So denke ich nie, diese Frage stelle ich mir deshalb auch nicht. Es geht mir um die direkten Feedbacks, die ich erhalte. Ich bin ein maximal loyaler Mensch, manchmal fast naiv-loyal. Mir ist es wichtig, dass sich Leute auf mich verlassen können und ich zu ihnen stehe, auch wenn es für sie schwierig läuft oder sie Fehler machen. Das gilt auch für die Teams, für die ich Verantwortung trage. Dass ich mich öffentlich vor sie stelle und die Dinge intern kritisch mit ihnen bespreche. Es hat mich unfassbar geehrt, als es eine Petition der Stuttgarter Fans gab mit beinahe 20.000 Unterschriften, weil sie wünschten, dass ich dem Klub erhalten bleibe. Die Kommentare, Wünsche und tollen Worte damals, wenn ich heute noch in Stuttgart bin oder im Rahmen des letztjährigen Pokalfinals – das ist Anerkennung für das Fundament, das wir als Team für den sehr guten Weiterbau geschaffen haben. Wenn ich diese Komplimente irgendwann auch in Düsseldorf bekomme, dann weiß ich, dass ich einen guten Job gemacht habe. Ich möchte, dass die Leute verstehen und erkennen, dass ich transparent, geradeaus und ehrlich bin, 100 Prozent Identifikation mitbringe und mein Bestes gebe. Dann bin ich zufrieden. Und je mehr Menschen das mittragen und leben, desto mehr Spaß und Erfolg werden wir haben. Je länger das dauert, desto cooler könnte die Reise werden. Und die darf sehr gerne lange dauern. Ich weiß, dass man im Fußball nie so genau weiß, aber ich bin nicht zu Fortuna gegangen, um zu sagen: Ich haue morgen wieder ab.
Interview: Philipp Marquardt
Zum ersten Teil des Interviews: Mislintat spricht über den Reiz seiner neuen Aufgabe in der 2. Liga, das problematische Umfeld im Fußball, seine Idee vom Tisch der Wahrheit und einen Culture Code bei Fortuna sowie seine Vorsicht bei der Zielformulierung. Zudem erklärt der frühere BVB-Kaderplaner sein Festhalten an Trainer Markus Anfang und wie er den Klub entscheidend voranbringen will.
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