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Wir werfen einen Blick zurück auf das Jahr 2023

11.12.2023 - 11:56 Uhr
Sodele @filipe19 , ich bin Dir noch einen Beitrag schuldig.

Jetzt ist das Fußballjahr tatsächlich zu Ende. Und 2023 hatte gerade aus VfB Sicht wieder einmal megamäßig was zu bieten. Und wie zum Beweis hat es ein ganzes Jahr komplett komprimiert in den letzten beiden Saisonspielen zusammengefasst. Masslose Enttäuschung und komplette Begeisterung. Das ist der Fußball und seine Faszination. Vor allem ist das UNSER VfB.

Auch als Labbadiakritiker habe ich zu denjenigen gehört, die trotzdem sicher waren, dass mit diesem Kader die Klasse gehalten wird, werden muß. Schnell, sehr schnell jedoch hat er bewiesen, warum seinerzeit das Stadion leer gespielt wurde und die Fans höhnische Gesänge über Europacupspiele erfunden haben. Labbadia hat nicht nur Sicherheitsfussball angeordnet, er hat der Mannschaft auch zunehmend jede Lust am Fußballspielen genommen. "Aus einem verzagten ***** kommt kein fröhlicher Furz". Dieses Luther zugeschriebene Zitat halte ich für die treffende Beschreibung der Vergewaltigung des Spielgerätes unter Labbadia. Es schien wichtiger, knapp zu verlieren als vielleicht noch einen Punkt zu holen. Vielleicht kann er seinem Spiegel erklären, wie aus solchen Vorgaben Spieler, geschweige denn Mannschaften Selbstvertrauen schöpfen sollen. Um die Fehlentscheidung Labbaidia zu rechtfertigen wurde der Kader schlecht geredet, die Verletzung Guirassy (auch mit ihm hat Labbiadia nicht gewonnen) und einzelne Spieler öffentlich angezählt. Aber er hätte den VfB wieder fit gemacht. Obwohl der nicht fitte VfB ohne Labbadia einige Spiele in der Vorrunde mit großem Willen und guter Kondition für sich entschieden hatte. Auch das gehört zu 2023. Wie die Transfers von Haraguci und Dias, der Verkauf von französischen Altlasten wie Ahamada und Tibbidi.

Das Ende kam spät, eigentlich viel zu spät. Nicht 5 vor 12, sondern eher 10 Minuten später. Erinnert sich noch jemand daran, wann und wie lange dieser Wechsel gedauert hat? Auch das gehört zu 2023.

Aber es kam und mit ihm begann zumindest vorläufig (wir sind immer noch beim VfB) eine neue Zeitrechnung. Hoeneß hatte null Gelegenheit, die Mannschaft kennenzulernen. Geschweige denn, mit ihr zu trainieren und musste nach Nürnberg zum Pokalspiel. Der VfB spielte Labbadiafußball, was auch sonst ohne vernünftige Vorbereitung. Ließ gegen beidere Nürneberg nichts zu, gewann durch ein Jokertor von Millot (schon wieder ein Franzose) 1:0 und der Trainer hatte damit einen erfolgreichen Einstand. Nur wenige Tage ging es zum Spiel nach Bochum. Der VfB trat bereits anders auf, Kunststück. Man musste auch gewinnen, sonst wäre die Mission von Hoeneß schon sehr schnell gescheitert. Es gelang, trotz eines Witzelfers, weil man endlich auch mal Spielglück hatte, den Elfer gleich kontern konnte und Riemann dann noch ein Geschenk nachlegte. Der erste Auswärtssieg nach gefühlt 100 Jahren.

Es folgte eine Serie von Spielen, die immer wieder aufzeigten, welches Potential und welche Moral in der Mannschaft steckten. Der eine oder andere Auftritt erinnerte an Spiele unter Matarazzo , z.B. der Auftritt in Berlin, aber auch in positiver Hinsicht. Es gab sehr gute und mutige Auftritte gegen die Bayern und gegen Dortmund. Teilweise belohnt. Nicht immer. Und der letzte Spieltag verlief teilweise so absurd, dass der VfB zeitweise schon direkt abgestiegen war. Es reichte nicht zum direkten Verbleib, aber für die Relegation gegen Tim Walter. Selten hat ein Bundsligist die Relegation so souverän gespielt wie der VfB. Vor allem das Hinspiel war eine Demonstration und nur wegen eines unglaublichen Chancenwuchers (Guirassy!!!) musste der VfB zum Rückspiel nach Hamburg fahren, um Fußball zu spielen und nicht zur Besichtigung einer wunderbaren Stadt.
Dann war das erste halbe Jahr um und als VfB Fan konnte man erst einmal durchschnaufen.

