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Alles zur WM 2018

07.06.2018 - 12:18 Uhr
Alles zur WM 2018 |#471
27.07.2018 - 07:54 Uhr
Özil wirft doch klar vor schlecht behandelt worden zu sein und das geht nicht, ärgert mich sogar. Er war es selbst der sich, DFB-Verantwortliche und mehr oder weniger auch die Mannschaft in eine Situation gebracht hat aus der es keinen Ausweg gab.
Özil konnte sich nicht mehr zurückziehen, es wäre unglaubwürdig und ihm zum Nachteil gereicht worden. Der DFB musste den Spagat schaffen den Spieler zwar zu schützen, aber konnte auch nicht richtig, weil man sich gleichzeitig klar von Erdogan distanzieren muss. Die Mannschaft musste sich den ganzen Mist antun.

Am Ende hätte Özil sich zurückziehen können mit einem Dreizeiler und es machen wie Mertesacker und Co., es auf sein Alter schieben. Gegenwind und Reaktionen hätte es immer noch ausgelöst, aber die Debatte wäre milder ausgefallen.
Alles zur WM 2018 |#472
27.07.2018 - 12:01 Uhr
Zitat von Corleone60
Zitat von jayjay1860

Zitat von Corleone60

Zitat von ScottishLion

Stellungnahme des DFB-Präsidenten
Grindel weist Rassismus-Vorwürfe zurück und räumt Fehler ein

DFB-Präsident Reinhard Grindel hat die Rassismus-Vorwürfe gegen ihn entschieden zurückgewiesen. Im Umgang mit Mesut Özil gesteht der 56-Jährige aber Fehler ein. "Rückblickend hätte ich als Präsident unmissverständlich sagen sollen, was für mich als Person und für uns alle als Verband selbstverständlich ist: Jegliche Form rassistischer Anfeindungen ist unerträglich, nicht hinnehmbar und nicht tolerierbar", schrieb Grindel in einer Stellungnahme am Donnerstag.


Im Gegensatz zu Özil ist Herr Grindel zumindest zu Selbstkritik fähig.

Das Traurige ist, dass die Medien und Öffentlichkeit ihn jetzt eh schon vorverurteilt haben und alle halten es für bare Münze, dass es Rassismus im DFB gäbe. Das DFB-Statement juckt kaum noch wen.

Das beweist auch das Medienecho, ich bin hier gerade eben erst darüber gestolpert, bei Özil hatte ich 5min danach fünf Eilmeldungen auf dem Smartphone augen-zuhalten


Und die Tatsache, dass der Präsident des DFB sagt, es gäbe dort keinen Rassismus (oder was nun auch immer), schließt die Sache dann ab und alles ist klar? Was soll er denn sonst sagen?


Solange halt nicht wenigstens ein einziger stichfester Hinweis Özils Behauptungen untermauert, ja.
Du bist halt voreingenommen, das merkt man total. Sonst würdest du die Sache bisschen objektiver angehen.

Stell dir vor jemand beschuldigt dich einfach mal so als Rassisten, obwohl du keiner bist. Was machst du dann?
Lass dich doch nicht so einfach vor Özils bzw. Erdogans Karren spannen....


Mit Verlaub: ich bin vor gar keinen Karren gespannt, vielmehr ist für mich die Aussage, dass die Worte Özils kalkulierte, weinerliche Aussagen eines gekränkten Spielers sind - und zudem noch irgendwas mit den Motiven Erdogans zu tun haben sollen - einfach deutlich zu kurz gegriffen. Das ist für mich Voreingenommensein - "was Özil schreibt kann ja gar nicht stimmen, denn wenn man zumindest versuchen würde, daraus eine Debatte abzuleiten, würde man ja einem Typen wie Erdogan in die Karten spielen." So sehe ich es nicht, denn dafür finde ich die Grunddynamik Özils Aussage zu wichtig.

Nochmal: Es ist mir schon klar, dass vieles von "seinem" Statement (das hat ja augenscheinlich irgendjemand für ihn verfasst) übertrieben ist. Dass da sicherlich auch persönliche Antipathie reinspielt. Aber es ist doch einfach nicht von der Hand zu weisen, dass Özil in der Vergangenheit überproportional kritisch beurteilt wurde. Aufgrund seiner Spielweise und Körpersprache ganz sicher, aufgrund seiner Herkunft aus gewissen Ecken aber ganz sicher auch.

