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BVB - Taktik-Thread

20.01.2006 - 12:09 Uhr
BVB - Taktik-Thread |#131
28.09.2016 - 10:01 Uhr
Zitat von Ganduin
Zitat von BVBBC

Zitat von Ganduin

Kriegen wir hier mal sowas wie eine gute Diskussion über unsere Defensive insgesamt hin, die über das Kritisieren einzelner Spieler hinausgeht? Bei aller Euphorie nach vorne nervt es mich, dass wir immer so Phasen drinhaben, wo man einfach weiß, dass wir gleich ein Tor kriegen und man praktisch immer recht hat (Mainz Schlussphase, Leipzig, heute das 2:1). Und noch mehr nervt mich, dass ich nicht weiß, warum ich das weiß. Woran liegt das, hat hier wer gute Ideen?


Zum Teil ist es fast die gleiche Antwort, wie auf die Frage, warum wir vorne Tore machen. Wir überlagern die Räume vorne extrem und spielen viele Bälle rund um den/die gegnerischen 6er oder sogar dahinter rein. Dabei haben wir nur Weigl als zentrale Absicherung, der dann schnell mal ebenfalls gegen 2 Mann alleine steht, weil wir davor mit 2 ZM agieren, die sich konsequent in die angesprochenen Räume bewegen. Klappt das, hat man nur noch die Abwehrkette vor sich, die man mit bis zu 5 Spielern attackieren kann - und damit idealerweise direkt in Überzahl kommt. Verliert man aber in dieser Überzahlsituation aber den Ball - oder kommt der Ball gar nicht erst beim offensiven Mann an - wird die Situation aber direkt gefährlich, da die überspielten Spieler dann direkt in Überzahl kommen. Kommt man dann nicht sauber in die Zweikämpfe oder im Pressing zu spät - insbesondere, wenn der Befreiungsball vertikal geht und auch noch bei schnellen Spielern ankommt - bleibt nur noch das taktische Foul oder manchmal nicht mal mehr das. Dementsprechend viel Kraft kostet unserer Rückwärtsbwegung, zumal unsere Abwehrreihe weiterhin sehr hoch steht oder es häufen sich Karten an, die dazu führen, dass Zweikämpfe nicht mehr so geführt werden können, wie es notwendig wäre.

Dazu gab es bspw. auch beim Herausrücken weitere Situationen, bei denen wir den Ball sinnlos verlieren oder nicht mehr rechtzeitig in den Zweikampf kommen, wodurch wir insgesamt nicht gut genug sortiert sind.


Das ist eine, ich wills mal "strukturelle" Erklärung nennen, die also eine Schwäche erkennt, die quasi der allgemeinen Strategie eigen ist. Das sind sehr gute Ansätze, aber was ich mich dann frage ist, warum wir, so glaube ich, eigentlich nur phasenweise Probleme während eines Spiels haben, kein Systemproblem an sich. Wie kommen diese Schwächephasen zustande? Sind das dann "zufällige" Auslöser, die Unsicherheit generieren, wie Fehlpässe oder eine gute Aktion des Gegners, oder lernt der Gegner unsere Spielidee während des Spiels zu kontern, oder stellen wir nach einer gewissen Zeit die Strategie etwas um und diese Umstellung ist einfach noch nicht ausgereift?



Aus dem strukturellen Problem ergibt sich letztendlich schon das Problem, dass man phasenweise die Kontrolle (komplett) verliert. Das sind keine zufälligen Auslöser, sondern klar benennbare Folgefehler, die @RomeoBlue ganz gut benannt hat - auch wenn die Sicht zu Götze überzogen, wenn auch im Ansatz richtig, ist.

Aktuell kommt man da aber auch nicht drumrum, dass man in diesen Spielen mit Götze spielt - zumal die Fortschritte in den letzten Spielen durchaus positiv sind. Wir haben jedoch keinen strukturgebenden 8er, der das Tempo eines Spiels kontrollieren kann. Sowohl Götze als auch Castro oder Guerreiro haben die klare Tendenz das Spiel massiv zu beschleunigen und überlagern dabei, wie schon geschrieben, häufig bestimmte Räume, um Überzahlsituationen zu schaffen, aus denen heraus man die Abwehrreihe auseinanderreißen kann.

Das weitere Problem daraus ist, dass wir diese Räume gleich mit beiden 8ern überlagern, womit die Rückwärtsbewegung verhältnismäßig lang wird, aber die Offensivaktion, bei der der Ballverlust entsteht, zuvor schon richtig Kraft gekostet hat. Dadurch steht Weigl oftmals allein gegen 2 Spieler, die mit vollem Tempo auf ihn zukommen können. Das macht es ihm im Zweikampf nicht gerade einfach. Aber auch sonst haben wir häufig an der Mittellinie einen Zweikampf - oder sogar eine Überzahlsituation - den wir nicht gewinnen oder kein Foul spielen. Durch eine schnelle Spielverlagerung des Gegners kommen wir dann wieder direkt in Unterzahlsituationen, bei denen die ZM teils noch sehr weit weg sind, da sie nicht mit dem Tempo zurückkommen (können), das nötig wäre, um nochmals einzugreifen.

Der Gegner hat auf unsere Rückwärtsbewegung - insbesondere im ZM - jedoch relativ wenig Einfluss. Hat man ja gestern auch wieder gut gesehen. Wir überpacen, verlieren den Ball, kommen nicht in die Rückwärtsbewegung, da wir eigentlich eine Pause brauchen, Madrid legt in der Folge kurzzeitig enorm zu, macht das Tor und zieht sich wieder zurück, da auch die den Druck nicht aufrecht erhalten können. Als Folge tasten wir uns langsam wieder ran an unser Spiel, regenerieren uns dabei ausreichend und kommen so auch wieder zurück ins Spiel. Für fast alle Gegner bisher war unser Tempo auch ein großes Problem, aber wenn man auf einmal mehr Platz bekommt, spielt es sich nach vorne eben doch immer etwas einfacher als in der Defensive hinterherzulaufen. Der Gegner muss da jedenfalls nichts lernen, sondern nur die Räume, die sich nach Ballgewinn bieten, erkennen. Bauen wir dabei weniger Druck auf als zuvor, sagt der eben "danke!". Bei uns ist es deswegen keine bewusste Umstellung des Systems, sondern rein konditionell bestimmte Phasen, die aus mangelnder Spielkontrolle resultieren!

Zukünftig wird es also darum gehen, dass wir die Spielkontrolle im ZM noch mehr an uns reißen und dabei eben auch das Tempo des Spiels stärker kontrollieren. Größtes Upside hat dabei nach wie vor Götze, wenn er endlich richtig fit wird. Aktuell reicht es eben nur für 60 Minuten und auch in Sachen Dynamik sieht man noch nicht viel davon, dass er wieder absolut fit ist und auch leichter daherkommt (ohne dazu wieder eine sinnlose Dauerschleifendiskussion anzuzetteln). Das würde uns im Gegenpressing, Pressing, aber auch in der offensiven Variabilität enorm helfen. Immerhin sind aber die Steigerungen im taktischen Bereich, bei der Präsenz und die geringe Fehleranzahl, wenn er am Ball ist, absolut positiv. Insgesamt nimmt er die Position jedenfalls besser an als Kagawa letzte Saison und es sind Spiel für Spiel klare Fortschritte zu erkennen. Castro spielt aktuell an seinem Maximum, Guerreiro macht seine Sache für eine Fremdposition auch extrem stark, allerdings reicht das dann in Summe eben doch nicht von den Fähigkeiten, um das Spiel - und noch wichtiger: dessen Tempo - bis ins letzte zu kontrollieren. Das Problem hat man wohl versucht mit Rode zum umgehen, der für Balance im Spiel sorgen soll, wie es bspw. auch ein Vidal macht. Spielen Castro und Guerreiro allerdings so stark im ZM, ist deren offensiver Beitrag 10 mal wichtiger und Rode hat keine Chance in die Mannschaft zu kommen. Langfristig hat er wohl nur Chancen auf die BU Position von Weigl, da man den Bedarf und Markt (eventuell auch den eigenen U-Bereich) auf den offensiven ZM Positionen scharf im Auge behalten wird. Man ist hier vor der Saison jedenfalls bewusst Risiko gegangen und wird hier nach derzeitigem Stand nochmal nachjustieren müssen.

