Der Fall Ballack & die Kapitänsfrage
02.06.2010 - 14:37 Uhr
21.06.2011 - 14:00 Uhr
Zitat von Korf:
Ich will Dir ja Deine Illusionen nicht nehmen, aber Du schreibst ahistorischen Unfug. Erstens - Du konntest es ja leider nicht mehr sehen - haben die Deutschen sehr wohl noch gekämpft bis zur letzten Minute. Ihnen haben die durchschlagenden Mittel gefehlt, was etwas völlig anderes ist. Wie viel Herz die derzeitige Generation hat, konnte man gut 2008 sehen, als ein taktisch und spielerisch völlig verkorkstes Spiel gegen die Türkei mit einer Willensleistung gedrhet wurde (übrigens das erste gedrehte K.O.-Turnierspiel seit 1998, und insgesamt gibt es davon für den DFB seit 1954 auch nicht mehr als eine Handvoll).
Und zweitens verklärst Du die Vergangenheit dramatisch.
Youtube gibt dir die Möglichkeit, alte Spiele noch mal anzuschauen. Nimm Dir ein verregnetes Wochenende, schließ den Rechner an den Fernseher, und Du wirst einige Überraschungen erleben. Für den Start ermpfehle ich als kleine Auswahl die Spiele 1978, gegen Peru oder Italien, 1980 gegen Girechenland, 1982 gegen Österreich, 1984 und 2000 gegen Portugal, 1992 gegen Dänemark, 2004 gegen Lettland und Tschechien B. Es wird kein Sehvergnügen sein. Und dann unterhalten wir uns nochmal drüber, wie das so ist mit dem Herz.
Kann aber auch sein, dass Du das gar nicht willst.
Viele von deinen genannten Spielen habe ich live gesehen, andere in Wiederholungen auf den Dritten Programmen vor großen Turnieren, andere auch wiederum nicht. Ja, die Tiefen gab es genauso wie die Höhen und ich konnte mich genauso mit den schlechten und grausamen Spielen identifizieren, wie ich es mit den grandiosen oder auch einfach durchschnittlichen konnte. Warum das gegen Spanien im negativen Sinne und gegen Argentinien und England im positiven Sinne nicht mehr so war, habe ich versucht, mit der Gesichtslosigkeit des modernen Fussballs zu begründen. Ob ich Teile der Vergangenheit dadurch verkläre? Vielleicht. Na und! Im Grunde genommen kommt es unterm Strich nicht darauf an, rational zu begründen, warum ich an jenem 5. Juli 2010 aufgehört habe, ein Fanatic zu sein. Rational begründen, warum ich es in meiner Kindheit geworden bin, kann ich ebenso wenig.
Aber Korf, jedem das Seine. Kannst du durchweg rational begründen, warum du, und ich gehe bei deinem Wappen mal davon aus, Fan der deutschen Nationalmannschaft geworden und auch heute noch bist?
Und übrigens: Ich würde gerne die Zeit zurückdrehen, denn es war eine gute Zeit, die ich sehr genossen habe! Leider kann ich das nicht.
Zitat von SamyDeluxe:
Das moderne im Fußball kann man nunmal nicht wegbekommen - und das ist auch gut so. Die Fußballkulturen verschmelzen, einen Wiedererkennungswert gibt es nicht mehr.
Die Brasilianer wurden etwas rustikaler, die Deutschen spielstärker, etc. (Nur wir Österreicher sind unserem Stil treugeblieben - schlecht zu sein ist auch ein Markenzeichen) Diese vorurteilbelastete Sichtweise ist verwischt worden.
Sieh es nicht so pessimistisch: Die deutsche Nationalmannschaft ist heute viel offensivstärker und multikulturell! Und bei der WM 2010 ist man gegen die im Moment spielstärkste Nation ausgeschieden, die eine goldene Ära haben/hatten. Viel schlimmer anzusehen war doch die EM 2004 aus Sicht der Deutschen.
Moderner Fußball: Das bedeutet Professionalität und Milliardengeschäfte. Da wird sich natürlich nichts dran ändern. Mit Pessimismus hat meine heutige Sichtweise nichts zu tun, sondern eher mit einem emotionalen Abstand, den ich 2004 eben noch nicht hatte. Ja das war schlimm anzusehen und ich habe gelitten. Herrlich!