Darüber hinaus war sich doch auch die deutsche Politik nicht zu schade, ihn vor ihren Karren zu spannen (jetzt bleiben wir bei der Floskel) und für die Welt ersichtlich als "Vorzeige-Integrierten" hinzustellen. Das Foto mit Merkel in der Umkleidekabine (2010 müsste das gewesen sein) ist doch genau so um die Welt gegangen. Und genau dieser "Vorzeige-Integrierte" ist er dann ganz schnell nicht mehr (ist er auch sicher noch nie gewesen, er ist halt immer schon Mesut Özil gewesen), wenn die Leistungen nicht stimmen, oder man sich eben nicht so verhält, wie man es als Deutscher von einem "Vorzeige-Integrierten" erwartet. Das ist ein Problem und dieses Problem wird man ansprechen dürfen und müssen, denn es zeigt deutlich, wer hier (im Fall Özil und unzähligen anderen Fällen auch) bestimmt, wer "besser" oder "schlechter" bei seiner Integrationsleistung "performt". Da kann man geteilter Meinung zu sein, ich finde das mitunter höchst problematisch.

Darüber hinaus kann man doch auch nicht abstreiten, dass auch Türken im Alltag unschöne Situationen erleben. Die "du komms' hier nisch rein!" - Witzchen kommen doch deshalb so gut an, weil sie oftmals aus dem Leben gegriffen sind. Während meiner Jugendzeit war es standard, dass meine Kumpel mit türkischem Hintergrund nicht in Clubs gekommen sind. Diese Dinge sind real und gehören deshalb auch auf den Tisch. Denn gerade in Bezug auf türkische Mitbürger ist es in meinen Augen fast schon traditionell legitimiert, dass so etwas stattfindet. Wenn man als Land aber so weltoffen sein möchte, wie man sich selber gerne (dann bitte auch mit fotogenen "Leuchtturmbeispielen" wie Özil) nach außen darstellt, dann muss man sowas anpacken und zu ändern versuchen.

Deswegen gehe ich auch mit folgender Einschätzung nicht d'accord:

Zitat von JuergenKorus

Am Ende hätte Özil sich zurückziehen können mit einem Dreizeiler und es machen wie Mertesacker und Co., es auf sein Alter schieben. Gegenwind und Reaktionen hätte es immer noch ausgelöst, aber die Debatte wäre milder ausgefallen.


Ich finde es gut und wichtig, dass um dieses Statement ein solcher Wirbel entstanden ist. Die Art und Weise ist Mist und der Inhalt zu weiten Teilen ebenso. Ich bin kein Özil-Fanboy, aber ich kann ihn und seine Biografie zumindest in Ansätzen auf sachlicher Ebene verstehen. Ich kann es mir nicht im Ansatz vorstellen, wie es sein muss, wenn man immer der "komische Fremde" ist - in dem Land, in dem man seinen Lebensmittelpunkt hat (bspw. Deutschland), aber auch in dem Land, in dem die eigene Familie ihre Wurzeln hat (bspw. die Türkei). Wenn ich versuche, es mir vorzustellen, dann finde ich den Gedanken grauenhaft.

•     •     •

Paul Agostino Fußballgott!
München ist blau!


FREIHEIT FÜR 60!
Alles zur WM 2018 |#473
27.07.2018 - 13:58 Uhr
Zitat von jayjay1860
Zitat von Corleone60

Zitat von jayjay1860

Zitat von Corleone60

Zitat von ScottishLion

Stellungnahme des DFB-Präsidenten
Grindel weist Rassismus-Vorwürfe zurück und räumt Fehler ein

DFB-Präsident Reinhard Grindel hat die Rassismus-Vorwürfe gegen ihn entschieden zurückgewiesen. Im Umgang mit Mesut Özil gesteht der 56-Jährige aber Fehler ein. "Rückblickend hätte ich als Präsident unmissverständlich sagen sollen, was für mich als Person und für uns alle als Verband selbstverständlich ist: Jegliche Form rassistischer Anfeindungen ist unerträglich, nicht hinnehmbar und nicht tolerierbar", schrieb Grindel in einer Stellungnahme am Donnerstag.


Im Gegensatz zu Özil ist Herr Grindel zumindest zu Selbstkritik fähig.

