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Was wäre wenn ...

09.11.2017 - 13:58 Uhr
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Was wäre wenn ... |#11
26.07.2023 - 08:34 Uhr
Ich hab vor ein paar Tagen eine Episode von Manni Benders Podcast angeschaut, in der Bernd Schuster zu Gast war. Er sagte unter anderem, dass der FCB in jungen Jahren sein Traumverein war. Das führt mich zur Frage: Was wäre, wenn der FCB 1978 den jungen Bernd Schuster (* 22.12.1959) aus Augsburg verpflichtet hätte?

Man muss sich das mal vorstellen. Da wächst das größte deutsche Talent nach Franz Beckenbauer direkt vor der Haustür auf, Bayern München ist sein erklärter Traumverein und er spielt im Leben weder für den FCB noch nennenswert für die Nationalmannschaft (21 Länderspiele).

Seine Karriere fällt in eine Zeit, in der Bayern zwar reihenweise Meister wird, international aber trotz vieler Final- und Halbfinalteilnahmen das letzte Puzzlestück irgendwie fehlt. Vor allem spielerisch.

Und die Nationalelf? Gewinnt mit Schuster die EM 1980 und ohne ihn die WM 1990 und die EM 1996. Aber außer 1990 wirkte kein Turnier wirklich rund. Viel Kampf und Schlachtenglück. Eine ordnende Hand hätte mit dem FC Bayern/DFB in den 1980ern und danach eine Ära prägen können wie Barca/Spanien ab 2008. Schuster war Pirlo bevor es Pirlo gab. Nur besser. Hinter Maradona der talentierteste seiner Generation - noch vor Zico, Matthäus, Platini, Baresi und van Basten. Nur lief in seiner Karriere so ziemlich alles schief, was schief laufen konnte. Falsche Trainer zum falschen Zeitpunkt (Heddergott, Derwall, Lattek zumindest am falschen Ort zur falschen Zeit), schwere Verletzungen (vor der WM 1982 und der EM 1984) und vor allem viele Missverständnisse und noch mehr falscher Stolz und Sturheit. Wie er selbst mal sagte, wäre mit einem professionellen Berater von außen, der die Konflikte deeskaliert hätte, so einiges anders gelaufen. Vielleicht hätte der junge Manager Uli Hoeneß hier ein guter Mentor und Vermittler sein können.

Warum es 1978 kein Angebot von Bayern gab, weiß ich nicht. Er hat den FCA zur bayrischen Jugendmeisterschaft geschossen. Man hätte ihn also kennen können. Im Podcast von Manni Bender sagt er, dass der FCB damals sein Traumverein gewesen sei. Stattdessen unterschrieb er gleichzeitig Profiverträge in Augsburg, Köln und Gladbach. Nach der EM 1980 forderte der FC dann eine Mio.-Summe, die für Bayern nicht zu stemmen war. Was aber, wenn er 1978 als 18-jähriger tatsächlich nach München wechselt?

Maier, Schwarzenbeck und Müller sind in den Endzügen ihrer Karriere, der junge Augenthaler spielt in der Abwehr, Rummenigge kommt mit 23 langsam in seine Prime und aus Braunschweig kommt Paul Breitner zurück. Die letzte Saison war mit Platz 12 mehr als enttäuschend. Die goldenen 70er sind vorbei.

Breitner ist sofort der Chef im Mittelfeld. Vorne steht die Wachablösung Müller/KHR als Sturmführer an. Die Hinrunde läuft nicht gut. Schuster sammelt ein paar erste Einsätze als Lückenfüller und kann von Libero bis zur Position hinter der Spitzen alles spielen. Die Resultate sind durchwachsen. Trainer Lorant muss gehen, Csernai kommt. Im Laufe der Rückrunde spielt sich Schuster im Mittelfeld neben Breitner fest. Charakterlich passen beide überhaupt nicht zusammen, aber ihre spielerische Klasse und taktische Flexibilität übertüncht das. Im Laufe der Rückrunde wird Uli Hoeneß Manager. Neudecker tritt zurück. Maier und Müller spielen ihre letzten Spiele für Bayern. Meister wird der HSV.

