Trainer Schmidt: „Natürlich ist es nicht so, dass hier in Heidenheim alles easy ist“
Frank Schmidt genießt beim 1. FC Heidenheim Legendenstatus. Der 50-Jährige hat an der Brenz alles mitgemacht, den Klub 2023 erstmals in die Bundesliga geführt und erlebt in dieser Saison sogar die Premiere auf internationaler Bühne. Mehr geht nicht – oder etwa doch? Am kommenden Wochenende wartet Meister Bayer 04 Leverkusen (Sa., 15:30 Uhr) als nächster Gegner. Im ersten Teil des Transfermarkt-Interviews spricht FCH-Dauerbrenner Schmidt über seine Einstellung zu Feiern, den Gipfel des maximal Möglichen, die herausfordernden Verluste von Tim Kleindienst und Jan-Niklas Beste, die Reife von Paul Wanner und No-Gos bei Neuzugängen.
Transfermarkt: Herr Schmidt, was konnten Sie mehr genießen: den Bundesliga-Aufstieg 2023 oder den souveränen Klassenerhalt mit der Europapokal-Qualifikation ein Jahr später?
Schmidt: Ich feiere die Feste immer, wie sie fallen. Für mich war der Klassenerhalt aber höher zu bewerten. Leider Gottes lag ich mit Krücken in der Sommerpause auf dem Sofa, weil ich am Sprunggelenk operiert worden bin, und musste den Erfolg ein wenig anders genießen. Aufsteigen ist das eine – die Leistung dann aber zu bestätigen und sogar Achter zu werden, ist eine Stufe darüber. Und es gibt eine Frage, die man sich ständig stellt …
Transfermarkt: Die da wäre?
Schmidt: Wie lange soll es nach oben gehen? Wo ist die Grenze erreicht? Wir merken momentan, wie schwierig es ist, in der Bundesliga wieder Spiele zu gewinnen. Deswegen zelebriere ich Erfolge gar nicht so sehr und freue mich eher im Inneren. Ich habe eine ausgeprägte Siegermentalität und denke in Wirklichkeit immer nur an eins: die nächste Aufgabe. Das treibt mich an.
Transfermarkt: Apropos Feste: Im August 2023 gaben Sie bei „11Freunde“ zu Protokoll, dass Sie womöglich nicht mehr auf die von Ihnen zuletzt besuchte Ü30-Party gehen werden, auch weil Sie sich nicht mehr jedem, der Sie anspricht, gerecht werden können. Wie sieht es 2024 mit Ihrer Präsenz auf solchen Festen aus?
Frank Schmidt: Dass man als Bundesliga-Trainer unterwegs ist und unerkannt bleibt – das gibt es nicht mehr. Nicht zu vergessen ist, dass ich im Sommer wegen der Krücken nur zuhause war. Ich glaube, das letzte große Fest war die Ü30-Christmas-Party vor knapp zwei Jahren in Heidenheim. Wenn, dann bin ich meistens im kleinen Freundeskreis unterwegs.
Transfermarkt: Sie wollten nach zehn Bundesliga-Spielen das erste Mal auf die Tabelle schauen. Nach fünf sieglosen Spielen stehen Sie kurz vor der Abstiegszone. Wie lautet Ihr Zwischenfazit?
Community Alle Themen rund um den 1. FC Heidenheim Jetzt mitreden! Schmidt: Wolfsburg war ein richtungsweisendes Spiel. Hätten wir gewonnen, wären wir voll auf Kurs gewesen. Wir können mit den Ergebnissen zuletzt allerdings nicht zufrieden sein und laufen der Musik etwas hinterher. Der Druck nimmt natürlich zu, uns fehlen einige Punkte. Ich kenne die Diskussionen um die nächsten Top-Gegner. Wir stellen uns auf einen etwas holprigen Weg ein. Aber die Mannschaft ist immer bereit, an Grenzen zu gehen und versucht alles. Die Spiele waren eng. Die letzten Jahre ging es immer nur in eine Richtung. Dass mal eine Phase wie die jetzige dabei ist, müssen wir verarbeiten. Es wäre zu schön, wenn man immer nur Erfolge feiern kann.
Hinweis der Redaktion: Das Programm nach der Länderspielpause lautet Leverkusen (A), Chelsea (H), Frankfurt (H), FC Bayern (A), Basaksehir (A) und Stuttgart (H). Zum Spielplan des 1. FC Heidenheim.