Das Traurige ist, dass die Medien und Öffentlichkeit ihn jetzt eh schon vorverurteilt haben und alle halten es für bare Münze, dass es Rassismus im DFB gäbe. Das DFB-Statement juckt kaum noch wen.

Das beweist auch das Medienecho, ich bin hier gerade eben erst darüber gestolpert, bei Özil hatte ich 5min danach fünf Eilmeldungen auf dem Smartphone augen-zuhalten


Und die Tatsache, dass der Präsident des DFB sagt, es gäbe dort keinen Rassismus (oder was nun auch immer), schließt die Sache dann ab und alles ist klar? Was soll er denn sonst sagen?


Solange halt nicht wenigstens ein einziger stichfester Hinweis Özils Behauptungen untermauert, ja.
Du bist halt voreingenommen, das merkt man total. Sonst würdest du die Sache bisschen objektiver angehen.

Stell dir vor jemand beschuldigt dich einfach mal so als Rassisten, obwohl du keiner bist. Was machst du dann?
Lass dich doch nicht so einfach vor Özils bzw. Erdogans Karren spannen....


Mit Verlaub: ich bin vor gar keinen Karren gespannt, vielmehr ist für mich die Aussage, dass die Worte Özils kalkulierte, weinerliche Aussagen eines gekränkten Spielers sind - und zudem noch irgendwas mit den Motiven Erdogans zu tun haben sollen - einfach deutlich zu kurz gegriffen. Das ist für mich Voreingenommensein - "was Özil schreibt kann ja gar nicht stimmen, denn wenn man zumindest versuchen würde, daraus eine Debatte abzuleiten, würde man ja einem Typen wie Erdogan in die Karten spielen." So sehe ich es nicht, denn dafür finde ich die Grunddynamik Özils Aussage zu wichtig.

Nochmal: Es ist mir schon klar, dass vieles von "seinem" Statement (das hat ja augenscheinlich irgendjemand für ihn verfasst) übertrieben ist. Dass da sicherlich auch persönliche Antipathie reinspielt. Aber es ist doch einfach nicht von der Hand zu weisen, dass Özil in der Vergangenheit überproportional kritisch beurteilt wurde. Aufgrund seiner Spielweise und Körpersprache ganz sicher, aufgrund seiner Herkunft aus gewissen Ecken aber ganz sicher auch.

Darüber hinaus war sich doch auch die deutsche Politik nicht zu schade, ihn vor ihren Karren zu spannen (jetzt bleiben wir bei der Floskel) und für die Welt ersichtlich als "Vorzeige-Integrierten" hinzustellen. Das Foto mit Merkel in der Umkleidekabine (2010 müsste das gewesen sein) ist doch genau so um die Welt gegangen. Und genau dieser "Vorzeige-Integrierte" ist er dann ganz schnell nicht mehr (ist er auch sicher noch nie gewesen, er ist halt immer schon Mesut Özil gewesen), wenn die Leistungen nicht stimmen, oder man sich eben nicht so verhält, wie man es als Deutscher von einem "Vorzeige-Integrierten" erwartet. Das ist ein Problem und dieses Problem wird man ansprechen dürfen und müssen, denn es zeigt deutlich, wer hier (im Fall Özil und unzähligen anderen Fällen auch) bestimmt, wer "besser" oder "schlechter" bei seiner Integrationsleistung "performt". Da kann man geteilter Meinung zu sein, ich finde das mitunter höchst problematisch.

Darüber hinaus kann man doch auch nicht abstreiten, dass auch Türken im Alltag unschöne Situationen erleben. Die "du komms' hier nisch rein!" - Witzchen kommen doch deshalb so gut an, weil sie oftmals aus dem Leben gegriffen sind. Während meiner Jugendzeit war es standard, dass meine Kumpel mit türkischem Hintergrund nicht in Clubs gekommen sind. Diese Dinge sind real und gehören deshalb auch auf den Tisch. Denn gerade in Bezug auf türkische Mitbürger ist es in meinen Augen fast schon traditionell legitimiert, dass so etwas stattfindet. Wenn man als Land aber so weltoffen sein möchte, wie man sich selber gerne (dann bitte auch mit fotogenen "Leuchtturmbeispielen" wie Özil) nach außen darstellt, dann muss man sowas anpacken und zu ändern versuchen.