Heute sehe ich mir die deutsche Nationalmannschaft an, um entertaint zu werden. Ähnlich wie ich mir früher Frankreich oder Brasilien und heute Spanien und Holland anschaue, denn Fussball ist und bleibt für mich ein faszinierender Sport.
Ich will Dir ja Deine Illusionen nicht nehmen, aber Du schreibst ahistorischen Unfug. Erstens - Du konntest es ja leider nicht mehr sehen - haben die Deutschen sehr wohl noch gekämpft bis zur letzten Minute. Ihnen haben die durchschlagenden Mittel gefehlt, was etwas völlig anderes ist. Wie viel Herz die derzeitige Generation hat, konnte man gut 2008 sehen, als ein taktisch und spielerisch völlig verkorkstes Spiel gegen die Türkei mit einer Willensleistung gedrhet wurde (übrigens das erste gedrehte K.O.-Turnierspiel seit 1998, und insgesamt gibt es davon für den DFB seit 1954 auch nicht mehr als eine Handvoll).
Und zweitens verklärst Du die Vergangenheit dramatisch.
Youtube gibt dir die Möglichkeit, alte Spiele noch mal anzuschauen. Nimm Dir ein verregnetes Wochenende, schließ den Rechner an den Fernseher, und Du wirst einige Überraschungen erleben. Für den Start ermpfehle ich als kleine Auswahl die Spiele 1978, gegen Peru oder Italien, 1980 gegen Girechenland, 1982 gegen Österreich, 1984 und 2000 gegen Portugal, 1992 gegen Dänemark, 2004 gegen Lettland und Tschechien B. Es wird kein Sehvergnügen sein. Und dann unterhalten wir uns nochmal drüber, wie das so ist mit dem Herz.
Kann aber auch sein, dass Du das gar nicht willst.
Viele von deinen genannten Spielen habe ich live gesehen, andere in Wiederholungen auf den Dritten Programmen vor großen Turnieren, andere auch wiederum nicht. Ja, die Tiefen gab es genauso wie die Höhen und ich konnte mich genauso mit den schlechten und grausamen Spielen identifizieren, wie ich es mit den grandiosen oder auch einfach durchschnittlichen konnte. Warum das gegen Spanien im negativen Sinne und gegen Argentinien und England im positiven Sinne nicht mehr so war, habe ich versucht, mit der Gesichtslosigkeit des modernen Fussballs zu begründen. Ob ich Teile der Vergangenheit dadurch verkläre? Vielleicht. Na und! Im Grunde genommen kommt es unterm Strich nicht darauf an, rational zu begründen, warum ich an jenem 5. Juli 2010 aufgehört habe, ein Fanatic zu sein. Rational begründen, warum ich es in meiner Kindheit geworden bin, kann ich ebenso wenig.
Aber Korf, jedem das Seine. Kannst du durchweg rational begründen, warum du, und ich gehe bei deinem Wappen mal davon aus, Fan der deutschen Nationalmannschaft geworden und auch heute noch bist?
Und übrigens: Ich würde gerne die Zeit zurückdrehen, denn es war eine gute Zeit, die ich sehr genossen habe! Leider kann ich das nicht.
Zitat von SamyDeluxe:
Das moderne im Fußball kann man nunmal nicht wegbekommen - und das ist auch gut so. Die Fußballkulturen verschmelzen, einen Wiedererkennungswert gibt es nicht mehr.
Die Brasilianer wurden etwas rustikaler, die Deutschen spielstärker, etc. (Nur wir Österreicher sind unserem Stil treugeblieben - schlecht zu sein ist auch ein Markenzeichen) Diese vorurteilbelastete Sichtweise ist verwischt worden.
Sieh es nicht so pessimistisch: Die deutsche Nationalmannschaft ist heute viel offensivstärker und multikulturell! Und bei der WM 2010 ist man gegen die im Moment spielstärkste Nation ausgeschieden, die eine goldene Ära haben/hatten. Viel schlimmer anzusehen war doch die EM 2004 aus Sicht der Deutschen.
Moderner Fußball: Das bedeutet Professionalität und Milliardengeschäfte. Da wird sich natürlich nichts dran ändern. Mit Pessimismus hat meine heutige Sichtweise nichts zu tun, sondern eher mit einem emotionalen Abstand, den ich 2004 eben noch nicht hatte. Ja das war schlimm anzusehen und ich habe gelitten. Herrlich!