Zitat von BVBBC

Zitat von Ganduin


Außerdem sind wir in der Luft anfällig. Das waren wir mit Hummels schon, sind es aber aktuell noch mehr, da wir kaum jemanden mit Gardemaß auf dem Platz haben. Freistöße, Flanken und vor allem Eckstöße sind so eine permanente Gefahr, selbst wenn man immerhin ein paar Spieler auf dem Platz hat, die technisch und athletisch in der Luft gegenhalten können - es sind halt nie mehr als 3-4 solcher Spieler auf dem Platz. Auch daraus ergeben sich dann Situationen, in denen wir nicht gut genug sortiert sind, durch die spätestens der weitergeleitete oder auch der 2. Ball gefährlich wird.


Das ist richtig, aber ich glaube, das ist ein altes Problem, keins, das speziell diese Saison gilt. Ob da jetzt Hummels oder Ginter/Bartra stehen, ist meines Erachtens nicht kriegsentscheidend, sooooo viel besser ist Hummels im Kopfballspiel nicht.



Solche Probleme potenzieren sich nunmal. Jede Saison haben wir hier aufs neue jemanden verloren, der uns hier enorm weitergeholfen hat. Selbst mit Kehl, Subotic und Hummels hat man diese Probleme ja gehabt, die allesamt sehr kopfballstark sind/waren. Wenn man dann aber nochmals jedes Jahr auch nur etwas schwächer wird, dann werden diese Probleme eben umso größer. Gerade bei Standards hilft Athletik schließlich nur wenig, da die wenigsten aus der Rückwärtsbewegung oder dem Stand so hoch springen können wie aus der Bewegung (weswegen wir aus dem Spiel heraus auch keine Probleme in der Luft haben). Dementsprechend haben wir derzeit auch ein Größenproblem, da Größe in diesen Situationen Athletik überkompensiert. Darauf wird in den nächsten Transferphasen auch zu achten sein, da Standards vergleichsweise einfach trainierbare Tore sind und damit jeder Gegner drauf haben kann, auch wenn er noch so schlecht ist.
BVB - Taktik-Thread |#132
28.09.2016 - 15:00 Uhr
Wenn wir über Offensivstrukturen und daraus resultierende fehlende Absicherung sprechen ist mMn Gegenpressing das wichtigste Stichwort. Denn das stellt quasi das Bindeglied dar.
Die Struktur und Positionierung im Offensivspiel ist maßgeblich ausschlaggebend dafür, wie das Gegenpressing und ggf. dann die Balleroberungen gelingen. Durch die sehr hohe Positionierung der beiden 8er und auch der Außenverteidiger haben wir theoretisch direkt nach Ballverlust auf sehr breiter Linie in einer sehr hohen Zone guten Zugriff auf den Gegner und gute Chancen, uns den Ball direkt wieder zu holen.
Gestern im Spiel gab es Phasen von teilweise ~10 Minuten, in denen Real Madrid (!) nicht aus der eigenen Hälfte raus gekommen ist, weil alle zweiten Bälle bei uns waren und wir uns den Ball nach Ballverlust direkt wieder zurückerobert haben.
Klar ist aber auch, dass es massiv Platz für den Gegner gibt, wenn diese ersten Pressingversuche scheitern.
Fraglich ist für mich aber, ob man das gestrige Spiel exemplarisch für diese Problematik nehmen kann. Denn zum einen hat das offensive Positionsspiel und damit der Übergang in ein funktionierendes Gegenpressing mMn über weite Strecken sehr gut funktioniert und zum anderen war das gestern immer noch Real Madrid, gegen die man schwer komplette 90 Minuten spielen kann, ohne, dass auch mal 2-3 Konter durch gehen.

Für mich ist das insgesamt Kritik auf sehr sehr hohem Niveau.
BVB - Taktik-Thread |#133
28.09.2016 - 16:40 Uhr
Zitat von mba123

Zitat von BVBBC

Zitat von mba123

Mir kommt hier die aktuelle Taktik zu negativ weg.
Zwar teile ich die Meinung, dass unsere Defensivprobleme auch aus der Taktik resultieren, aber genauso profitiert auch unsere Offensive von dieser Taktik.

So gibt es beispielsweise Löcher im Mittelfeld neben Weigl. Die könnte auch ein ZM schließen und zusätzlich könnte man an Ballkontrolle dazu gewinnen.
Andererseits muss dafür ein offensiverer Spieler durch diesen ZM ersetzt werden. Dadurch würde eine Anspielstation in der Offensive verloren gehen. Worunter vermutlich auch die Torgefahr leiden würde.
Was am besten für die Mannschaft wäre, finde ich daher nicht so einfach zu beantworten.

Dennoch wird hier Tuchel von einigen mehr oder weniger deutlich vorgeworfen, die falsche Taktik zu wählen. Wohlgemerkt nach einem Spiel, das mindestens auf Augenhöhe geführt wurde, gegen einen individuell besser besetzten Gegner.
Zudem kommt noch hinzu, dass die Mannschaft sicherlich noch nicht eingespielt ist. Also eine weitere Steigerung zu erwarten ist.

@BVBBC
Kannst Du genauer erläutern, woran Du ein "Überpacen" festmachst?
Generell scheint mir der Aufwand unserer Mannschaft nicht übermäßig hoch zu sein.
Beim Überfliegen der Daten Laufleistung und Anzahl der intensiven Läufe (siehe bundesliga.de) konnte ich kein besonders kräftezehrendes Spiel bei uns erkennen.
Woran erkennst Du, dass manche Schwächen in der Rückwärtsbewegung eher körperliche und nicht taktische Ursachen besitzen?


Das wundert mich nicht, dass man über das Spiel gesehen keine interpretierbaren Daten bekommt. Schließlich wechseln sich Phasen totaler Dominanz mit Phasen mehr oder weniger klarer Unterlegenheit ab, was sich am Ende aber klar nivellieren muss - die Daten sind schließlich stilgebunden, der sich auch unter Druck nur sehr geringfügig ändert.

Je mehr man in den Phasen totaler Dominanz für den Torerfolg investiert, desto länger werden die Phasen der Unterlegenheit - vor allem, wenn man dabei kein(e) Tor(e) erzielt. Denn das führt nur dazu, dass man die Intensität und Risiko in der Offensive soweit steigert, bis die Rückwärtsbewegung bei Ballverlust stark darunter leidet, weil man diesen Level nicht halten kann. Dementsprechend benötigt man wieder Zeit, um die Akkus einigermaßen aufzuladen, da man zu gierig auf den Torerfolg war.

Genau bei so einem Thema sind dann auch die Grenzen von Moneyball und Co. erreicht - insbesondere mit frei zugänglichen Daten!

Ich habe übrigens nicht im Geringsten behauptet, dass es keine taktischen Ursachen hat - im Gegenteil: ich habe klar gesagt, dass beide 8-10er die klare Tendenz haben die Räume neben oder hinter dem gegnerischen 6er/den gegnerischen 6ern zu überlagern und anzulaufen. Dadurch fehlt dann eben auch die Absicherung, da die Abstände zu groß werden und es entstehen die angesprochenen Unterzahlsituationen.

Im Grunde sind es also 2 Probleme, deren Ursache und Wirkung fast identisch ist.

Ja, die taktischen Probleme hattest Du angesprochen. Das wollte ich dir auch gar nicht absprechen.
Mir geht es nur darum, woran Du in Phasen hoher Intensität eine schlechtere Rückwärtsbewegung erkannt hast.
Hast Du gesehen, dass Spieler vorne stehen geblieben sind oder nur zurück trabten als eigentlich ein Sprint angebracht war?
Oder ist es eher ein Gefühl, dass die Intensität des Pressings in diesen Phasen ungewollt, aufgrund kurzzeitiger Fitnessprobleme, abnahm?
Oder meinst Du die teilweise passivere Art zu verteidigen und das damit verbundene Zurückziehen in die eigene Hälfte?