Deswegen gehe ich auch mit folgender Einschätzung nicht d'accord:

Zitat von JuergenKorus

Am Ende hätte Özil sich zurückziehen können mit einem Dreizeiler und es machen wie Mertesacker und Co., es auf sein Alter schieben. Gegenwind und Reaktionen hätte es immer noch ausgelöst, aber die Debatte wäre milder ausgefallen.


Ich finde es gut und wichtig, dass um dieses Statement ein solcher Wirbel entstanden ist. Die Art und Weise ist Mist und der Inhalt zu weiten Teilen ebenso. Ich bin kein Özil-Fanboy, aber ich kann ihn und seine Biografie zumindest in Ansätzen auf sachlicher Ebene verstehen. Ich kann es mir nicht im Ansatz vorstellen, wie es sein muss, wenn man immer der "komische Fremde" ist - in dem Land, in dem man seinen Lebensmittelpunkt hat (bspw. Deutschland), aber auch in dem Land, in dem die eigene Familie ihre Wurzeln hat (bspw. die Türkei). Wenn ich versuche, es mir vorzustellen, dann finde ich den Gedanken grauenhaft.


Küssend

Ehrlich.
Alles zur WM 2018 |#474
27.07.2018 - 15:55 Uhr
@ jayjay und maxsechzig

Erschießt mich dafür. zwinker
Aber mir geht es auf den Senkel, dass oft wenn es um eine Person geht, die einer Minderheit angehört, dieses "Minderheitendasein" in den Vordergrund gerät. Es gibt da in Deutschland nicht nur aus der rechten Ecke Hardliner, sondern auch aus der anderen Ecke, die hinter jeder Aussage Diskriminierung sehen.
Es gehört für mich zur Gleichberechtigung dazu, dass ich z.B. sagen darf, dass mir schwarze Frauen selten gefallen. Deshalb bin ich kein Rassist, niemand käme auf die Idee mir Diskriminierung zu unterstellen, wenn ich sagen würde, dass mir keine Blondinen gefallen, aber sage das mit den schwarzen Frauen mal zur falschen Person, dann hast du aber gleich den "Nazistempel" auf der Stirn.
Anderes Beispiel aus der anderen Perpektive:
Ehemaliger Kollege - Hautfarbe schwarz - ist seit Ewigkeiten in der Firma, bekommt einen Urlaub nicht genehmigt wie es jeder andere auch mal über sich ergehen lassen muss, wenn er den Urlaub nicht rechtzeitig beantragt. Und der kommt plötzlich mit Rassismus ums Eck und kündigt. Was hat der sich gedacht, dass sein Vorgestzter bei der Einstellung übersehen hat, dass er schwarz ist?
Irgendwie läuft da meiner Meinung nach gewaltig was schief. In den USA hat der übertriebene Kurs der political correctness zu einem Trump geführt oder wenigstens dazu beigetragen (meinen wenigstens ein paar Leute) und wir haben jetzt die AfD an der Backe.
Ich will damit auf keinen Fall Fremdenfeindlichkeit in Schutz nehmen, aber dieses Thema - auch Özil - wird einfach oft total unsachlich angegangen, da häufen sich die Klischees auf allen Seiten - den "Nazis", den "Betroffenen", den "Gutmenschen".
Mir ist auch klar, dass auch vor 10 Jahren nicht alles eitel Sonnenschein war und es Diskriminierung sehr wohl immer gab, auch ne Menge Leute, die immer schon einen unterschwelligen Fremdenhass in sich trugen. Aber jetzt läuft meiner Meinung nach grad was aus dem Ruder in den Debatten. Wir hatten doch keine echten Probleme, keine Krawalle -okay NSU war nicht schön, aber auch nicht grad die Regel - und grad wer in einer Stadt wie München lebt, sieht doch dass man wunderbar miteinander auskommen kann. Leider - so ist mein Eindruck jedenfalls- ist diese Debatte so was wie eine sich selbst erfüllende Prophezeihung. Je mehr drüber gesprochen wird, desto mehr Leute werden fremdenfeindlich und auf der anderen Seite fühlen sich immer mehr diskriminiert, wobei ich letztere gut verstehen kann, würde auch nicht dauern was über Integration und Migrationshintergrund lesen wollen, wenn ich als Türke hier geboren bin und grad bei Weißbier und Weißwurscht während des Rhamadans beim Frühschoppen sitze.
Klingt blöd, aber ich glaube, totschweigen wäre besser gewesen als dieses viel gelobte "Missstände aufzeigen". Daher sehe ich das auch mit Özil so. Die ganze Debatte braucht kein Mensch.