Sommerpause heißt auch Spekulationen, Gerüchte und Wunschspieler ohne Ende. Keine Vorbereitung mit Siegen, die zur üblichen Träumrei anregten. Ganz im Gegenteil. In nur 60 Minuten gab es eine 1:5 Klatsche gegen Gladbach. Mit Nübel im Tor. Böse Vorahnungen durchzogen das Forum.
Es gingen Müller, es gingen u.a. Mentalitätsmonster Mavropanos und kurz vor Schluß der Leader und Kapitän auf dem Platz Endo. Es kamen zunächst Leweling, Jeong, Mittelstädt, Nübel und ein gewisser Undav. Dann noch Stiller, Rouault und Stergiou.
Niemand wußte so recht, was von dieser Mannschaft zu erwarten war. Die Transfers von Wohlgemuth wurden am Ende der Transferperiode zwar kritisch, aber in der Tendenz doch eher positiv wahrgenommen und bewertet. Irgendwo war auch von einer Emanzipation von Wehrle die Rede.

Der Start war vielversprechend wie vor 2 Jahren. Der 2.Spieltag in Leipzig ernüchternd wie vor 2 Jahren. 1:5, obwohl man den Meisterschaftsanwärter eine Halbzeit lang beherrscht hatte, leider jedoch vergessen hatte , nachzulegen. Dann folgten nach der HZ 20 Horrorminuten, bedingt auch durch die von Rose geschaffene Atmosphäre im Stadion, die den Schiedsrichter mächtg beeinflusste. Also alles wie gehabt wie 2 Jahre zuvor? Zumal mit Freiburg die nächste Paralle wartete. In diesem Spiel ging es dann auch gleich so los wie die Jahre zuvor. Ohne Nübel im Tor hätte es auch da schnell 2:0 für Freibug stehen können. Tat es nicht. In der Trinkpause bekammen die Spieler dann etwas gallischen Zaubertrank und mit einem weiteren 5:0 war das Freiburgtrauma beendet und Streich restlos bedient.
Es folgten die wundersamen Wochen des Guirassy. Schlafwandlerisch erledigte er die Gegner fast im Alleingang. Stellte einen Rekord nach dem anderen ein. Sorgte dafür, dass man nicht über den VfB, sondern fast nur über ihn sprach und es weitgehend unbemerkt blieb, welche Entwicklung die Mannschaft, welche Entwicklung einzelne Spieler in seinem Windschatten genommen hatten. Die 2 Niederlagen in seiner Abwesenheit begünstigten diese Missachtung der Leistungen der Mannschaft und des Mannes, der dies alles zu verantworten hatte. Aber es sollte dem VfB recht sein und so scherten sich Trainer und Mannschaft wenig um verschossene Elfer und die großen Namen der teuren Spieler des Gegners. Der Meisteranwärter Dortmund wurde trotz unglaublichen Rückstands mit dem einzigen Torschuß in der ersten Hälfte schwindlig gespielt und konnte froh sein, dass man nur knapp und nicht mit einer Klatsche nach Dortmund zurückfahren musste. Fußballdeutschland horchte erstmals auf. Die Dortmunder waren so beeindruckt, dass sie wenig später versuchten der spielerische Überlegenheit des VfB mit der bewährten Taktik von Abstiegskandidaten zu begegnen. Nutzte ihnen nichts. Z uden restlichen Spielen muß ich sicher nichts mehr erwähnen, sie dürften alle noch sehr frisch in Erinnerung bleiben. Und da bald Weihnachten ist werde ich auch den Münchner Auftritt jetzt endgültig zu den Akten legen. silent

Sportlich, das habe ich schon einmal während der Saison geschrieben, habe ich noch nie eine VfB Mannschaft auf dem Feld gesehen, die so homogen besetzt ist und auch so auftritt. Es gibt kaum ein Leistungsgefälle zwischen den Mannschaftsteilen und ein Nübel zeigt immer wieder, warum der Torwartposition eine besondere Gewichtung zukommt.