Im Prinzip zählst du ja alles auf, was am Gegentor passiert ist, das man für meine Beobachtungen exemplarisch nehmen kann:

Real köpft den Ball raus und ich glaube Ronaldo kann den Ball mit Ginter im Rücken zurücklegen - unter Klopp hätte man genau hier wahrscheinlich Foul gespielt. Daraufhin kann Weigl nicht genug Druck im Gegenpressing gegen James und Modric aufbauen und Hilfe bekommt er auch nicht, da Castro sich zunächst am bereits weiter rausgerückten Kroos orientiert und Götze weit und breit nicht in Sicht ist. Benzema kann an der Mittellinie gleich 2 Spieler aussteigen lassen - weil Sokratis wegrutscht und Piszczek passiv bleibt - und passt auf den dann von Castro doch komplett frei gelassenen Kroos, der direkt die Seite verlagert, auf der man dann nur noch 2gg3 spielt. Genau hier verliert Real sogar 2 mal an Tempo (Benzema wird eingebremst und Kroos Ball war nicht optimal) und die Unterzahlsituation bleibt dennoch bis zum Schluss, da Sokratis mit seinem Sprint eigentlich auch schon gar keine Chance mehr hatte noch mal effektiv einzugreifen.

Dementsprechend: ja, insbesondere Castro und Götze hätten hier mit besserer Positionierung und Sprints nach hinten etwas verhindern können. So hat man sich darauf verlassen, dass das Gegenpressing funktioniert und die Abwehr keine Fehler macht - die aber gleich mehrere begeht. Auch Weigl trabt bspw. nur zurück, wobei ich bei ihm nicht glaube, dass er nach der nicht zustande gekommenen Aktion gegen Modric noch mal hätte eingreifen können.

Das Tor ist jedenfalls in einer stärkeren Druckphase von uns gefallen, in der wir mit 6 Spielern den 16er attackieren, den Ball verlieren und dann einen klassischen Konter mit extrem vielen individuellen Fehlern kassieren, in dem eigentlich alle Defizite, die man häufiger beobachten konnte auf einmal zusammen kamen: das aktive Gegenpressing scheitert, der Zweikampf wird unnötig einfach verloren und die Rückwärtsbewegung einiger Spieler ist so langsam, dass Real zu viel Zeit und Raum bekommt.

Natürlich leite ich daraus dann das Gefühl ab, dass das kurzzeitig konditionell bedingt ist, da es davor und danach dann ja auch wieder genug Szenen gab, in denen wir schnell in die Rückwärtsbewegung kommen oder aggressiv ins Gegenpressing gehen - auch wenn es da nicht nur beim Tor einige Szenen gab, die im Ansatz sehr ähnlich waren.

Die zwischenzeitliche Zurückziehen in die eigene Hälfte sehe ich ansonsten weniger als Problem, solange man sauber steht und man sich auch wieder vom gegnerischen Druck befreien kann. Beides war gestern der Fall.
Dieser Beitrag wurde zuletzt von BVBBC am 28.09.2016 um 16:43 Uhr bearbeitet
BVB - Taktik-Thread |#134
28.09.2016 - 17:00 Uhr
Stimme den meisten hier Gesagtem auch klar zu und bin da auch BVBBC Meinung, dass man die Problematik intern wohl nur schwer wird lösen können, weil eben so oder so die noch 2-3 passende Spielertypen in meinen Augen fehlen.

Entweder es fehlt der Typ Gündogan der das Spiel mehr beruhigt und die Ketten besser verbindet und mehr Struktur gibt, dass kann eben kein Götze, kein Guerreiro, kein Rode und auch kein Castro.

Oder aber es fehlt die Absicherung hinten, weil die Defensive generell von der Qualität klar gegenüber der Offensive abfällt. Wir haben eben hinten einfach keinerlei WK-Leute und auch mit Sparta momentan nur einen der IK ausstrahlt.

Da muss man dann halt abwiegen und mMn wiegt TT hier momentan genau richtig ab. Man kann jetzt defensiver agieren, damit schwindet aber auch die eigene Power vorne, man erzielt weniger Tore, steht vllt etwas besser im Raum, ist aber trotzdem hinten anfällig und da man weniger Power nach vorne entwickelt kann es trotzdem zu einem Rückstand kommen.

Dazu ist die Saison noch jung. Also setzt TT erstmal voll auf die Offensive, da entfacht man soviel Druck und Power momentan, dass man selbst Real richtig hinten binden konnte über längere Teile der Partie.
Die Wahrscheinlichkeit in Führung zu gehen, ist momentan doch recht hoch bei uns und wenn nicht ist es auch nicht unbedingt ein Beinbruch, da man mit dieser Offensive auch 2,3 oder eben X Buden machen kann und über eine Bank verfügt von der man ständig nachlegen kann.

Spinnt man das Ganze weiter, dann wird man auch nochmal ne ganze Ecke stärker werden in der Offensive, allein schon weil die Vollstrecker mit Schürrle und Reus momentan größtenteils noch fehlen, man noch besser in den Abläufen wird, Götze noch viel Luft nach oben hat und vor allem alle 3 Talente um Mor, Dembele und Pulisic im Abschluss extreme Luft nach oben haben.

Man stelle sich nur mal vor da kommt jetzt bei denen der nächste Entwicklungssprung und sie entwickeln richtig Torgefahr, ja dann gute Nacht Gegner.

Von daher macht TT da schon alles richtig momentan, spannend wird es dann nur, wenn es in die KO Duelle im Frühjahr geht und gegen Bayern.

Da wird er sich was einfallen lassen müssen, da man nur mit Hurrafussball dort wohl früher oder später seinen Meister finden wird, weil man eben keine X Tore erzielt und hinten aber die entscheidenden rein bekommt.

Mit dem Kader sehe ich uns da aber generell anfällig, hat man doch nur Bender, Sparta und Barta als wirkliche Optionen für diese Spiele und selbst die drei sind eben keine absolute Topklasse oder passen perfekt in diese Art von Fussball.

Da muss man halt noch nachlegen. Da müssen eben noch 2-3 Leute im Winter/Sommer kommen, die eben ein anderes Niveau schon haben oder vor allem genau zum Spielansatz passen. Schnelle Verteidiger, die stark im Zweikampf sind, gut im Raum agieren können und mit der Pille was anfangen können.

Hat man die, kann man den Raum auch besser in Zukunft absichern, dazu werden die "Winger" noch stärker und man kann dann halt noch offensiver agieren und den Gegner noch stärker hinten einschnüren und binden, plus die Option sich halt im nächsten Jahr noch den fehlenden 8er zu holen oder vllt kann ein Merino doch noch diese Entwicklung zum Ende dieser Saison nehmen.

•     •     •

★★ UND WIR WERDEN IMMER BORUSSEN SEIN, ★★
★★ ES GIBT NIE NIE NIE EINEN ANDEREN VEREIN ★★

-------------Reus-----------Lewy----------Auba------------
-----------------Gündogan----------KDB--------------------
----Guerreiro---------------Weigl------------------Mkhi----
------------------Hummels----------Sokratis---------------
--------------------------------Bürki----------------------------

Bank: Weidenfeller,Bender, Castro, Götze, Dembele, Mor, Pulisic
BVB - Taktik-Thread |#135
29.09.2016 - 09:56 Uhr
Zitat von Bremer_Hesse
Zitat von BVBBC

Im Prinzip zählst du ja alles auf, was am Gegentor passiert ist, das man für meine Beobachtungen exemplarisch nehmen kann:

Real köpft den Ball raus und ich glaube Ronaldo kann den Ball mit Ginter im Rücken zurücklegen - unter Klopp hätte man genau hier wahrscheinlich Foul gespielt. Daraufhin kann Weigl nicht genug Druck im Gegenpressing gegen James und Modric aufbauen und Hilfe bekommt er auch nicht, da Castro sich zunächst am bereits weiter rausgerückten Kroos orientiert und Götze weit und breit nicht in Sicht ist. Benzema kann an der Mittellinie gleich 2 Spieler aussteigen lassen - weil Sokratis wegrutscht und Piszczek passiv bleibt - und passt auf den dann von Castro doch komplett frei gelassenen Kroos, der direkt die Seite verlagert, auf der man dann nur noch 2gg3 spielt. Genau hier verliert Real sogar 2 mal an Tempo (Benzema wird eingebremst und Kroos Ball war nicht optimal) und die Unterzahlsituation bleibt dennoch bis zum Schluss, da Sokratis mit seinem Sprint eigentlich auch schon gar keine Chance mehr hatte noch mal effektiv einzugreifen.

