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Der "Ich hab den Blues" Fred

05.12.2007 - 17:58 Uhr
Der "Ich hab den Blues" Fred |#861
03.06.2026 - 21:56 Uhr
Zitat von Laxaffe17
Zitat von Jojo1860

Nach diesem bescheidenen Tag hat es gerade verdammt gut getan, im Löwentrikot in der Dämmerung eine Runde Laufen zu gehen. Mit Löwenlieder-Beschallung versteht sich.

Einmal Löwe Immer Löwe! Wir kommen wieder!


Bin gerade mit Löwentrikot im Gym. Tut auch gut


Du.bist halt geil
Der "Ich hab den Blues" Fred |#862
03.06.2026 - 22:02 Uhr
Zitat von MGL1860
Zitat von Laxaffe17

Zitat von Jojo1860

Nach diesem bescheidenen Tag hat es gerade verdammt gut getan, im Löwentrikot in der Dämmerung eine Runde Laufen zu gehen. Mit Löwenlieder-Beschallung versteht sich.

Einmal Löwe Immer Löwe! Wir kommen wieder!


Bin gerade mit Löwentrikot im Gym. Tut auch gut


Du.bist halt geil


Ich war ohne Löwentrikot einen saufen. Rechnungsbetrag 18,60€. ELIL

•     •     •

Paul Agostino Fußballgott!
München ist blau!


FREIHEIT FÜR 60!
Der "Ich hab den Blues" Fred |#863
03.06.2026 - 22:38 Uhr
Ich war immer ein Sechzger auf Distanz. In NRW lebend und ohne familiäre Vorbelastung als Kind Fan von diesem merkwürdigen Chaosverein geworden. In der Folge dann auch nur Auswärtsspiele mit meinem Vater besucht: Bochum, Duisburg, FSV Frankfurt, Kaiserslautern, Köln, Düsseldorf...

Als Ismaik dann 2011 übernahm, war ich 12 (mit knapp 13 habe ich dann lustigerweise im selben Jahr hier schon meine ersten Beiträge geschrieben). Als Kind war ich natürlich erstmal unkritisch unfassbar froh, dass irgendein Jordanier meinen Lieblingsverein rettet. Dass die größenwahnsinnigen Ziele (dem FC Barcelona Konkurrenz machen 💀) etwas absurd waren, habe ich damals zwar auch schon verstanden, aber ich war zumindest sehr gespannt, wo die Reise jetzt hin geht.

Es gab dann ja bei allem Chaos (ich hätte mich damals lächerlicherweise sehr über Eriksson gefreut) auch erstmal drei sportlich solide Jahre, in denen man zwar konsequent daran scheiterte, um den Aufstieg mitzuspielen, bei denen ich aber wenigstens in jedem Sommer überzeugt war, dass die nächste Saison unsere Saison ist. Ich war auf jeden Fall mit ganzer Leidenschaft dabei.

2014 begann es dann auch bei mir zu kippen. Ich ging aufgrund der Transferoffensive zwar euphorisiert in die Saison, die sportliche Realität holte mich dann aber sehr schnell auf den Boden zurück. Ich war damals am 1. Spieltag in Kaiserslautern dabei und dachte nach der ersten Halbzeit wirklich, wir steigen auf. Zeitgleich begann meine Politisierung und ich begann das Thema Investoren im Fußball nicht nur aufgrund der negativen Entwicklung bei Sechzig kritischer zu betrachten.

Komplett gebrochen hat mich dann natürlich die Saison 16/17, als ich zu Beginn, gerade auch wegen der Rückkehr Stefan Aigners, noch ein letztes Mal bereit war, diesen Weg mitzugehen und mich wieder mal im Sommer euphorisieren zu lassen. Der Saisonverlauf hat mich dann auf eine Weise auf den Verein blicken lassen, von der ich mich ehrlicherweise nie erholt habe. Ich glaube, in dem Jahr habe ich die Hoffnung aufgegeben.

Im (nun ja leider nur ersten) Regionalligajahr war ich zwar noch sehr dabei, aber die endgültige Erkenntnis, dass bis auf unbestimmte Zeit weder mit noch ohne Ismaik gehen würde und der Verein einfach immer weiter in der Luft hängen würde, hat mich emotional völlig vom Verein distanziert. Den Aufstieg habe ich noch gefeiert, aber danach wurde mir der Verein, der meine ganze Jugend geprägt hat immer unwichtiger.