1. FC Heidenheim mit makelloser Bilanz in der Conference League
Transfermarkt: In der Conference League haben Sie dagegen die volle Punkteausbeute erzielt. Ist der Erfolg in Europa eine Gefahr für die Bundesliga, weil er vom Tagesgeschäft ablenken kann?
Schmidt: Meine Frau sagt: ‚Ihr wolltet es so.‘ Und natürlich nehmen wir das auch so an. Was uns ein Stück weit fehlt, ist normales Training. Im mannschaftstaktischen Bereich können wir momentan nicht arbeiten, wie wir es gewohnt sind. Wir spielen, regenerieren, schlafen, essen, bereiten uns im Abschlusstraining auf den Gegner vor und spielen wieder. Deswegen bin ich nicht unglücklich über die Länderspielpause. Wir beschweren uns nicht und versuchen, das Beste daraus zu machen. Momentan fällt uns das nicht leicht. Unsere Hauptaufgabe ist es, dranzubleiben.
Transfermarkt: Heidenheim hat mit dem Aufstieg und der Europapokal-Quali Historisches geschafft. Sie haben es angedeutet: Ist der Gipfel des maximal Möglichen für den Klub damit erreicht?
Schmidt: Das ist wohl so. In den letzten Jahren ging es nur in eine Richtung. Wir haben etwas erreicht, was unvorstellbar war und niemand erwarten konnte. Aber jetzt von der Ultima Ratio zu sprechen, wäre auch verkehrt. Man muss bloß die Erwartungshaltung in Einklang bringen mit dem, was wir erreichen können. Sollten wir die Klasse halten, wäre das ein weiterer Schritt. Um das zu verstehen, muss man nur einen Blick in die 2. Liga werfen. Viele Teams würde man eigentlich an unserer Stelle in der Bundesliga erwarten.

Transfermarkt: Sie sind seit 2007 Heidenheim-Trainer. Wie oft in all den Jahren haben Sie den Reiz nach etwas Neuem verspürt, diesen Gedanken aber wieder verworfen?
Schmidt: Kein einziges Mal, sonst hätte ich die Gelegenheit genutzt. Wer mich kennt, weiß: Wenn ich eine Zusage treffe, kann man sich auf mich zu 100 Prozent verlassen. Natürlich ist es nicht so, dass hier in Heidenheim alles easy ist, egal, wie die Ergebnisse aussehen. Vielleicht stehen wir vor der schwierigsten Phase meiner Trainerzeit.
Es wird ausschließlich um den Klassenerhalt gehen.
Transfermarkt: Woran machen Sie das fest?
Schmidt: Wir sagen ganz klar, dass der 1. FC Heidenheim nicht wie selbstverständlich die nächsten zehn Jahre in der Bundesliga spielt. Das wäre ein Irrglaube. Jeder muss wissen, wie wir das Ganze seit Jahren betreiben: mit Spielerverkäufen und Neuzugängen aus der zweiten, dritten oder sogar vierten Liga. Da kann die Erwartungshaltung nicht sein, dass es automatisch immer so weitergeht. Die neuen Spieler haben viel Potenzial, müssen sich aber in der Bundesliga noch entwickeln. Auch nach der Tabellenführung nach dem zweiten Spieltag habe ich gesagt: Es wird ausschließlich um den Klassenerhalt gehen.
Transfermarkt: Sie hatten womöglich den richtigen Riecher.
Schmidt: Das wird ein brutaler Kampf bis zum Schluss. Ich glaube, alle fühlen sich darin ein wenig bestätigt und hätten es gerne etwas komfortabler. Aber wir sind nicht bei ‚Wünsch‘ dir was‘. Am Ende gibt es wie in jedem Unternehmen eine Bilanz – die muss stimmen. Du kriegst, was du verdient hast. Wir sind überzeugt, dass wir am Saisonende über dem Strich stehen werden. Wenn wir dann, so wie jetzt, 14. sind, wäre das ein Riesenerfolg. Ich kann nur versprechen, dass wir alles tun werden, damit uns das gelingt. Jedes Jahr aufs Neue. Denn es geht nicht immer noch höher. Wir müssen oftmals einen Schritt zurückgehen, um wieder voranzukommen.
Transfermarkt: Was meinen Sie konkret?