Dementsprechend: ja, insbesondere Castro und Götze hätten hier mit besserer Positionierung und Sprints nach hinten etwas verhindern können. So hat man sich darauf verlassen, dass das Gegenpressing funktioniert und die Abwehr keine Fehler macht - die aber gleich mehrere begeht. Auch Weigl trabt bspw. nur zurück, wobei ich bei ihm nicht glaube, dass er nach der nicht zustande gekommenen Aktion gegen Modric noch mal hätte eingreifen können.

Das Tor ist jedenfalls in einer stärkeren Druckphase von uns gefallen, in der wir mit 6 Spielern den 16er attackieren, den Ball verlieren und dann einen klassischen Konter mit extrem vielen individuellen Fehlern kassieren, in dem eigentlich alle Defizite, die man häufiger beobachten konnte auf einmal zusammen kamen: das aktive Gegenpressing scheitert, der Zweikampf wird unnötig einfach verloren und die Rückwärtsbewegung einiger Spieler ist so langsam, dass Real zu viel Zeit und Raum bekommt.

Natürlich leite ich daraus dann das Gefühl ab, dass das kurzzeitig konditionell bedingt ist, da es davor und danach dann ja auch wieder genug Szenen gab, in denen wir schnell in die Rückwärtsbewegung kommen oder aggressiv ins Gegenpressing gehen - auch wenn es da nicht nur beim Tor einige Szenen gab, die im Ansatz sehr ähnlich waren.

Die zwischenzeitliche Zurückziehen in die eigene Hälfte sehe ich ansonsten weniger als Problem, solange man sauber steht und man sich auch wieder vom gegnerischen Druck befreien kann. Beides war gestern der Fall.


Aber wie ja dargestellt. Man kommt durchaus richtig ins Gegenpressing, aber Modric spielt einen ganz starken Pass nach Außen. Socke ist dort, wo er nicht sein muss und rutscht dann noch aus. An Ginter springt der Ball unglücklich vorbei und Ronaldo trifft auch nicht ganz schlecht. Was für eine Fehler/Zufallskette. Und stimmt, Weigl und Raphael schätzen die Situation falsch ein und traben nur zurück...insgesamt hat man aber gut gestanden und hat wenig zugelassen. Gegen Ronaldo, Bale, Benzema, Modric, Kroos, Rodriguez...das ist wahrlich keine Laufkundschaft. Und diese mit wenigen Fehlern so zurückzudrängen, ist schon eine klasse Leistung. Auch oder gerade defensiv.

Siehst Du ja alles ähnlich. Ich ziehe aber vielleicht andere Schlüsse. Ich sehe da nur eine Fehlerkette, die immer wieder passieren kann (Tuchel wird das anders sehen ^^) und wird und kein struktuelles Problem. Trotzdem wird gerade diese Szene sicherlich schon von den Spieler einige Male angesehen worden seien.


Kommt man denn richtig ins Pressing? Weigl versucht es, hat aber keine Hilfe und muss gleich gegen 2 Mann ran, die ihn aber mit relativ wenig Druck umspielen können - vor allem, wenn man dabei deren Qualität berücksichtigt.

Sokratis Ausflug ist sicher unglücklich, aber ich sehe ihn nicht zwangsläufig falsch, da ein Benzema mit Tempo auf die Abwehr genauso unangenehm werden kann, wie die Situation letztendlich dann geworden ist. Piszczek stand jedenfalls nicht so gut, dass das klar verhindert werden konnte.

Am Ende sind es also locker 5-6 Spieler, denen man einen Fehler unterstellen kann. Allesamt (sehr) kleine Fehler, aber in der Anhäufung und Konsequenz dann eben doch brutal.

Deswegen bin ich bei der von dir vermuteten Meinung Tuchels: das ist nicht nur eine Fehlerkette, die passieren kann, sondern eine die nicht passieren darf - zumindest nicht so kollektiv. Ein strukturelles Problem ist es deswegen, da diese kleinen Fehler durch Aufstellung und vor allem das zur Verfügung stehende Personal begünstigt werden.

Letztendlich ist das sicher jammern auf sehr hohem Niveau, da die Offensive dafür extrem viel Spaß macht. Nur: stellt man das nicht bis zum Frühjahr ab, wird es einige lange Gesichter geben, da dann Spiele kommen, die eine großartige Saison schnell wieder nicht so toll aussehen lassen können!
BVB - Taktik-Thread |#136
15.10.2016 - 21:36 Uhr
Dortmund VS Hertha BSC – eine Analyse:

Durch die vielen Ausfälle, musste Tuchel eine kreative Herangehensweise für das Spitzenspiel wählen. Er formierte seine Mannschaft in Ballbesitz in einer 3-4-3 bzw. 3-4-2-1 Anordnung (siehe Link). Die drei Verteidiger sollten dabei, gemeinsam mit den beiden zentralen Mittelfeldspielern, eine pressingsichere Aufbaustruktur gewähren, um den Ball in die vorderen Reihen zu tragen. Schmelzer sowie Pulisic gaben Breite.
http://this11.com/play/abL5ENeaev.png

Hertha konterte dies mit einer 5er Kette inklusive dichtem 4er Mittelfeldband knapp davor und Ibisevic als Mittelstürmer, der sich stets im Dunstkreis von Weigl aufhielt. Die Abwehrkette hatte die Anweisung unsere offensiven Spieler in stetiger Manndeckung zu halten, dazu rückte LV Plattenhardt häufig auf Pulisic heraus.
Weitere herausrückende Bewegungen gab es immer wieder aus der Mittelfeldlinie, die unseren Spielaufbau früh störte.

Was durch die Matchpläne eintrat:
Unsere 3er Kette passte sich den Ball risikolos zu, oft ergänzt durch Weigl und gelegentlich durch Rode. Wurde der Ball auf die Außen Schmelzer bzw. Pulisic geleitet, waren diese schnell isoliert und konnten sich nur per Rückpass befreien. Wenige Male zeigte Pulisic, das er seinen Gegenspieler per Dribbling abkochen konnte.
In die offensiven Halbräume kamen kaum Bälle, da Mor, Götze und Aubameyang gut gedeckt waren, allerdings auch kaum Freilaufbewegungen zeigten. Am ehesten kamen diese noch vom Gabuner. Insbesondere Mor machte in der 3-4-3 Ausrichtung ein miserables Spiel ohne Esprit.
Somit bestand unser Spiel nur aus tiefem, risikoscheuem Ballbesitz mit einer großen Lücke zwischen Defensive und Offensive.

Das Gegentor fiel nach einem Einwurf auf Ibisevic, den Ginter nicht festmachen konnte. Dieser legte den Ball auf Torschütze Stocker, den Merino weglaufen ließ.
Daraufhin stellte Tuchel unsere Elf auf ein 4-5-1 um, wodurch wir öfters in die wertvollen Positionen im Halbraum kamen, weil mehr Spieler diese Offensivbereiche besetzten.
10 Minuten später wurde mit Kagawa für Rode ein sehr geeigneter Nadelspieler für diese Räume eingewechselt, weshalb Dortmund nun im 4-1-4-1 agierte. Der Elfmeter und das Tor waren die logische Konsequenz dieser Offensivpower, die nach Hinten nicht ganz risikofrei war. Erst durch Mors dämliche Aktion (er hatte in Halbzeit 2 aufgedreht – fußballerisch und vom Temperament) ebbte die Angriffswelle ab.

Fazit:
Man kann kritisieren, dass Tuchel das System nicht schon in der ersten Halbzeit umstellte, da die Verbindung zwischen Defensive und Offensive augenscheinlich nicht gegeben war. Ich denke, der Trainer wollte vor einer Umstellung an die Herren Götze, Mor und Rode, die zu wenig in den Zwischenlinienraum eindrangen, sowie Weigl, der mehr Risiko hätte gehen sollen, appellieren.
Tuchel forderte dies wild gestikulierend an der Seitenlinie. Erst nachdem er einsah, dass die Spieler seinen Matchplan nicht umsetzten konnten, wurde das System verändert.
Insofern kann man dem Trainer wenig ankreiden, gerade auch weil es so viele Verletzte gab. Genauso darf man die Spieler nicht an den Pranger stellen, da bei so jungen Kickern, in uneingespielter Aufstellung, mäßige Auftritte passieren können.