Der positive Trend verstetigt sich 1979/80. Anfang 1980 debütiert Schuster in der Nationalelf. Bayern wird Meister, Deutschland gewinnt die EM. Schuster glänzt als Vorbereiter und etabliert sich als einer der Stars der aufstrebenden Generation um Förster, Schumacher, Matthäus, Allofs, Briegel und Rummenigge. Letzterer gewinnt den Ballon d‘Or vor Schuster und Platini.

1981 verteidigt Bayern den Titel und Rummenigge den Ballon d’Or. Im Frühling 1981 gibt Paul Breitner sein Comeback im Nationalteam. Die Hierarchie gerät ins Wanken und Derwall lässt es so laufen. Mehr und mehr knirscht es zwischen Breitner und Schuster. Im Verein hat Uli Hoeneß alle Hände voll zu tun, um immer wieder zwischen dem Altstar, nebenbei einem seiner besten Freunde, und dem aufstrebenden Schuster zu vermitteln. Dies gelingt ihm nur dadurch, dass er Schuster das Kapitänsamt nach Breitners Karriereende in Aussicht stellt und ihm zusichert, die zukünftige Mannschaft um ihn herum aufzubauen. Auch den ein oder anderen Disput mit dem DFB glättet Hoeneß aus der Ferne.

Die individuelle Klasse trägt Bayern durch Liga und Europapokal, aber ein echtes Team ist es nicht. Den Titel holt der HSV um Stein, Kaltz, Magath und Hrubesch. Das Endspiel im Europapokal gewinnt Bayern gegen ein individuell klar unterlegenes Aston Villa, aber der Sieg übertüncht nur die Spaltung des Teams in das Lager um Breitner/Rummenigge sowie den Rest.

Der Konflikt wirkt sich erkennbar auf die Leistung bei der WM 1982 aus. Das Team ist in Grüppchen gespalten. Deutschland rumpelt sich mit Schlachtenglück und individueller Klasse ins Finale, unterliegt dort aber Italien verdient mit 1:3. Paul Breitner beendet mit einem Tor seine Länderspielkarriere. Schuster liegt ein Angebot von Juve vor, doch Hoeneß kann ihn abermals vertrösten. Dies gelingt nur, weil Breitner ankündigt, dass dies seine letzte Saison sein wird. Juventus verpflichtet Platini statt Schuster.

1982/83 endet enttäuschend und ohne Titel. Nach der Saison wird Csernai verabschiedet und durch Lattek ersetzt. Breitner beendet seine Karriere.

Jetzt muss Schuster liefern, kann dies aber nur bedingt. Er selbst spielt, nun als Kapitän und alleiniger Taktgeber, eine durchwachsene Saison 1983/84. Breitners Klasse fehlt, Rummenigge hat mit Verletzungen zu kämpfen. Meister wird Stuttgart. Bayern Vierter. Dafür fällt der DFB-Cup ab, nachdem der angekündigte FCB-Neuzugang Lothar Matthäus den entscheidenden Elfmeter für Gladbach verschießt. Die EM in Frankreich endet nach einer überraschenden Niederlage gegen Spanien bereits in der Vorrunde. Derwall muss gehen, Franz Beckenbauer übernimmt.

1984/85 startet der FCB nun durch. Matthäus, Lerby und Schuster bilden ein überragendes Mittelfeld, in dem jeder - sei es durch Dynamik oder kluge Pässe - dem Spiel seinen Stempel aufdrücken kann. Die Meisterschaft geht wieder nach München.

Die Maschine läuft. Im Folgejahr 1985/86 hält Bayern in der Meisterschaft Bremen auf Abstand und gewinnt den Pokal gegen Stuttgart. Auch den Europapokal kann man nach Siegen gegen Anderlecht, Bukarest und im Finale gegen Barca wieder nach München holen. Es ist das erste Triple der Vereinsgeschichte und das bis dato erfolgreichste Jahr des Vereins.

