Eintracht-Vorstand im Interview
Krösche über Marktwerte, KI im Scouting & WM als Markt: Talente zu finden immer schwieriger
©TM/IMAGO
2025/26 war eine turbulente Saison für Markus Krösche und Eintracht Frankfurt. Zum ersten Mal seit 2022 verpassten die Hessen die Qualifikation für den europäischen Fußball. Im Januar entschied sich der 45-Jährige dafür, SGE-Coach Dino Toppmöller zu ersetzen, und holte Albert Riera, der mittlerweile ebenfalls Geschichte ist. „Das war eine Fehleinschätzung meinerseits“, sagt Krösche im TM-Interview, in dem er darüber hinaus über Trends auf dem Transfermarkt, die Erschließung neuer Märkte sowie die WM als Scouting-Feld spricht.
Krösche und sein Team sind beim XXL-Turnier in Kanada, Mexiko und den USA vor Ort. Aber ist das Turnier ein guter Ort, um Spieler zu scouten? „Früher war das viel mehr“, sagt Krösche mit Blick auf die Anzahl von Vereinen, die Spieler aufgrund ihrer Turnierleistungen bei einer WM verpflichteten. „Früher haben wir diesen wenigen Spielen viel mehr Gewicht beigemessen. Aber ich glaube, der Fußball hat dazugelernt. Heute ist das Scouting viel strategischer. Meiner Meinung nach hat ein Turnier nicht mehr denselben Einfluss auf die Entscheidung eines Vereins wie vielleicht noch vor zehn Jahren.“
Krösche betont, dass heute ein Großteil der Arbeit bei der Spielerbewertung bereits vor einem großen Turnier stattfindet. „Heute haben wir so viel mehr Hilfsmittel, um Spieler zu beurteilen, darunter auch KI, die dabei helfen kann, eine langfristigere Entscheidung über einen Spieler zu treffen, und unsere Entscheidungen viel besser beeinflussen kann. Vor diesem Hintergrund hat ein Turnier meiner Meinung nach fast keinen Einfluss mehr auf die Entscheidung, ob ein Spieler verpflichtet wird oder nicht.“
Das heißt aber nicht, dass der Marktwert eines Spielers nicht von den Ereignissen bei einem großen Turnier beeinflusst wird. „Natürlich kann eine Weltmeisterschaft den Marktwert in der Öffentlichkeit beeinflussen; es ist schließlich das größte Ereignis der Welt. Aber innerhalb der Branche hat das nicht so viel Einfluss. Der Marktwert entwickelt sich durch den Ligabetrieb und die internationalen Klubwettbewerbe; bei einem Turnier geht es eher darum, einen hohen Marktwert zu bestätigen.“
Dennoch gibt es in der Geschichte zahlreiche Spieler, die aufgrund ihrer Leistungen bei einem großen Turnier wie der EM oder der WM verpflichtet wurden. „Wenn man die Wahrscheinlichkeit eines erfolgreichen Scoutings erhöhen und sicherstellen will, dass der Spieler sich bewährt und das Potenzial hat, muss man eine ganze Reihe von Spielen beobachten“, so Krösche. „Bevor wir entscheiden, ob wir einen Spieler verpflichten oder nicht, muss er bei uns ein paar Spiele mehr bestreiten, als es bei einem Turnier üblicherweise der Fall ist. Ich halte es einfach für sehr schwierig, eine Entscheidung über einen Spieler anhand von ein paar WM-Spielen zu treffen. Bei einem Turnier können sie ihre Leistungen aus der Liga bestätigen.“
Das heißt aber nicht, dass eine Weltmeisterschaft für Vereine wie Eintracht Frankfurt keine wichtigen Anhaltspunkte liefert. „Man bekommt einen guten Überblick über das allgemeine Niveau des Fußballs weltweit. Ich finde es immer interessant, die Entwicklung zu beobachten – wie nah kleinere Länder an Europa oder die Südamerikaner herangekommen sind. Die kleineren südamerikanischen Länder: Wie weit haben sie zu Europa aufgeholt? Das ist für mich wichtig zu sehen.“ Ein Land außerhalb Europas und Südamerikas, das besonders aufgefallen ist, sei Marokko. „Sie sind mit europäischen Top-Teams vergleichbar. Sie sind schon sehr nah herangekommen.“
Krösche: Talentförderung „ist ein ganzheitlicher Prozess“
Für einen Verein wie Eintracht Frankfurt ist es von entscheidender Bedeutung, aufstrebende Märkte im Auge zu behalten. Schließlich befindet sich der Verein nach wie vor in einer Situation, in der er Spieler entwickeln und mit Gewinn verkaufen muss. „Ich würde sagen, dass 90 Prozent der Vereine finanziell davon abhängig sind, auf dem Transfermarkt Geld zu verdienen“, so Krösche. „Es gibt vielleicht eine Handvoll Mannschaften, die immer um die Champions League mitspielen und nicht darauf angewiesen sind, auf dem Transfermarkt Geld zu verdienen. Aber diese Mannschaften haben Zugang zu mehr externem Kapital. Sie befinden sich in einer völlig anderen Situation.“