•     •     •

Borussia Dortmund - Fan
Sympathisant aller hessischen Teams
BVB - Taktik-Thread |#137
18.10.2016 - 09:19 Uhr
Zitat von Bremer_Hesse
Zitat von BVBBC

Ich verstehe gerade dein Problem nicht, da ich mich eigentlich sehr ausführlich zu dem Thema erklärt habe, wie das wo aussehen kann.

Zumal wir genau das was ich skizziert habe am Freitag im Aufbau gespielt haben - zumindest in der ersten Hälfte, mit zwei kleinen Unterschieden: es gab noch einen 2. DM statt ZM und die 3er Kette/Raute wurde einerseits nicht mit dem DM gebildet, sondern mit beiden IV und dem RV (woraus sich dann auch eine Asymmetrie ergeben hat) sowie andererseits zum Pentagon (LIB=Ginter, RIV=Passlack, LIV=Merino, DM=Weigl, DM=Rode), da eben der 2. DM und nicht nur ein sich tiefer positionierender ZM (=Verbindungsspieler) dabei war.

Wieso dafür dann das Personal eine Relevanz hat, verstehe ich nicht. Hätte genauso gut bei der Positionsbeschreibung bleiben können und es würde keinen echten Unterschied machen.

Der Libero hat ansonsten den Sinn, dass man quasi eine Raute im Spielaufbau herstellt - dadurch viel Dreiecksbildung, mit geringen Abständen, variabler Spielauslösung und mindestens einem Spieler, der das Spiel immer komplett vor sich hat - wodurch es bspw. ein Sokratis nochmals im Spielaufbau einfacher hätte. Die bekommt man bei einer 4er Kette ansonsten nur über Torwart und DM sowie beide IV hin, wobei hier der DM häufig zu tief schiebt, weil auch der Torwart nicht in so hohen Räumen agieren kann wie eben der Libero, wodurch auch die Abstände zu groß sind, um in der Ballzirkulation Tempo aufzubauen. Die defensive Absicherung habe ich schon erläutert.


Ersteres ist ja klar und nichts Neues. Eine asymmetrische Viererkette spielen wir ja schon länger. Mit dem LIB verstehe ich leider überhaupt nicht. was bringen mir Dreiecke hinter der Abwehrkette? Im Notfall spielt man über Bürki. Dafür nehme ich doch keinen Spieler komplett aus dem Spiel?? Dann ziehe ich doch den LIB in die Dreierkette und haben einen MF- Spieler mehr. Defensiv hebt er dazu das Abseits auf. Der MS der Gegner kann viel tornäher agieren. Die Dreierkette wäre völlig wirkungslos, weil man sie schon vor dem Pass in die freien Tor nahen Räume überlaufen kann.


Du hast ja auch keine Dreiecke hinter der Abwehr, sondern in der Abwehr! Dort bringen sie dir genauso viel, wie andernorts auch. Durch den Libero kann man die einfachen Anspielstationen, im Vergleich zum IV einer 4er Kette, fast verdoppeln, wenn man die offensive Statik entsprechend abstimmt. Ginters 134 Ballkontakte vom Freitag sprechen übrigens nicht dafür, dass ein etwas versetzt spielender Libero komplett aus dem Spiel ist - das Gegenteil ist der Fall, da du so gleich 2 Spieler hast, die das Spiel schnell und vor allem einfach verlagern können, ohne sich gegenseitig auf den Füßen zu stehen, da Einer klar vor den AIV steht (was taktisch sowieso von unserem 6er verlangt wird) und der Andere etwas dahinter oder auf gleicher Höhe. Zudem bekommen auch die AIV jeweils eine einfache Anspielstation mehr, weswegen du hinten den Ball schneller bewegen kannst, zumal auch noch die Abstände geringer sind. Der Libero bringt also nur Vorteile in der Ballzirkulation

Das mit dem Abseits kannst du vergessen, da das nur ein Thema wird, wenn der Gegner Manndeckung über den ganzen Platz spielt. Das werden die allerwenigsten Mannschaften über ein gesamtes Spiel hinbekommen und bringt auch deutliche Nachteile mit sich - insbesondere, wenn man so dynamische Spieler hat, wie der BVB, die kaum zu halten sind (deswegen ist das Defizit im ZM gerade besonders schwerwiegend --> Manndeckung funktioniert hier verhältnismäßig einfach!). Zudem soll die Geschichte ja dafür sorgen, dass man damit auch in der gegnerischen Hälfte problemlos spielen kann und dann hebt hier niemand das Abseits auf, sondern nur die Mittellinie. Dementsprechend ist eher damit zu rechnen, dass sich die meisten Stürmer weit zurückziehen werden, um im Mittelfeld die Räume eng zu halten, da die Gefahr sonst zu groß wäre, dass die Defensive des Gegners kollabiert. Die Gefahr eines hoch stehenden Stürmers sehe ich daher nicht, sondern halte das eher für einen Vorteil!

Mit dem Torwart wird man beinahe nirgendwo auf dem Platz geringe Abstände herstellen können, um das Spiel schon aus der Abwehr heraus zu beschleunigen, da er nie so hoch stehen kann, dass er da effektiv mitspielt. Es wird trotzdem noch genug Situationen geben, in denen ein fussballerisch starker Torwart wichtig ist, aber im hohen Aufbau kann er meiner Meinung überhaupt keine Rolle spielen.
BVB - Taktik-Thread |#138
24.10.2016 - 20:07 Uhr
Ingolstadt vs. Dortmund – eine Taktik-Analyse:

Im Vergleich zu den letzten Partien, versuchte sich Tuchel gegen Ingolstadt an einer neuen taktischen Herangehensweise. Er formierte seine Mannen in einer 4-1-3-2 Ausrichtung. Daraus ergaben sich interessante Wechselwirkungen (siehe Link), da Castro die Position rechts offensiv kaum besetzte, sondern vermehrt ins zentrale Mittelfeld fiel, um den Spielaufbau anzukurbeln. Auch Kagawa ließ sich häufig fallen und schaffte im Aufbau eine weitere Anspielstation. Dembele hielt seine Postion links offensiv, genauso wie die beiden Angreifer zumeist im Sturmzentrum verblieben.
http://this11.com/play/abL8THkal2.png

Was dachte sich der Trainer dabei?
In den letzten Partien hatte der BVB Probleme hinter die gegnerische Mittelfeldkette zu gelangen. Weigl wird im Aufbau mittlerweile von jedem Team zugestellt, womit der Kontrahent recht einfach die Verbindung zwischen Offensive und Defensive trennt. Mit Castro und Kagawa wurde diese Verbindung nun aufrecht erhalten.

Dies hatte jedoch seinen Preis, weil die rechte Offensivseite durch Castros Zurückfallen komplett verwaist war. Die Dortmunder Angriffe rollten in Halbzeit 1 nur über die linke Außenbahn oder den linken Halbraum. Viele Chancen sprangen dabei nicht heraus, denn Ingolstadt konnte sich, aufgrund des Fokus auf nur eine Angriffsseite, eng zusammenziehen, da sie kaum Flügelverlagerungen fürchten mussten. Hinzu kommt die suboptimale Entscheidungsfindung einiger BVBler im letzten Spielfelddrittel in der ersten Hälfte.

Ingolstadt wehrte sich defensiv in einer klassischen 4-4-2 Ausrichtung. Offensiv spielten sie viele lange Bälle und versuchten anschließend ihr Heil im Gegenpressing. Bei diesen zweiten Bällen präsentierten sich die Borussen des Öfteren unkonzentriert oder mit zu großen Abständen zum Gegner. Überhaupt war das Dortmunder Pressing in der ersten Halbezeit sehr lasch. Die beiden Ingolstädter Tore waren 0815-Freistoßtreffer. Beim ersten entwischte der Torschütze Weigl und Bartra, beim zweiten erneut Bartra.