Schmidt: Es geht um die Kaderplanung, wenn Leistungsträger abgegeben werden. Das ist für uns im Sommer schon ein Einschnitt gewesen. Wir sind immer noch dabei, unsere Offensive neu auszurichten. Bis auf Adrian Beck, Stefan Schimmer, Denis Thomalla und Marvin Pieringer sind alle vorne neu dabei.
Abgänge beim 1. FC Heidenheim als Antrieb für Trainer Schmidt
Transfermarkt: Wie groß war Ihre Sorge, dass Ihr Erfolgsteam insbesondere nach den Abgängen Ihrer Leistungsträger Tim Kleindienst und Jan-Niklas Beste auseinanderbrechen könnte?
Schmidt: Die Sorge hatten viele im Umfeld. Aber ich brauche solche Situationen als Trainer immer wieder. Wenn du so lange im Verein tätig bist, ist ein Umbruch hin und wieder angebracht, um sich neu aufzustellen. Das ist meine Berufung und treibt mich an. Ich habe riesige Lust und großen Respekt davor, diese Hürden zu nehmen. Sorgen habe ich andere im Leben.
Transfermarkt: Talent Paul Wanner steht derzeit besonders im Fokus, hat die Wahl zwischen der deutschen und der österreichischen Nationalmannschaft. Wie nehmen Sie ihn wahr?
Schmidt: Total reif und reflektiert für seine 18 Jahre, mit einem klaren Plan. Es ist jetzt nicht so, dass er mich jeden Tag um Rat fragt. Das weiß er schon selbst, zusammen mit seinen Eltern und seinem Berater. Es prasselt viel auf ihn ein. Wir sind sehr zufrieden mit ihm. Er ist als Persönlichkeit schon sehr weit, aber ich glaube, wir können ihm noch ein bisschen was mit auf den Weg geben, was das Rüstzeug betrifft. In den letzten Spielen hat er sich etwas schwerer getan, aber das ist im ersten richtigen Bundesliga-Jahr völlig normal. Er hat extrem großes Potenzial, steht mit beiden Beinen im Leben. Ich bin mir sicher: Wenn er von Verletzungen verschont bleibt und weiterhin jede Stufe nimmt, kann er ein herausragender Fußballer werden.
Transfermarkt: Sie predigen Ihren Spielern Werte wie Verlässlichkeit. Welche Art und Kategorie von Spieler wird der FCH niemals verpflichten?
Schmidt: Unehrlich, faul, besserwisserisch.

Transfermarkt: Ist das schon einmal vorgekommen?
Schmidt: Wir sind sehr gut bei der Kaderzusammenstellung, weil wir genau wissen, was wir wollen. Und die Berater wissen auch, was zu Heidenheim passt oder nicht. Es kommt nicht selten vor, dass wir uns mit einem Spieler beschäftigen, vom Berater dann aber kommt: ‚Der passt nicht zu euch!‘ Es ist doch ganz klar, dass nicht jeder Spieler das Wesen oder Naturell für Heidenheim hat. Die Konstellation muss stimmen, das Kollektiv ist das Wichtigste. Wir haben keine hundertprozentige Trefferquote, aber eine sehr gute. Dass es einmal überhaupt nicht gepasst hat, gab es auch schon.
Von Philipp Marquardt
In Kürze folgt Teil 2: Schmidt spricht über den richtigen Moment fürs Aufhören, Zukunftspläne, ausbleibende Angebote, ein uneingelöstes Versprechen an seine Frau und das bislang kraftraubendste Jahr seiner Trainerkarriere.
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Hoffentlich schafft Heidenheim den Klassenerhalt, schon alleine das wir Schmidt weiter sehen dürfen.
- Geb./Alter:
- 23.12.2005 (20)
-
Nat.:
- Akt. Verein:
- PSV Eindhoven
- Vertrag bis:
- 30.06.2030
- Position:
- Zentrales Mittelfeld
- Marktwert:
- 22,00 Mio. €
- Geb./Alter:
- 03.01.1974 (52)
-
Nat.:
- Akt. Verein:
- 1.FC Heidenheim 1846
- Aktuelle Funktion:
- Trainer
- Vertrag bis:
- 30.06.2027
- Im Amt seit:
- 17.09.2007
- Gesamtmarktwert:
- 32,90 Mio. €
- Wettbewerb:
- 2. Bundesliga
- Tabellenstand:
- 9.
- Trainer:
- Frank Schmidt
- Kadergröße:
- 26
- Letzter Transfer:
- Michael Heule