Damit wäre ich bei den Neuzugängen. 1983/1984 hatten wir mal Siguvinsson und Kurt Niedermaier von den Bayern geholt. Mit diesen Spielern wurde die Mannschaft so gestärkt, dass sie nicht nur schönen Fußball spielen konnten, sondern endlich auch Meister wurden. 1994 (?) holte Dieter Hoeneß in einem Jahr Balakov, Elber und Bobic.
Diese Vergleiche fallen mir ein, wenn ich die Verpflichtungen des Sommers JETZT anschaue. Selten wurde eine Mannschaft (Mislintats Kader :strongsmile so effektiv und zielgerichtet verstärkt. Mit Spielern, die mit Ausnahme von Nübel eher als Backup gesehen wurden oder wie Stiller in zu große Fußstapfen treten würden.
Stand heute hatten wir noch nie so viele Volltreffer. An erster Stelle nenne ich Nübel, aber nur, weil die Torwartposition die ist, die schon in den vergangenen Jahren mehr Erfolg verhindert hat. Dann folgt für mich Mittelstädt, der sich konstant weiter entwickelt hat und sein sehr hohes Niveau bis jetzt auch konstant hält. Dann natürlich Stiller, der zwar kein Endo und kein Leader ist, aber das Spiel gestaltet. Undav, der Spästarter. Spät, aber gewaltig. Leweling und Jeong dürften aus meiner Sicht noch zulegen, wobei Leweling zumindest mit seinen defensiven Leistungen positiv überrascht.
Und andere Spieler blühen unter Hoeneß weiter auf oder überraschen. Anton, Zagadou, Millot, Führich , sogar Stenzel zeigt sich von einer Seite, die man ihm nach den Jahren hier nicht zugetraut hat.

Das Fazit für 2023 fällt also sehr positiv aus. Fans dürfen träumen, Management, Trainer und Mannschaft nicht. Jetzt ein paar Tage zurücklehnen und genießen (Spieler und Trainer) und dann weiter konzentriert und geschlossen weiterarbeiten.
Das Management hat Arbeit genug und steht in der Verantwortung, dass aus diesem Höhenflug ein konstanter Schritt dahin wird, wo Nostalgiker, Altvordere und Ex-Spieler den VfB schon immer sehen. Auch in der Winterpause. Und sich sollten sich immer eines alten Mottos gewiß sein: im Erfolg werden die größten Fehler gemacht. Gerade der VfB kann ganze Bibliotheken mit Büchern darüber füllen.

Lange her, dass man als VfB Fan so entspannt in die Winterpause gehen konnte. Schönes Gefühl.
Dieser Beitrag wurde zuletzt von Lombaseggl am 21.12.2023 um 12:35 Uhr bearbeitet
Der VfB kann wohl nur Extrem.

Klassenerhalt? Entweder in allerletzter Sekunde oder eben Relegation. Schlechte Phasen? Reizen wir maximal aus. Gute Phasen? Träumen wir von Madrid. Und Astana. Es läuft sportlich mal ruhig? Gehen wir kritische, fragwürdige Deals ein. Der mercato naht? Zittern wir um die AK's.

Es wurde hier so gut wie alles gesagt. Für mich gilt es, diese Hinrunde sacken zu lassen und weiter zu genießen. Danke an das Team, ein noch größeres Danke an Hoeneß und Danke für nix, Bruno. Wobei, ohne Labbadia stünde der Verein grade nicht da, wo er jetzt ist.

Es gibt zwar noch Baustellen in vielen Bereichen, aber das soll nun nicht Thema sein. Womöglich werden wir diesem Kader, diese Saison irgendwann hinterhertrauern, wer weiß.

Jetzt erstmal die Pause nutzen, im Moment leben und die Rückrunde weiter rocken, egal welcher Platz herausspringt oder wer womöglich den Club verlässt.

Euch allen eine erholsame, besinnliche Zeit! Danke an alle User, die dieses Forum bereichern. Wir sitzen ja letztlich alle im selben Boot und teilen die gleiche Liebe. <3
Hier noch einige schöne Momente. Kurz und knapp zusammengefasst. Viel Spaß beim Genießen und einen guten Rutsch!

Möge die Party nächste Saison so weitergehen stark

https://youtu.be/jLAgeIBO8lQ?si=Ksi3ujZMnqhXV4hR
Dieser Beitrag wurde zuletzt von 0711-Biker am 31.12.2023 um 12:41 Uhr bearbeitet
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