So und jetzt hole ich mir einen Döner und als Nachspeise gehe ich zum Griechen nebenan, die sich übrigens gegenseitig auch noch nie ins Gehege gekommen sind und bei denen komischerweise auch mehrheitlich Deutsche ohne Migrationshintergrund zum Essen gehen. Gott wie schlecht funktioniert doch diese Integration, gut dass sich jetzt endlich mal wer dazu berufen fühlt diesen Missstand anzusprechen.

Leider ist das Thema nicht witzig und sehr brisant, aber die Debatte ist für mich nicht die Lösung, sondern Teil des Problems.
Alles zur WM 2018 |#475
27.07.2018 - 18:13 Uhr
@JuergenKorus

Ich kann deine Punkte alle verstehen. Diese selektiv eingebrachte übertriebene Fokussierung auf den eigenen Status als Ausländer, LGBT, Veganer oder was auch immer ist nervig und bringt niemanden weiter. Aber das ist in meinen Augen ganz anderes Thema, als eine Menschen in vielen Lebenslagen begegnende substantielle "Sonderbehandlung". Das sind Dinge, die man sich nicht selber aussucht und die man vor allem nicht selektiv einsetzt, um sich einen Vorteil oder eine bessere Argumentationsgrundlage zu verschaffen.

Das muss man ansprechen, denn es wird dadurch, dass man es "auf kleiner Flamme kocht" nicht besser, es wird einfach nur weniger in die Öffentlichkeit getragen. Sowas mag ich in meiner Rolle als "Deutscher" aber nicht in dem Land haben, in dem ich mit Freuden lebe und welches meine Heimat darstellt.

Darüber hinaus taugt das Zusammenleben der Menschen in München - jetzt und in der Vergangenheit - meiner Ansicht nach nicht unbedingt als Beispiel dafür, wie es in anderen Regionen Deutschlands aussieht. Dass all das durch Özils Statement in den Fokus gerückt wird finde ich gut. Ich diskutiere aber auch gerne. grins

•     •     •

Paul Agostino Fußballgott!
München ist blau!


FREIHEIT FÜR 60!
Alles zur WM 2018 |#476
27.07.2018 - 19:19 Uhr
Zitat von jayjay1860
@JuergenKorus

Ich kann deine Punkte alle verstehen. Diese selektiv eingebrachte übertriebene Fokussierung auf den eigenen Status als Ausländer, LGBT, Veganer oder was auch immer ist nervig und bringt niemanden weiter. Aber das ist in meinen Augen ganz anderes Thema, als eine Menschen in vielen Lebenslagen begegnende substantielle "Sonderbehandlung". Das sind Dinge, die man sich nicht selber aussucht und die man vor allem nicht selektiv einsetzt, um sich einen Vorteil oder eine bessere Argumentationsgrundlage zu verschaffen.

Das muss man ansprechen, denn es wird dadurch, dass man es "auf kleiner Flamme kocht" nicht besser, es wird einfach nur weniger in die Öffentlichkeit getragen. Sowas mag ich in meiner Rolle als "Deutscher" aber nicht in dem Land haben, in dem ich mit Freuden lebe und welches meine Heimat darstellt.

Darüber hinaus taugt das Zusammenleben der Menschen in München - jetzt und in der Vergangenheit - meiner Ansicht nach nicht unbedingt als Beispiel dafür, wie es in anderen Regionen Deutschlands aussieht. Dass all das durch Özils Statement in den Fokus gerückt wird finde ich gut. Ich diskutiere aber auch gerne. grins