Den krönenden Abschluss bildet die WM in Mexiko. Nach durchwachsener Vorrunde schaltet die Nationalelf um Matthäus und Schuster in einem epischen Halbfinale Frankreich aus und trifft im Finale auf Argentinien. Eine durchschnittliche Mannschaft getragen vom alles überragenden Diego Maradona. Deutschland geht durch Tore von Völler und Allofs früh in Führung, doch Argentinien kann in der zweiten Hälfte nach zwei Standards ausgleichen. Schuster ist eigentlich nicht wirklich im Spiel, hebelt dann aber kurz vor Schluss mit einem genialen Pass die argentinische Abwehr aus. Völler geht alleine auf den Torwart zu und vollendet zum 3:2. Deutschland ist Weltmeister. Schuster gewinnt den Ballon d‘Or, Matthäus wird Dritter.

1986/87 springt dann nur die Meisterschaft raus. Lerby hat das Team verlassen. Dafür kommt mit Brehme ein exzellenter Abwehrspieler. Im Europapokal verliert man als hoher Favorit überraschend im Finale gegen den FC Porto. Udo Lattek verabschiedet sich somit mit einer Niederlage. Jupp Heynckes übernimmt.

Nachdem sich Toni Schumacher mit seinem Buch Anpfiff selbst aus dem Spiel nimmt, wird Schuster auch in der Nationalmannschaft zum Kapitän ernannt.

In der Bundesliga lässt man es nach drei Meisterschaften in Folge etwas schleifen. Bremen nutzt das aus und holt ausgerechnet in der Saison ohne Völler, Burdenski und Pezzey den Titel. Im Europacup setzt man sich dafür wie schon im Vorjahr nach umkämpften Spielen gegen Real durch. Im Halbfinale wird Eindhoven aus dem Weg geräumt und im Finale Benfica geschlagen. Es ist der dritte Sieg in den 80er und es sollte der letzte der Ära Schuster sein. Bei der EM sind dann die Holländer um Rijkaard, Gullit und van Basten im Halbfinale zu stark. Matthäus und Brehme wechseln darauf nach Mailand. Vom Absteiger Schalke kommt das Wunderkind Olaf Thon.

In den beiden Folgejahren 1989 und 1990 wird wieder die Meisterschaft eingefahren. Im UEFA Cup ist gegen Maradonas Neapel und im Europacup 1990 gegen Milan mit den drei Holländern Schluss. Höhepunkt der Saison ist die Titelverteidigung bei der WM. Angetrieben von einem grandiosen Lothar Matthäus, der bei Inter noch einmal einen Schritt gemacht hat. Maradona geht wieder leer aus und gilt als genial, aber unvollendet. Nach der WM tritt Kapitän Schuster mit 30 Jahren und zwei Titeln aus der Nationalelf zurück.

1990/91 wird die Meisterschaft gegen das Überraschungsteam aus Kaiserslautern verloren. Schuster wirkt oft lustlos. Drängt plötzlich in die Libero-Rolle, die eigentlich seit Jahren von Klaus Augenthaler solide ausgefüllt wird. Gerät ein ums andere Mal mit Trainer Heynckes aneinander. Irgendwie scheint der Lack ab, die Geschichte zu Ende erzählt, der Absprung verpasst.

Lediglich im Europacup gibt es Highlights. Im Halbfinale wird der rote Stern aus Belgrad nach zwei packenden Matches bezwungen. Im Finale wartet Olympique Marseille, das Spielzeug des französischen Adidas-Chefs Bernard Tapie. In einem mäßigen Finale verliert der FC Bayern mit 0:2. Dabei wird Schuster in der 74. Minute gegen den Joker Alan McInally ausgewechselt als Heynckes die Brechstange auspackt.