Unter Krösches Führung hat Frankfurt Randal Kolo Muani (95 Mio. € an PSG), Hugo Ekitiké (95 Mio. € an Liverpool), Omar Marmoush (75 Mio. € an Man City) und Wilian Pacho (40 Mio. € an PSG) verkauft. All diese Spieler wurden für relativ wenig Geld verpflichtet. Mit anderen Worten: Unter Krösche ist es Frankfurt gelungen, den Transfer-Jackpot zu knacken und die Einnahmen rasant zu steigern. Aber das ist keine Selbstverständlichkeit. „Das ist jedes Jahr eine neue Herausforderung“, betont Krösche. „Ein Teil unserer Kaderplanung besteht darin, Spieler mit Potenzial zu verpflichten und sie weiterzuentwickeln.“
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Gerücht
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N. Brown |
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Linker Verteidiger |
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E. Frankfurt |
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Bayern München |
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Bundesliga |
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Der nächste Profi auf der Liste könnte Nathaniel Brown sein. Der Nationalspieler, der für nur 3,5 Mio. € vom Zweitligisten 1. FC Nürnberg verpflichtet wurde, wird stark mit einem Wechsel zum FC Bayern München in Verbindung gebracht. Nach Informationen von Transfermarkt steht der Transfer kurz vor dem Abschluss, das Gesamtpaket soll sich auf eine Summe um 55 Mio. € belaufen.
Wie schafft es Frankfurt immer wieder, diese talentierten Spieler zu finden und ihnen dann ein Umfeld zu bieten, in dem sie sich entwickeln können? „Ein großer Teil davon ist, ein gutes Team rund um die Mannschaft zu haben“, erklärt Krösche. „Es ist ein ganzheitlicher Prozess. Er beginnt damit, wie wir Spieler mit Potenzial auswählen, und setzt sich fort damit, wie das Team um sie herum daran arbeitet, diese Spieler weiterzuentwickeln. Es geht darum, diesen Spielern die Zeit zu geben, sich auf dem Platz zu entfalten. Man muss ihnen vertrauen, auch wenn sie Fehler machen. Die jungen Spieler befinden sich in einem Umfeld, in dem sie sich wohlfühlen und wachsen können. Das ist unsere Aufgabe.“
Frankfurts Krösche: Talente zu finden wird immer schwieriger
Gleichzeitig werde es für Vereine wie Frankfurt immer schwieriger, Talente zu finden. Der Hauptgrund dafür sei der zunehmende Wettbewerb. „Wir müssen neue Märkte erschließen und effizienter werden“, sagt Krösche. „Das wird immer unser Weg sein: effizienter und schneller zu werden und gute Entscheidungen zu treffen.“ Ein weiteres Problem sei, dass mit dem Erfolg Frankfurts auch die Erwartungen gestiegen sind, was bedeutet, dass talentierte Spieler nun höhere Anforderungen erfüllen müssen, wenn sie zum Verein kommen wollen. „Letztendlich müssen wir die Balance finden zwischen der Förderung von Spielern und einem gewissen Qualitätsniveau in unserem Kader, um unsere Ziele zu erreichen.“
Vor diesem Hintergrund erkundet Frankfurt ständig neue Märkte, einer davon ist auch Nordamerika. Frankfurt hat 2023 Paxten Aaronson vom Philadelphia Union verpflichtet. Der Mittelfeldspieler ist inzwischen in die Major League Soccer zurückgekehrt.
„Aaronson war ein gutes Beispiel dafür, dass wir den nordamerikanischen Markt im Blick haben, insbesondere unter den Märkten außerhalb Europas. Das Gleiche gilt für den japanischen Markt. Die Zahl der Spieler mit Potenzial in Nordamerika ist enorm. Das sieht man an der Entwicklung der Major League Soccer und den ihr zugrunde liegenden Strukturen wie der USL. Man sieht es auch am Wachstum der Nachwuchsakademien. Das wird in Zukunft nur noch zunehmen. Das Gleiche gilt für Kanada. Dieser Markt ist genauso interessant und ist in den letzten Jahren erheblich gewachsen.“
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