München ist kein repräsentatives Beispiel, ist mir klar, nichtsdestotrotz Beweis, dass es geht mit dem harmonischen Zusammenleben. Ist ja ein bekanntes Phänomen, dass in Regionen, wo kaum Ausländer leben, am meisten rechts gewählt wird.
Dass meine Theorie von der sich selbst erfüllenden Prophezeihung ein wenig gewagt ist, weiß ich auch, aber ich denke auch, dass es nicht ganz abwegig ist. Es liegt auch an der unglaublichen Reichweite und der Vielzahl der Medien heute, das wurde ja auch für Özil das Problem. Vor 20 Jahren gab es halt noch keine Shitstorms im Internet, da gab es ein paar Leserbriefe, die von der Redaktion vorgefiltert wurden und das schadet auch nicht, denke ich. Da hätten die Leute daheim auf den "blöden Türken, der nicht singt" geschimpft und der Mesut hätte seine Ruhe gehabt.
man stelle sich vor wie schön die Welt wäre, wenn jemand die ganze DB24 aus dem Nitz filtern würde. smile
Alles zur WM 2018 |#477
27.07.2018 - 23:19 Uhr
Zitat von JuergenKorus
Wir hatten doch keine echten Probleme, keine Krawalle -okay NSU war nicht schön, aber auch nicht grad die Regel - und grad wer in einer Stadt wie München lebt, sieht doch dass man wunderbar miteinander auskommen kann. Leider - so ist mein Eindruck jedenfalls- ist diese Debatte so was wie eine sich selbst erfüllende Prophezeihung. Je mehr drüber gesprochen wird, desto mehr Leute werden fremdenfeindlich und auf der anderen Seite fühlen sich immer mehr diskriminiert, wobei ich letztere gut verstehen kann, würde auch nicht dauern was über Integration und Migrationshintergrund lesen wollen, wenn ich als Türke hier geboren bin und grad bei Weißbier und Weißwurscht während des Rhamadans beim Frühschoppen sitze.
Klingt blöd, aber ich glaube, totschweigen wäre besser gewesen als dieses viel gelobte "Missstände aufzeigen". Daher sehe ich das auch mit Özil so. Die ganze Debatte braucht kein Mensch.


Man kann sich darüber streiten, wo berechtigter Einsatz für Minderheiten/Menschen mit Migrationshintergrund aufhört und übertriebene political correctness anfängt.

Auch wenn es hier in München wohl noch besser ist als in anderen Orten Deutschlands (andere Orte kann ich nicht wirklich einschätzen), habe ich das an der "Tür-abgewiesen-werden"-Beispiel, das jayjay schon erwähnt wird, vor kurzem auch hier erlebt. Man geht in der Gruppe abends weg, alle gehen problemlos in einen Club und der einzig Dunkelhäutige wird ohne Begründung an der Tür abgewiesen. Und das ist nur ein Beispiel, wo die Diskriminierung offensichtlich ist. Es gibt ja genauso Studien darüber, dass sich Menschen mit einem Namen, der auf einen Migrationshintergrund hinweist, sich schwerer tun einen Job zu finden, eine Wohnung zu bekommen, etc. Vollkommen egal, wie gut sie integriert sind. Und das würde ich halt durchaus als echte Probleme bezeichnen.

Und wenn die aktuelle Debatte dazuführt, dass dieser Alltagsrassismus wieder mehr in den Fokus gerät und nicht schulterzuckend hingenommen wird, ist schon etwas erreicht.

Die zweite offene Frage, warum das Thema jetzt brisant geworden ist. Hat übertriebene Political Correctness dazugeführt, dass sich Menschen jetzt einfach stärker häufiger diskriminiert fühlen oder hat das Erstarken rechter Parteien in Kombination mit der Flüchltlingssituation dazugeführt, dass Alltagsrassismus wieder zugenommen hat? Oder ist die Situation ähnlich wie vor 10/20 Jahren nur ist erst jetzt (wieder) verstärkt durch soziale Netzwerke in den Fokus gerückt?

Dass die These mit der selbsterfüllenden Prophezeiung gewagt ist, hast du ja schon selbst geschrieben. Ich denke ehrlich gesagt, dass Ersteres nur in sehr wenigen Fällen tatsächlich der Fall ist. Das Zweite wäre erschreckend. Ich würde aber, wie Du in deinem letzten Post auch schreibst, vor allem auf Letzteres tippen.

•     •     •




Alles zur WM 2018 |#478
28.07.2018 - 01:02 Uhr
Sorry, dass ich nur einen kleinen Teil deines Beitrags zitiere, aber zu einem langen Beitrag fehlt mir gerade die Zeit.augen-zuhalten
Zitat von jayjay1860


Darüber hinaus kann man doch auch nicht abstreiten, dass auch Türken im Alltag unschöne Situationen erleben. Die "du komms' hier nisch rein!" - Witzchen kommen doch deshalb so gut an, weil sie oftmals aus dem Leben gegriffen sind. Während meiner Jugendzeit war es standard, dass meine Kumpel mit türkischem Hintergrund nicht in Clubs gekommen sind.