Eh schon die ganze Saison genervt von den jungen Wilden um Effenberg, Strunz, Bender und Thon, die sich ihm nicht einfach so unterordnen wollen, verlangt er einen Wechsel. Zunächst stellt sich Hoeneß quer, da auch die Stützen Reuter und Kohler den Verein verlassen und Klaus Augenthaler seine Karriere beendet. Doch nachdem Schuster nicht zum Trainingsauftakt erscheint und damit droht, die Saison lustlos auszusitzen, lässt Hoeneß ihn schlussendlich doch zu Atlético Madrid ziehen. Dort sollte er in den folgenden zwei Jahren zumindest noch einmal den spanischen Pokal gewinnen.

1991/92 wird für Bayern zur Katastrophensaison mit 3 Trainern und Fast-Abstieg. Die 1990er werden für den Verein ein eher durchwachsenes Jahrzehnt. Die EM 1992 verläuft ohne Schuster, Matthäus, Brehme und Völler (alle drei verletzt) enttäuschend. Zwar rumpelt man sich irgendwie ins Finale, verliert dort aber überraschend gegen Dänemark, das für Jugoslawien kurzfristig ins Turnier gerutscht ist.

Bayern holt zu Beginn der Saison 1992/93 den verletzten Lothar Matthäus aus Mailand zurück, aber der Erfolg will sich nicht so recht einstellen. Zum dritten Mal in Folge wird die Meisterschaft verpasst.

1993/94 kehrt Bernd Schuster nach einem unrühmlichen Abgang aus Madrid in die Bundesliga zurück und hat noch 2,5 gute Jahre in Leverkusen mit Highlights und dem ein oder anderen Tor des Monats. Weitere Titel bleiben ihm jedoch nicht vergönnt.

Die BILD fordert ihn für die WM 1994, doch dazu kommt es nicht. Bundestrainer Vogts (und wohl auch der ein oder andere Führungsspieler) entscheidet sich gegen den alternden Star. Nach einem Streit mit Trainer Ribbeck beendet Schuster seine Karriere mit einem kurzen Gastspiel in Mexiko, dem Ort seines größten Triumphes.

Mit dem FC Bayern hat er wie Klaus Augenthsler sieben Meisterschaften gewonnen sowie dreimal den Europacup der Landesmeister. Dazu stehen zwei Weltmeistertitel, ein EM-Sieg und ein Ballon d‘Or in seiner Vita.

Hätte der FCB doch nur 1978 diesen Nachwuchsspieler aus Augsburg geholt zwinker


An den Meisterschaften habe ich nichts verändert, die waren eh schon reichlich in den 80ern. Aber ich denke, dass Schuster für Bayern und die Nationalelf auf der ganz großen Bühne den Unterschied hätte ausmachen können. Die Duelle gegen Aston Villa (1982), Argentinien (1986), Anderlecht (1986) , Real (1988) und Belgrad (1991) waren denkbar knapp. In anderen Spielen wie gegen Porto (1987), Holland (1988), Neapel (1989) oder Milan (1990) hätte es vielleicht auch mit ihm nicht gereicht.

Für beide Seiten hätte es eine fruchtbare Zusammenarbeit werden können. Vorausgesetzt, Uli und die Trainer kriegen seinen Charakter irgendwie wenigstens halbwegs gebändigt. Ich sag mal 50:50. Mit Ribéry z.B. hat es ja geklappt. Schuster hätte so in die Riege der ganz großen aufsteigen können. Dafür wäre Maradona ohne WM-Titel der Unvollendete gewesen. Der Stern von Lothar Matthäus würde auch etwas weniger hell strahlen. Er hätte zwar die WM 90 geholt, aber wäre die meiste Zeit seiner Karriere in Schusters Schatten gewesen.

Am Ende stünden so 3 Landesmeister- und ein WM-Pokal mehr in der Vitrine. Wenn man bedenkt, dass der Landesmeister-Cup vor Bosman und der Erhöhung der Teilnehmerzahl schon etwas leichter zu gewinnen war, wäre das mMn drin gewesen. Aber leider hat es nicht sollen sein.
Dieser Beitrag wurde zuletzt von Tim99 am 26.07.2023 um 08:45 Uhr bearbeitet
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