Das passierte natürlich ganz unbewusst und war weiter ein schleichender Prozess. Allerdings macht es rückblickend natürlich völlig Sinn. Aus der Distanz hatte ich nicht einmal die Freude der regelmäßigen Stadionbesuche, der Verein war für mich nie mit Freundschaften verbunden. Wenn man Fan auf Distanz ist, verschwindet der Verein völlig aus dem eigenen Leben, sobald man aufhört, sich mit ihm zu beschäftigen.

2018 bin ich dann nach Bielefeld gezogen. Ich bin als Fußballfan, der zum ersten Mal in einer Stadt wohnt, in der Profifußball gespielt wird (die Sportfreunde Siegen habe ich aktiv auch nur als Amateurverein erlebt), natürlich schnell zu Arminia-Spielen gegangen. Zunächst nur als Sympathisant, aber man merkt schnell, wie anders es ist, einen Verein in der Stadt zu verfolgen, in der man wohnt. Am Anfang fühlt es sich an, als würde ich Sechzig betrügen und ich habe mich kaum getraut im Stadion mitzusingen. Irgendwann habe ich dann plötzlich festgestellt, dass ich Arminia intensiver verfolgte als Sechzig.

Heute haben wir den 03.06.2026, Sechzig hat vor ein paar Stunden bekanntgegeben, dass es wieder in die Regionalliga runter gehen muss. Und es ist nicht, als würde es mich nicht beschäftigen. Ich bin schon seit Stunden viel zu abgelenkt von eigentlich Wichtigerem deswegen. Aber spüre ich etwas? Irgendwie nicht so richtig. Und ehrlicherweise bin ich fast trauriger, weil ich nichts spüre, als wegen der nicht erhaltenen Lizenz oder der allgemeinen Ungewissheit.

Ich weiß, dass es gerade viele Leute gibt, die sich demonstrativ vom Verein abwenden. Ich möchte betonen, dass ich dass nicht mache. Ich hänge weiter irgendwie an diesem Verein und werde es wohl auch immer. Das funktioniert vielleicht aber auch gerade deshalb, weil ich mich emotional schon ausreichend gelöst habe. Ich habe heute einige Beiträge gelesen, die sich auf eine Weise von Sechzig distanziert haben, von der ich kein wirklicher Freund bin. Ich kann grundsätzlich aber alle verstehen, die sich, vielleicht auch still und leise, vom Verein verabschieden, weil sie es einfach nicht mehr aushalten, weil der Verein keine positiven Emotionen zurück gibt. Es ist kein Fan-Ideal und widerspricht dem innigsten Vereinsmotto Einmal Löwe, Immer Löwe. Aber es ist menschlich verständlich. Und vielleicht ist das die schlimmstmögliche Erkenntnis.

Ich hoffe so sehr, es geht irgendwann wieder hoch. So sehr.

•     •     •

DSC Arminia | TSV 1860 | Djurgårdens IF

Heimatverein: Sportfreunde Siegen



Der "Ich hab den Blues" Fred |#864
04.06.2026 - 01:21 Uhr
Es gab schon legendäre Begegnungen zwischen unseren Clubs. Das 3:4 zum Beispiel damals bei uns. Ihr seid alle komplett ausgerastet und man meinte ihr seid schon aufgestiegen. Ich war dabei und war natürlich weniger begeistert, dämpfte es für uns Dresdner doch die Hoffnung auf einen sofortigen Wiederaufstieg und das am 1. Spieltag.

Ich kann mich noch an das legendäre Banner zum Oktoberfest bei euch erinnern, welches Jahr das war weiß ich leider nicht mehr:

"Wies'n is und Sechz'ge spuit. Erst a Sieg und dann wird's wild."

Spätestens seit diesem Tag trage ich neben dem großen weißen D auch einen kleinen Löwen in meinem Herzen.
Dieser Beitrag wurde zuletzt von Dynamite1701 am 04.06.2026 um 01:32 Uhr bearbeitet
Der "Ich hab den Blues" Fred |#865
04.06.2026 - 09:18 Uhr
Wahnsinn was Euch passiert ist.

Selbst als Nicht-60ger tut mir das sehr, sehr leid.