Heute sehe ich mir die deutsche Nationalmannschaft an, um entertaint zu werden. Ähnlich wie ich mir früher Frankreich oder Brasilien und heute Spanien und Holland anschaue, denn Fussball ist und bleibt für mich ein faszinierender Sport.
21.06.2011 - 15:08 Uhr
Zitat
Viele von deinen genannten Spielen habe ich live gesehen, andere in Wiederholungen auf den Dritten Programmen vor großen Turnieren, andere auch wiederum nicht. Ja, die Tiefen gab es genauso wie die Höhen und ich konnte mich genauso mit den schlechten und grausamen Spielen identifizieren, wie ich es mit den grandiosen oder auch einfach durchschnittlichen konnte. Warum das gegen Spanien im negativen Sinne und gegen Argentinien und England im positiven Sinne nicht mehr so war, habe ich versucht, mit der Gesichtslosigkeit des modernen Fussballs zu begründen. Ob ich Teile der Vergangenheit dadurch verkläre? Vielleicht. Na und! Im Grunde genommen kommt es unterm Strich nicht darauf an, rational zu begründen, warum ich an jenem 5. Juli 2010 aufgehört habe, ein Fanatic zu sein. Rational begründen, warum ich es in meiner Kindheit geworden bin, kann ich ebenso wenig.
Aber Korf, jedem das Seine. Kannst du durchweg rational begründen, warum du, und ich gehe bei deinem Wappen mal davon aus, Fan der deutschen Nationalmannschaft geworden und auch heute noch bist?
Und übrigens: Ich würde gerne die Zeit zurückdrehen, denn es war eine gute Zeit, die ich sehr genossen habe! Leider kann ich das nicht.
Ich weiß nicht, ob ich ganz verstehe, worum es Dir geht. Den Eindruck Deines Gefühls "Die früher haben mit Herz gespielt, und die heute tun das nicht" kann ich Dir natürlich nicht absprechen – einer sachlichen Überprüfung hält er meiner Ansicht nach nicht stand, siehe oben (Ich finde den Vorwurf auch ungerecht. Nicht jede Niederlage ist auf mangelnden Einsatz zurückzuführen. Sonst wären ja auch 90% aller deutschen Nationalspieler Laumänner und Lutscher; der DFB hat schließlich seit 1954 zwar 25 Turnier bestritten, aber davon lediglich vier ohne Niederlage abgeschlossen. Aber es passt in die Erklärungsmuster der Zeit )
Richtig ist, dass die DFB-Elf 2010 anders spielt als die von 2000 als die von 1980 als die von 1960. _Natürlich_. Genauso wie ja auch die Elf von 1990 sich komplett von der von 1970 unterscheidet. Weil sich die Fußballregeln ändern, die taktischen Rahmenbedingungen ändern, die Trainer ändern, die Spieler ändern. Wer 2000 mit Personal und Taktik von 1990 antritt, kann eben nur hilflos hinterherlaufen (und wirkt dabei gerne mal herzlos). Auf die Spitze gebracht ist dies im Vereinsfußball. Wer einen Spielertyp repräsentiert, der aktuell nicht gefragt ist, kann einpacken, und zwar im Zweifelsfall heute. Hier führen Anwendung der Regeln des Marktes und die Regeln der Kriegskunst zum selben Ergebnis: Dem Erfolg und der Vermeidung des Misserfolgs hat sich alles unterzuordnen. Und am schnellsten das Rezept von gestern.
Gibt es jetzt einen einheitlichen Trend, hin zu Einheitsgesichtsfußball? Ich finde nicht. Argentinien hat 2006 einen prägnanten Fußball gespielt und 2010 einen anderen prägnanten, aber völlig anderen.
Ist speziell die DFB-Elf eine gesichtslose Kopie eines internationalen Standards? Ich finde wieder nicht. Sie trägt die Handschrift ihres Trainers, teilweise wird der FC Bayern der Saison 2009/10 als Vorbild gesehen (ich bin da eher zurückhaltend) – aber mit welchen anderen Spitzenklubs hat sie denn Gemeinsamkeiten? Ich finde, die derzeitige deutsche Mannschaft spielt völlig anders als Holland oder Frankreich oder England oder Barcelona oder Manchester oder Inter Mailand; sie hat auch kein Vorbild in früheren Teams dieser Länder.