Umstellungen nahm Tuchel erst zu Beginn des zweiten Durchgangs vor. Mit der Einwechslung von Pulisic für Park formierten sich die Borussen in einem etwas unorthodoxen 3-5-2. Ungewöhnlich war vor allem die Rückwärtsbewegung in eine 4er-Abwehrkette, für die Bartra nach Außen lief, um den Linksverteidiger zu interpretieren, währenddessen Weigl als Innenverteidiger zurückfiel.
Durch Pulisic auf rechts wurden nun endlich die beiden Ingolstädter Viererketten etwas auseinandergezogen, wodurch sich mehr Lücken auftaten. Mit Götze, als zusätzlichen Nadelspieler, wurden diese Zonen verstärkt angespielt. So fiel auch der Anschlusstreffer, indem Götze den Ball im Gegenpressing eroberte.

In der direkten Gegenattacke fing Dortmund allerdings das 3:1, da Bartra nicht schnell genug von der LIV-Position auf Außen herausrückte und Weigl sowie Ginter zentral unsortiert waren. Diese in Kauf genommenen formationstechnischen Defizite beseitigte Tuchel mit der Einwechslung von Passlack.
Zunächst agierte der BVB nun im klassischen 3-5-2, entschied sich dann nach mehreren Mikroumstellungen für die anfängliche Formation, die im Powerplay der Borussen ihre Vorteile zeigte, besonders mit nun dauerhafter Besetzung beider Flügel. Schließlich fielen die Ausgleichstore jeweils durch Flanken aus dem Halbfeld. Hierfür erwies sich die Doppelbesetzung der Sturmspitze als wertvoll.

Fazit:
In Halbzeit 1 verlief vieles nicht rund. Wie in Interviews angesprochen, schienen einige Borussen im Kopf nicht richtig fokussiert. Tuchel tat mit der Taktik sein Übriges, da er die rechte Seite verwaisen ließ. Dennoch zeigte sich die Verbindung zwischen Defensive und Offensive, im Vergleich zum Berlin-Spiel, als verbessert.
Unerklärlich bleibt, wieso Tuchel nicht schon früher umstellte. Aubameyang hätte er beispielsweise bis zum Halbzeitpfiff auf die rechte Seite beordern können.
Ingolstadt war insgesamt gesehen kein starker Gegner. Man verteidigte einfach zu oft lasch und spielte offensiv im ersten Durchgang mit Hemmschuh.

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BVB - Taktik-Thread |#139
27.11.2016 - 13:11 Uhr
Bei deiner Ausgangshypothese gehe ich absolut mit, allerdings habe ich gestern dann doch ein paar Dinge noch mal etwas anders wahrgenommen:

Zum Einen hat Frankfurt mit einer 3er Kette gespielt und war dabei relativ fluide in den Systemen. Zwischen 3-4-3, 5-2-3 und 3-5-2 war da so ziemlich alles dabei, wobei ich eigentlich kein Pressing im eigentlichen Sinne gesehen habe. In den allermeisten Fällen hat man bspw. auf Gegenpressing verzichtet, sondern direkt versucht in sein defensives System zurückzukehren, um die Kompaktheit zu halten.

Das sah meistens dann so aus:

---------Sokratis--------------Ginter----------------
-------------------------SGE----------------------------- Meier hat sich meistens sogar neben Weigl fallen lassen
-------------SGE-----Weigl------SGE----------------Die Außen haben dann entsprechend der Ballseite verschoben
Pischu----------------------------------Schmelzer
--------------Castro-----------Götze----------------
SGE----------SGE--------------SGE-------------SGE
------Ramos---------------------------Schürrle----
--------SGE---------Auba--------------SGE----------
-----------------------SGE-------------------------------

Wichtigstes Mittel war dabei - wie schon bei den Spielen gegen Leverkusen und Leipzig - die Mann-Raum-Deckung über fast alle Positionen. Meier wurde in den Raum rund um Weigl zurückgezogen und Frankfurt hat hier - je nach Ballseite - die Außen auch noch nach Innen gezogen, womit sich direkt 2 Spieler um unseren 6er gekümmert und den Raum für Anspiele sehr gering gehalten haben, sodass es situativ sogar eine Manndeckung war und auf alle Fälle nur sehr wenig Zeit nötig war, um Druck auf die 6 auszuüben. Ähnlich sah es gegen Götze und Castro aus, die von Hasebe und Huszti per Mann-Raum-Deckung verteidigt wurden und relativ wenig Platz bekamen - vor allem in den hohen Räumen. Die Offensivreihe um Aubameyang, Schürrle und Ramos wurde sogar über das gesamte Spiel vom jeweiligen Mann in der 3er Kette in Manndeckung genommen. Unsere IV hat man jedoch bewusst einfach spielen lassen, da man ansonsten ja 10gg8 stand - womit man es sich eben immer noch erlauben konnte, mindestens 2 Mann allein auf den 6er abzustellen. D.h. - wie schon in den anderen beiden besagten Spielen - im Aufbau wird man vor allem in der IV schon mal nicht großartig ernst genommen.

Das liegt sicher daran, dass Aubameyang an der Mittellinie selten mal einen Ball ablegt und lange Bälle damit so oder so kaum zu unserem Spiel gehören. Gestern hat er dort aber sogar relativ viele Duelle gewonnen und Ramos - der bei langen Bällen ja durchaus ein taktisch effizientes Mittel bietet - hat dahingehend quasi keine Rolle spielte. Da frage ich mich dann warum Ramos aufgestellt wurde, zumal die IV eben auch vergleichsweise sehr viel Zeit und Platz hatten, um das Spiel auszulösen, um solche Bälle einigermaßen sauber zu spielen (so sauber es bei der Distanz eben geht - Restrisiko bleibt da natürlich trotzdem). Insbesondere Ginter ist in der Beziehung gestern sehr enttäuschend gewesen, da man von ihm im Aufbau doch mehr erwarten kann, als von Sokratis - die Freigabe von Tuchel dürfte er haben. Das hat sich jetzt aber wiederholt auf gleichem Niveau bewegt. Bartra hat noch Probleme in der Konstanz und will noch eher das Gegenteil von Ginter im Aufbau: zu viel. Im Aufbau wäre aber wieder ein Mittelmaß aus Risiko und Sicherheit notwendig, für das auch Hummels lange benötigt hat, um hier das richtige Feintuning zu finden. Es ist also nicht ganz einfach, aber dennoch etwas enttäuschend, dass unser Aufbau hier schon so einfach aus dem Spiel genommen werden kann. Dadurch, dass das diese Woche von Ginter jetzt wieder 2 schlechte Spiele am Stück waren, bekommt man in die IV natürlich auch generell keine Konstanz!

Kurze Anspielstationen hatte man aufgrund der Deckung der Frankfurter sowieso nur wenig, weil Weigl gut zugestellt wurde und sofort von 2 Seiten unter Druck gesetzt wurde, womit der Aufbau insgesamt schon zum erliegen kommt - vor allem wenn Weigl dann auch selbst nicht gerade seinen besten Tag hat. Deswegen muss da von Castro und Götze insgesamt viel mehr kommen, indem sie sich häufiger fallen lassen und nicht diese hohe Position halten, auf der die Anspielbarkeit (auch hier wegen der Deckung) nicht gegeben ist und der Gegner nicht auseinandergezogen wird (an der Statik ändert sich so beim Gegner ja nichts, weswegen keine größeren Räume an anderer Stelle entstehen). Ist die Deckung so eng, wie gestern, hat man jedenfalls gestern zum 3. Mal in dieser Saison seine aktuellen Grenzen aufgezeigt bekommen, wie man taktisch ausgekontert werden kann und individuelle Qualität keine Rolle mehr spielt. Das darf bei der Qualität von Götze und auch Castro aber eigentlich nicht passieren, dass sie mit dem Spielen aufhören, sobald es etwas unangenehmer wird!