Nein, der Spruch stammt aus der Comedyserie "was guckst du" von der Kultfigur, Hakan der Türsteher, die dann später auch Werbungen gemacht hat Zwinkernd

Hier zwei Clips:
https://www.youtube.com/watch?v=SYBEvAVN3DU
https://www.youtube.com/watch?v=yX7mS6WuYzU


Aber allgemein, jeder erlebt im Alltag unschöne Situationen, ich wurde auch schon paar Mal vor der Tür abgewiesen. Aber man lernt aus seinen Fehlern und geht nur noch mit ausreichender Damenbegleitung in Discos, dann ist die Tür kein Problem mehr, egal welche Herkunft man hat grins


Zitat von JuergenKorus

Ehemaliger Kollege - Hautfarbe schwarz - ist seit Ewigkeiten in der Firma, bekommt einen Urlaub nicht genehmigt wie es jeder andere auch mal über sich ergehen lassen muss, wenn er den Urlaub nicht rechtzeitig beantragt. Und der kommt plötzlich mit Rassismus ums Eck und kündigt. Was hat der sich gedacht, dass sein Vorgestzter bei der Einstellung übersehen hat, dass er schwarz ist?


Wenn diese Leute ständig in sämtlichen Medien vernehmen wie sie angeblich rund um die Uhr überall diskriminiert werden, dann besteht nunmal die Verlockung damit leichter Rückschläge, Enttäuschungen usw., die jeder Mensch unabhängig der Hautfarbe hat, erklären zu können. Ist ja auch nur zu menschlich, eine Ablehnung tut weniger weh, wenn man sie auf äußere Umstände zurückführen kann statt auf sich persönlich.

Keiner leugnen, dass es Rassismus gibt, nur bevor man diesen schweren Vorwurf erhebt, sollte man vorher immer plausible Erklärungen prüfen.

Bei Özil wäre das zB seine höhere Messlatte wegen seinem frühen Wechsel zu Real Madrid, wo er als OM in die Fußstapfen Zidanes hätte treten sollen.

•     •     •

--------------------------------------------------- ! Bamboleo 1860 !---------------------------------------------------
! Love football - Hate extremism !
! Defend freedom !
Alles zur WM 2018 |#479
28.07.2018 - 02:40 Uhr
Zitat von Corleone60
Sorry, dass ich nur einen kleinen Teil deines Beitrags zitiere, aber zu einem langen Beitrag fehlt mir gerade die Zeit.augen-zuhalten
Zitat von jayjay1860

Darüber hinaus kann man doch auch nicht abstreiten, dass auch Türken im Alltag unschöne Situationen erleben. Die "du komms' hier nisch rein!" - Witzchen kommen doch deshalb so gut an, weil sie oftmals aus dem Leben gegriffen sind. Während meiner Jugendzeit war es standard, dass meine Kumpel mit türkischem Hintergrund nicht in Clubs gekommen sind.


Nein, der Spruch stammt aus der Comedyserie "was guckst du" von der Kultfigur, Hakan der Türsteher, die dann später auch Werbungen gemacht hat Zwinkernd

Hier zwei Clips:
https://www.youtube.com/watch?v=SYBEvAVN3DU
https://www.youtube.com/watch?v=yX7mS6WuYzU


Aber allgemein, jeder erlebt im Alltag unschöne Situationen, ich wurde auch schon paar Mal vor der Tür abgewiesen. Aber man lernt aus seinen Fehlern und geht nur noch mit ausreichender Damenbegleitung in Discos, dann ist die Tür kein Problem mehr, egal welche Herkunft man hat grins



Und der Typ der dich als Türke nicht in den Club lässt ist ein Landsmann von dir....