Die Zeiten ändern sich, der Fußball ändert sich. Wenn ich mir alte Spiele anschaue, kann ich dabei Nostalgiegefühle entwickeln, weil sie mich an Zeiten erinnert, wo ich jünger war, aber das ist eine emotionale Perspektive. Aber Raumnutzung, Tempo, individuelle Qualität – vor dreißig Jahren wurde ein anderes Spiel gespielt.
Um ein Beispiel zu nehmen: Ja, die chromverzierten Autos der Sechziger waren schöner und schnittiger als der der Aerodynamik geschuldete Einheitsbrei, der weitestgehend heute die Fabriken verlässt. Und darüber kann man auch seufzen. Aber kein Youngtimer taugt heute noch als Alltagsauto für die Masse; ein Unternehmen, das dem technischen Standard auch nur wenige Jahre hinterherhinkt, ist absehbar ein Sanierungsfall; und auch: kaum ein Autofahrer verzichtet nur für ein besseres Gefühl doch ernsthaft freiwillig auf ABS, Airbag und niedrigen Verbrauch verzichten. Opa mag beim Familientag erzählen, wieviel Fahrgefühl das Zwischengas beim Käfer erforderte – nachher steigt er in seine E-Klasse.
Und wer auf die aktuellen Annehmlichkeiten gar für die grottenhässlichen Plastik-Karren der Achtziger verzichten wollte, würde zurecht als Sonderling verlacht.
---
Davon ab freue ich mich darüber, dass die DFB-Elf heute wieder mehr auf Leichtfüßigkeit setzt als auf puren Siegeswillen wie zwischendurch mal. Mein Mitfiebern wird nicht im mindesten durch Entertainment angetastet.
Aber das ist Geschmackssache.
Viele von deinen genannten Spielen habe ich live gesehen, andere in Wiederholungen auf den Dritten Programmen vor großen Turnieren, andere auch wiederum nicht. Ja, die Tiefen gab es genauso wie die Höhen und ich konnte mich genauso mit den schlechten und grausamen Spielen identifizieren, wie ich es mit den grandiosen oder auch einfach durchschnittlichen konnte. Warum das gegen Spanien im negativen Sinne und gegen Argentinien und England im positiven Sinne nicht mehr so war, habe ich versucht, mit der Gesichtslosigkeit des modernen Fussballs zu begründen. Ob ich Teile der Vergangenheit dadurch verkläre? Vielleicht. Na und! Im Grunde genommen kommt es unterm Strich nicht darauf an, rational zu begründen, warum ich an jenem 5. Juli 2010 aufgehört habe, ein Fanatic zu sein. Rational begründen, warum ich es in meiner Kindheit geworden bin, kann ich ebenso wenig.
Aber Korf, jedem das Seine. Kannst du durchweg rational begründen, warum du, und ich gehe bei deinem Wappen mal davon aus, Fan der deutschen Nationalmannschaft geworden und auch heute noch bist?
Und übrigens: Ich würde gerne die Zeit zurückdrehen, denn es war eine gute Zeit, die ich sehr genossen habe! Leider kann ich das nicht.
Ich weiß nicht, ob ich ganz verstehe, worum es Dir geht. Den Eindruck Deines Gefühls "Die früher haben mit Herz gespielt, und die heute tun das nicht" kann ich Dir natürlich nicht absprechen – einer sachlichen Überprüfung hält er meiner Ansicht nach nicht stand, siehe oben (Ich finde den Vorwurf auch ungerecht. Nicht jede Niederlage ist auf mangelnden Einsatz zurückzuführen. Sonst wären ja auch 90% aller deutschen Nationalspieler Laumänner und Lutscher; der DFB hat schließlich seit 1954 zwar 25 Turnier bestritten, aber davon lediglich vier ohne Niederlage abgeschlossen. Aber es passt in die Erklärungsmuster der Zeit )
Richtig ist, dass die DFB-Elf 2010 anders spielt als die von 2000 als die von 1980 als die von 1960. _Natürlich_. Genauso wie ja auch die Elf von 1990 sich komplett von der von 1970 unterscheidet. Weil sich die Fußballregeln ändern, die taktischen Rahmenbedingungen ändern, die Trainer ändern, die Spieler ändern. Wer 2000 mit Personal und Taktik von 1990 antritt, kann eben nur hilflos hinterherlaufen (und wirkt dabei gerne mal herzlos). Auf die Spitze gebracht ist dies im Vereinsfußball. Wer einen Spielertyp repräsentiert, der aktuell nicht gefragt ist, kann einpacken, und zwar im Zweifelsfall heute. Hier führen Anwendung der Regeln des Marktes und die Regeln der Kriegskunst zum selben Ergebnis: Dem Erfolg und der Vermeidung des Misserfolgs hat sich alles unterzuordnen. Und am schnellsten das Rezept von gestern.