Der große Unterschied zur letzten Saison besteht meines Erachtens in der Besetzung des ZM. Gündogan ist weg und es zeigt sich nun immer mehr, dass man mit dem Wort Weltklasse in Zusammenhang Gündogan viel zu sparsam umgegangen ist. Gündogan hat seine Position im ZM immer sehr beweglich (nicht nur von der Dynamik) interpretiert und permanent die höhe der Position geändert, um den Gegner immer wieder vor unterschiedliche Probleme zu stellen. Mal hat er den 6er gegeben, um den tiefen Spielaufbau zu unterstützen. Mal war er eher 8er und dann auch wieder 10er, der ganz vorne reingeht. Damit hat er dem Gegner immer wieder aufgezwungen, dass er Räume freigibt, die entweder er selber oder eben ein Mitspieler bekommt. Spielerisch hat es für ihn sowieso keinen Unterschied gemacht, welche Position er spielt, da er sie alle beherrscht. Die Fähigkeit ist aktuell im Weltfussball dermaßen selten, weswegen Gündogan natürlich nur sehr schwer zu ersetzen ist, aber eben besser ersetzt werden muss als mit Rode und - in der Form von gestern - Götze. Für mich war Gündogan jedenfalls immer der schwerwiegendeste Abgang und ist es auch immer noch - auch wenn Hummels, wie weiter oben schon dargestellt, ebenfalls schwer wiegt und die Kombination dieser beiden Abgänge extrem problematisch ist. Castro hat in der letzten Rückrunde konstant an seinem persönlichen Limit gespielt und mit seinen Mitteln durchaus Wege gefunden Gündogan - mit dem Gesamtkonstrukt (u.a. auch Miki) - sehr gut zu ersetzen. Diese Konstanz fehlt ihm gerade allerdings komplett.

Unabhängig davon (um wieder auf die aktuelle Situation zurückzukommen), frage ich mich allerdings, was die Mannschaft daran hindert im ZM dauerhaft diese großen Abstände zu halten. Ich verstehe ja, dass man möglichst nah am gegnerischen Tor agieren möchte, allerdings wird das eben auch maßgeblich dadurch bestimmt, von wo man aufbau, was wiederrum vom Gegner bestimmt wird. Von dem her gibt es für mich nur 3 Gründe:

1.) Die Spieler können in den tiefen Räumen nicht (mit ausreichend Dominanz) spielen
2.) Tuchel möchte es genau so, fordert aber mehr Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, aber auch in die der Mitspieler
3.) Eine Kombination aus den beiden obigen Gründen - leider nicht die unwahrscheinlichste Variante

Ich denke 1.) dürfte relativ klar sein. Bei 2.) meine ich in dem Sinne, dass man im Aufbau mehr darauf vertrauen soll, dass die ZM die Bälle verarbeitet bekommen und daraus auch Aktionen generieren können, die direkt näher am gegnerischen Tor stattfinden. Gestern – bzw. allgemein in den unangenehmen Spielen, mit weniger Platz – waren das natürlich vor allem Rückpässe, zurück zum Absender. Allerdings gehören auch die dazu, bis der Gegner einen Fehler macht. Genau dahin kommen wir aktuell aber überhaupt nicht, weil wir die Station im ZM viel zu selten finden und dazuhin auch aus der IV heraus schon mutlos agieren, sobald mal etwas weniger Platz da ist. Dementsprechend würde 2. bedeuten, dass Tuchel seine Spieler taktisch überfordert. Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten kann man schließlich nicht einfordern, sondern muss man entwickeln. Letztendlich glaube ich aber eben eher sogar an 3.), dass die Spieler für die tieferen Positionen nicht ansatzweise so gut geeignet sind, wie man es benötigt (weswegen sie dort auch keine Präsenz entwickeln) und Tuchel eben auch noch seinen Teil dazu beiträgt, indem er entsprechend aufstellt. Das begründet sich u.a. darin, dass Castro auf der tiefen Position, die er nach der Hereinnahme von Rode gespielt hat, auch nicht präsenter wurde und beide ZM zuvor ja auch durchaus mal tiefer die Bälle abgeholt haben – grundsätzlich verboten erscheint es mir daher nicht.

Präsenz ist allgemein eines der wichtigen Themen im ZM. Gestern hatte man im DM/ZM insgesamt wieder gerade mal 210 Ballkontakte. Castro kam mit 68 knapp unter sein Normalmaß, das auch schon etwas zu gering ausfällt. Götze mit 48 erreicht auch nahezu sein Normalmaß, was aber natürlich viel zu wenig ist – insbesondere bei 68% Ballbesitz. Die Summe hat Gündogan, nicht gerade selten, allein hinbekommen – bei einem Schnitt von 110 Ballaktionen/90 Minuten. Auch das zeigt nochmals, wie gewichtig die Probleme im ZM sind und legt nahe, dass es eben nicht nur Tuchel ist, der von seinen Spielern mehr will als sie können, sondern auch die Spieler weniger können als nötig wäre. Mir erscheint es zumindest so, dass Tuchel die Mannschaft für dominant genug hält, damit man die Spieler nahe ihrer Optimalzonen agieren lassen kann. Sollte das der Fall sein, haben das aber mittlerweile schon mindestens 3 Gegner durchschaut, wodurch die Dominanz effektiv nicht mehr vorhanden ist, sondern sich nur noch in Ballbesitz in ungefährlichen Zonen ausdrückt (IV des BVB) – also ist es tatsächlich keine Dominanz. Damit unterläge Tuchel also einem Trugschluss.

Was ist jetzt aber die Lösung?
Anfang der Saison (die Probleme sind schließlich auch schon in anderen Spielen dagewesen, nur wurden sie eben nur in 3 Spielen extrem präsent) hat man im Aufbau noch viel über die AV aufgebaut – vor allem über Schmelzer. Das funktioniert so aber nicht in dem Maße, da man sich so in den „Angriffsvektoren“ selbst limitiert, indem man sich schließlich so schon auf eine Seite festlegt und damit einer Spielrichtung als Option beraubt. Zudem generierte man so nicht mehr Anspielstationen, weswegen der Aufbau über die AV insgesamt als ineffektiv bezeichnet werden muss!

Eine 3er Kette hat man zuletzt gegen Hamburg und die Bayern gespielt. Beide Spiele hatten allerdings ihre Defizite. Gegen den HSV war man Defensiv nicht sonderlich stabil, was sich auch nicht nur auf die Rotation schieben lässt und gegen die Bayern war man natürlich kaum mal am Ball, hat Glück gehabt, dass man das 1:0 macht und bis zum Schluss eine hohe Kompaktheit halten konnte. Personell kann man das sicher anders spielen, wie man es in diesen beiden Spielen gemacht hat, allerdings muss man dabei eben hinterfragen, was sich im Vergleich zur 4er Kette genau ändert, was davon Sinn macht und was davon mehr Optionen schafft, die man effektiv nutzt.

Dementsprechend will ich mal noch 2 3er Ketten skizzieren, die wir aktuell beherrschen würden und wie Fraknfurt dagegen gespielt hätte (taktische Möglichkeiten zur Umstellung hatten die ja nicht wirklich):

(1)
---------Ginter----Sokratis----Bartra------------
-------------------------SGE-----------------------------
-------------SGE-----Weigl------SGE----------------
Pischu----------------------------------Schmelzer
--------------Castro-----------Götze----------------
SGE----------SGE--------------SGE-------------SGE
----------------Auba------------Schürrle------------
--------SGE-----------SGE-------------SGE-----------
(2)
---------Ginter----Sokratis----Bartra-------------
---------SGE----------SGE----------SGE--------------
Pischu-------Weigl--------Götze-------Schmelzer
SGE----------SGE--------------SGE-------------SGE
-----Ramos-----------Auba------------Schürrle----
--------SGE-----------SGE-------------SGE-----------

Bei (1) wird ein Offensivmann geopfert, um den Aufbau aus der Abwehr heraus zu verbessern. Grundsätzlich hat Frankfurt dadurch aber nicht mehr Probleme vor dem Tor, da man so dort nun nicht mehr Mann gegen Mann spielt, sondern sogar noch eine zusätzliche Absicherung bekommt. An der Neutralisierung des DM/ZM ändert sich gar nichts. Im Prinzip muss der Aufbau der 3er Kette daher als genau das spielen, was man sich bei 2 IV schon nicht getraut oder nicht geschafft hat. Kann klappen, da man natürlich selbst eine Absicherung mehr hat und damit sicher etwas mehr Risiko rechtfertigen kann (wenn etwas schief geht) und damit auch gewagt wird - Tuchel hat von Hummels explizit das Risiko gefordert hat, weswegen ich nicht glaube, dass er Ginter und Bartra nun etwas verbietet, das umso wichtiger geworden ist, sondern vor allem Ginter sich hier zu wenig traut. Ich sehe insgesamt also nur eine potenzielle Chance, um den Aufbau zu verstärken, aber dafür auch mehr Probleme, um in Abschlusssituationen zu kommen, die ja das eigentliche Ziel sind. Daher fraglich, ob man so tatsächlich besser aufgestellt wäre.