Vorurteile gegen bestimmte Bevölkerungsgruppen oder auch gegen Herkunftsländer kommen ja zum Großteil nicht von ungefähr. Wenn jemand die Amerikaner als dumm bezeichnen würde wegen den ganzen Schadenersatzklagen die dort stattgefunden haben (Der Mann der dachte der Tempomat vom Wohnmobil sei ein Autopilot, einen Unfall baute und die Herstellerfirma verklagte oder die Frau die sich bei McD ein koffeinhaltiges Heißgetränk gekauft hat und es sich aus versehen über die Beine gekippt hat und Verbrühungen davontrug um daraufhin den Fastfoodkonzern zu verklagen weil auf dem Becher nicht stand "Achtung der Inhalt könnte heiß sein" um nur zwei zu nennen) oder eben die Vorurteile gegen Südländer die immer Stress in der Disco machen und man sie deswegen zur Vorsorge garnichterst reinlässt weil man eben als Discobetreiber seine Erfahrungen gemacht hat. Da spielt dann keine Rolle dass an einem Abend 100 Südländer in deinem Club feiern sich aber dann 5 danebenbenehmen und sich prügeln weil der eine denkt der andere hätte seine Freundin komisch angeschaut oder so. Und dann leiden eben Leute darunter die einfach nur Spaß haben wollen aber ausversehen die falsche Haut-/Haarfarbe oder Nationalität haben. Dabei möchte ich keinem Türsteher unterstellen dass er persönlich was gegen Migranten hat allerdings wird er auf Anweisung von seinem Chef handeln.

Um das jetzt eben auf Özil und die Rassismusdebatte zu übertragen kommt das jetzt wohl für viele Leute gerade recht um das Vorurteil zu bestätigen dass alle Türken in Deutschland Erdogansupporter sind und eigentlich garnicht hier sein wollen weil ja in der Türkei alles besser ist. Ich hatte tatsächlich bis vor 5 Jahren einen gut integrierten türkischstämmigen Nachbarn der Erdogansympathisant war und der mit Frau und Teenagertochter zurück in die Türkei gezogen ist weil er wohl dachte dass er in der Türkei ein besseres Leben haben könnte.

Um aber wieder zurück zu Özil zu kommen ich denke er schiebt dieses Rassismusargument als Schutzschild vor sich herschiebt um sich nicht seiner Selbstkritik stellen zu müssen. Von ihm kam mit keinem Wort auch nur ansatzweise ein Zugeständnis an die Leute die sagen er hat einfach sch****e gespielt wie ein Uli H. das öffentlich getan hat. Ich hab von Özil keine kreativen Ideen im Spiel gesehen und das gesteht er sich nicht ein vielleicht auch weil er es anderst sieht aber das kann ich natürlich nicht beurteilen. Stattdessen versucht er es zumindest in meiner Wahrnehmung so hinzudrehen dass die rassistischen Kommentare auf Socialmedia Plattformen "Dreckstürke etc." ihm den Spaß am für Deutschland spielen genommen haben und er deswegen keine Leistung bringen konnte. Es sollen also alle anderen schuld sein nur der gute Mesut selbst nicht.

Ich sage beim besten Willen nicht dass das WM-Aus alleine an Özil hing. Das hing für mich vorwiegend an Löw und Löws Entscheidungen vor und während dem Turnier aber das gehört für den Moment nicht hierher. Nur soviel noch dass Ich hoffe dass Deutschland bei der Nations League von September bis November schlecht abschneidet und Löw endlich seinen Hut nimmt bzw entlassen wird und man einen U-Trainer (Kuntz oder Kramer) befördert...

•     •     •

"Ich blick zurück, schau wie weit war dieser Weg / Alle sind so iPhone doch ich bin 5110" - Marc Reis

"Boah sind die da. Die Regensburger sind so da, die waren gestern schon da." - Alex Klich, Sportkommentator und Philosoph (vermutlich)
Alles zur WM 2018 |#480
28.07.2018 - 12:40 Uhr
@Corleone

der eine Teil trifft das Vorurteilsproblem ganz gut. Nur ein paar wenige ziehen die Massen runter. Spielt ein Ausländer nachts um 12 zu laute Musik, sind es für einige dann die lauten Ausländer, die wieder Ärger machen. Das gleiche bei einem Deutschen und es ist der nervige Student oder es sind diese grauenvollen jungen Leute. In Sippenhaft wird gerne mal genommen, aber bei Ausländern wird es leider gleich eine ganze Nation oder jeder nicht-Deutsche auf einen Schlag. Vorurteile gibt es aber generell, problematisch ist nur wenn die in Diskriminierung umschlagen.
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