•     •     •

Tradition ist ja auch nichts, was man sich erarbeitet oder ähnliches. Tradition kommt einfach mit der Zeit. Irgendwann wurde der Begriff über das Marketing einfach kapitalisiert.
Der "Ich hab den Blues" Fred |#866
05.06.2026 - 00:37 Uhr
Also hier mal mein "Löwen-Blues" kurz skizziert. Ein extremes Wechselbad, denke das ging sehr vielen so:

- Die vergangenen Jahre waren ja schwierig, aber ELIL: Typischer Löwen-Blues halt
- Anfangs dieser Saison: großer Optimismus: viell. klappt's mit diesem (positiv bewerteten) Kader ja wirklich
mit dem Aufstieg. Auch bei den Buchmachern waren wir Aufstiegskandidat. Insofern: Relativ großer
Optimismus
- Vorrunde katastrophal: Enttäuschung und Löwen-Blues wieder voll da (war je eh klar...)
- Rückrunde: richtig gut waren wir kaum, aber hatten doch eine gute Punkteausbeute mit neuem Trainer:
Aufstieg zwar immer noch unwahrscheinlich, aber der typische Löwen-Optimismus kehrte zurück.
- Ende der Saison: natürlich wieder versagt: Löwen-Blues wieder zurück (war ja eh klar...)
- Die Meldung, dass für nä. Saison eine Etat-Kürzung vorgenommen werden muss und viele verdiente Spieler
gehen müssen: das war's dann wohl auch für die nächste Saison... (=Verstärkung des Löwen-Blues)
- Vor 2 Wochen Kündigung der HI-Darlehen: Da war ich noch optimistisch (kam ja gefühlt jede Saison so...)
- Die 2 Wochen vor d. 3.6. sehr oft auf neue (positive) Nachrichten gewartet: zunehmende innerl.Anspannung
- 3.6.: immer noch optimistisch, den ganzen Tag alle möglichen Newsticker verfolgt und zunehmend
nervöser geworden, aber immer noch optimistisch, ab 16h dann zunehmend pessimistischer, ab 17.30h
dann doch geschockt: kann doch nicht wahr sein, aber eigentlich dacht ich mir: Ja ok, ist dann halt so,
dann steigen wir halt ab, dann war' das halt und gut...viele Gespräche geführt...
- Den ganzen Abend dann alle möglichen Medien hierzu gelesen und auch Zeit das wirken zu lassen.
Auf einmal verspürte ich erst eine ziemliche Wut, dann wird einem klar, dass einiges nicht mehr so sein
wird, wie in den letzten 30 Jahren (geile Zeit im Stadion, und im Löwenfanclub, geile Auswärtsfahrten...)
- Dann am Abend ging die Wut in einen Blues über, war schon etwas traurig, dass diese Zeit jetzt wohl vorbei
ist. Dieser Blues hielt auch heute morgen an. Fühlte sich an, wie wenn mein Hund überfahren geworden
wäre, von dem ich mich jetzt wohl verabschieden muss....
- Dazu natürlich die ganzen "Oarschmeldungen" per whatsapp: zum Kotzen...
- Aber ab Nachmittag dann ging es dann doch wieder aufwärts, dann kamen - wieder Erwartens - doch
wieder positive Nachrichten (war den ganzen Feiertag am Laptop 🤓)
- Und jetzt, mit der Aussicht HI endlich los zu werden, bin ich schon wieder im (diesmal aber vorsichtigen)
typischen Löwen-Optimismus

Was ich damit sagen will: Es ist schon ein unglaubliches Wechselbad der Gefühle, dem man als Löwenfan ausgesetzt ist. Der ständige Wechsel zwischen "Löwen-Optimismus" und "Löwen-Blues" ist schon extrem.
Aber vielleicht macht genau dies das Dasein als Löwen-Fan aus. Diese Leidensfähigkeit und trotzdem Treue... Ein einfacher (roter) Erfolgsfan zu sein, wäre einfacher... (Und so ein zusätzlicher Booster für ein geringes Selbstbewusstsein 😉)
Ich hoffe nur, dass uns dieses jetzige "all in" unserer Verantwortlichen am Ende nicht auch das Ende der ganzen Löwen-Historie bringen werden! In diesem Sinne: ELIL!!

- Würde mich freuen, von anderen zu lesen, wie sie diese Zeit erlebt haben!
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