Bei (2) ändert sich im Vergleich zu gestern eigentlich gar nicht viel. Frankfurt bekommt nur noch mal einen Mann mehr hinter den Ball, da sie ganz einfach die 3er Kette weiterhin spielen lassen, die nun aber einen Mann weniger als Anspielstation hat (ein ZM wird für den 3. IV schließlich geopfert). Ich sehe hierin also keinen Mehrwert, sondern noch mehr Neutralisierung beider Mannschaften!

Bei einem gegnerischen 4-4-2, wie du es skizziert hast, spielt man ebenso 10gg7 und damit vor der 3er Kette in konstanter Unterzahl.

Tuchel hat dazuhin in der Vorbereitung schon mit einer 3er Kette experimentiert, bei der die AIV ins DM schieben. So weit ist man dort spielerisch allerdings nicht. Bartra ist defensiv noch nicht vollständig integriert und spielt teils noch zu fehlerbehaftet. Ginter ist nicht konstant und im Aufbau meistens noch nicht so präsent, dass man hier den konstanten Mehrwert unter mehr Druck erwarten kann. Für Sokratis würde sich als Libero bei Ballbesitz eigentlich nichts großartig ändern. Für diese Aufstellung muss man jedenfalls mit mehr Mut spielen, als man es bislang tut. Kurz: die Basics reichen noch nicht – vielleicht zur Rückrunde!

Ein zweiter klarer 6er hilft uns auch nur bedingt, da ich nicht das notwendige Personal dafür im Kader sehe. Rode hat bislang nicht Fuß fassen können und wird es wohl auch kaum noch schaffen – zwischendurch hatte ich bei seiner Verpflichtung ja durchaus einen Sinn gesehen, allerdings bin ich da wohl dem Trugschluss erlegen, dass er doch mehr können muss als man vermutet und es Sinn macht, seine Fähigkeitenkombination in den Kader aufzunehmen, wenn unsere Verantwortlichen ihn verpflichten. Castro ist in meinen Augen genauso ein 10er, wie es Götze und Kagawa sind. Sie unterscheidet spielerisch und athletisch natürlich sehr viel, aber rein taktisch sind sie auf der 10 am besten aufgehoben, weil sie von dort Torgefahr entwickeln und ihre Qualitäten ohne Abstriche ausspielen können. Auf den tieferen Positionen fehlt ihnen allesamt etwas, bzw. merkt man mehr oder weniger, dass sie sich nicht so wohl fühlen und vor allem nicht den Anforderungen (Präsenz, als Aufbaustation, die Defensive und Offensive statisch und dynamisch verbindet) entsprechen. Guerreiro hat seine Spiele im ZM fast ausnahmslos überzeugt, ist allerdings auch kein Stratege. Kann er auch noch nicht sein, wenn man bedenkt, dass er seine Karriere bislang vornehmlich auf der linken Außenbahn verbracht hat, wo man ihn auch beim BVB dringend benötigt. Sahin spielt mit sehr viel Licht und sehr viel Schatten, da er beim BVB keinen optimalen Nebenmann mehr hat und zu Weigl als inkompatibel eingestuft werden muss. Merino, Mangala und Burnic spielen (noch) keine Rolle. Man muss also feststellen, dass es keinen echten zweiten 6er gibt, der Weigl (oder Sahin) ergänzen kann.

Dementsprechend fällt diese Option in meinen Augen weg, weswegen man nur noch versuchen kann, dass die offensiven 8er/10er, endlich tiefer aufbauen, sich häufiger fallen lassen und vor allem präsenter zu werden (insbesondere wenn es mal schwieriger wird). Das bedeutet eben auch, dass Tuchel diese Spieler nicht in ihrer Komfortzone agieren lassen darf und die Spieler auch selbst aus dieser Komfortzone ausbrechen müssen! Andernfalls wird es in dieser Hinrunde noch 2-3 Gegner geben, die für Probleme sorgen werden. Hoffenheim wird sich das Spiel gestern sehr genau angeschaut haben und die Strategie nahezu kopieren. Köln wird seine Anleihen bei Leipzig und Leverkusen suchen und finden. Gladbach wird aus all diesen Spielen am Ende das für sich passende raussuchen, da sie flexibel genug sind, um mit 4er oder 3er Kette zu spielen. Es muss sich beim BVB also sehr schnell etwas ändern, ansonsten wird man nicht nur in Richtung Platz 2 den Anschluss verlieren.

In meinen Augen wäre bei der Aufstellung gestern Ramos mit langen Bällen zu versorgen, um das Mittelfeld zu überbrücken und mehr Fehler der Frankfurter IV (die gab es schließlich durchaus) zu provozieren, ein guter Weg gewesen. Da man diesen Weg nicht genutzt hat, war Ramos eine Fehlbesetzung, an dessen Stelle ein Dembele oder Reus mehr Sinn gemacht hätten (und Mor im Kader gefehlt hat), da man eben mit den 1gg1 durchkam und sofort Freiräume und Abschlüsse hatte. Da hat Frankfurt also auch Glück gehabt, dass man diesen Weg nicht kontinuierlich gegangen ist, gehen konnte oder was auch immer. Damit hätte Frankfurt sich überlegen müssen, ob sie nicht doch stellenweise doppeln und damit wieder an anderen Stellen Freiräume lassen. Außerdem eben tiefer agierende ZM, die mit mehr Mut die Bälle fordern, mit Dynamik das 1gg1 suchen und damit für eine kollabierende Manndeckung sorgen, wodurch Räume frei werden und/oder Überzahlsituationen entstehen – das können die IV nicht leisten und die Offensive sowieso nicht, wenn sie gar nicht erst an den Ball kommt. Das Mittelfeld kann deswegen eben auch nicht permanent überspielt werden. Mehr Mut und Tempo gilt außerdem auch für die IV bei deren Bällen.

Taktisch finde ich das 4-1-4-1 daher nicht verkehrt, aber ich sehe extrem viele Defizite in der Umsetzung und auch einige Defizite in den dafür zur Verfügung stehenden Personalien. Gerade im ZM fehlt ein entscheidender Spielertyp.
Dieser Beitrag wurde zuletzt von BVBBC am 27.11.2016 um 13:17 Uhr bearbeitet
BVB - Taktik-Thread |#140
27.11.2016 - 13:54 Uhr
Trotz allem bleibt für mich unsere Verteidigung das Hauptproblem. Wir haben zwei AV die Offensiv nicht stattfinden, die in der Abwehrarbeit sehr hoch stehen und wenn sie hinten verteidigen oft zur Mitte einrücken und die Außen für den Gegner freigeben und einen IV wie Ginter, der einfach viel zu weit weg von seinen Gegenspieler ist. Es ist Defensiv Null Ordnung zu erkennen, man geht nach dem Leitsatz " Nimm du ihn, ich hab ihn sicher" vor. Das mit den Einrücken der AV in die IV passiert sehr häufig und das obwohl wir dort oft eine zahlenmäßige Überlegenheit haben, ich kann mir das nur so erklären, dass man meint von außen geht ja eh nicht so viel Gefahr aus, wir müssen das Tor absichern. Die desaströsen Abwehrleistungen waren bereits in Hamburg, aber besonders gegen Warschau zu erkennen und anscheinend hat man diese in den Trainingstagen bis zum Frankfurt Spiel nicht in den Griff bekommen, anders kann ich mir die Kritik von TT an die Trainingsleistungen nicht erklären. Für eine Mannschaft die national der zweite Leuchtturm sein will und international die großen ärgern will, sind 8 !!! Gegentore gegen Hamburg, Warschau und Frankfurt mindestens 7 zu viel.
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