Gibt es jetzt einen einheitlichen Trend, hin zu Einheitsgesichtsfußball? Ich finde nicht. Argentinien hat 2006 einen prägnanten Fußball gespielt und 2010 einen anderen prägnanten, aber völlig anderen.
Ist speziell die DFB-Elf eine gesichtslose Kopie eines internationalen Standards? Ich finde wieder nicht. Sie trägt die Handschrift ihres Trainers, teilweise wird der FC Bayern der Saison 2009/10 als Vorbild gesehen (ich bin da eher zurückhaltend) – aber mit welchen anderen Spitzenklubs hat sie denn Gemeinsamkeiten? Ich finde, die derzeitige deutsche Mannschaft spielt völlig anders als Holland oder Frankreich oder England oder Barcelona oder Manchester oder Inter Mailand; sie hat auch kein Vorbild in früheren Teams dieser Länder.
Die Zeiten ändern sich, der Fußball ändert sich. Wenn ich mir alte Spiele anschaue, kann ich dabei Nostalgiegefühle entwickeln, weil sie mich an Zeiten erinnert, wo ich jünger war, aber das ist eine emotionale Perspektive. Aber Raumnutzung, Tempo, individuelle Qualität – vor dreißig Jahren wurde ein anderes Spiel gespielt.
Um ein Beispiel zu nehmen: Ja, die chromverzierten Autos der Sechziger waren schöner und schnittiger als der der Aerodynamik geschuldete Einheitsbrei, der weitestgehend heute die Fabriken verlässt. Und darüber kann man auch seufzen. Aber kein Youngtimer taugt heute noch als Alltagsauto für die Masse; ein Unternehmen, das dem technischen Standard auch nur wenige Jahre hinterherhinkt, ist absehbar ein Sanierungsfall; und auch: kaum ein Autofahrer verzichtet nur für ein besseres Gefühl doch ernsthaft freiwillig auf ABS, Airbag und niedrigen Verbrauch verzichten. Opa mag beim Familientag erzählen, wieviel Fahrgefühl das Zwischengas beim Käfer erforderte – nachher steigt er in seine E-Klasse.
Und wer auf die aktuellen Annehmlichkeiten gar für die grottenhässlichen Plastik-Karren der Achtziger verzichten wollte, würde zurecht als Sonderling verlacht.
---
Davon ab freue ich mich darüber, dass die DFB-Elf heute wieder mehr auf Leichtfüßigkeit setzt als auf puren Siegeswillen wie zwischendurch mal. Mein Mitfiebern wird nicht im mindesten durch Entertainment angetastet.
Aber das ist Geschmackssache.
21.06.2011 - 16:06 Uhr
Erstmal danke für die wirklich guten Beiträge. Irgendwie habe ich das nicht in Gedanken oder Worte fassen können - aber (irrational oder auch nicht) trifft für mich dasselbe zu wie für Generation X. Ich habe auch bei Gurkenspielen gelitten - ich habe mich wie ein Kind über das golden Goal vom Olli gefreut! Ich habe bei Kahns Fehler im Finale 2002 geflucht wie ein Rohrspatz und bei der WM 2006 gezittert, gejubelt und wurde dann doch enttäuscht.
Heute? Da guck ich mir ein Länderspiel an und ärgere mich innerlich ein wenig, dass durch die Länderspielpause die Liga aussetzen muss oder freue mich, dass einen die WM über die Sommerpause bringt.
Liegt es am Spielsystem? Liegt es an den selten vorhandenen Emotionen? Liegts am menschlichen und taktischen Einheitsbrei? Am emotionslosen Trainer? Ich weiß es nicht... Was ich weiß ist, dass ich seit einigen Jahren (bitte schlagt mich nicht) mehr mit Holland fiebere - genau da finde ich das System dass ich mag, die Typen die ich mag und die Art von Fussballgeilheit die ich mag.
Mit Ballack hat in meinen Augen der letzte "große" Spieler die Nationalmannschaft für immer verlassen (müssen). Ich bin gespannt, ob sich meine Einstellung bzw Wahrnehmung in der Ära Löw oder danach wieder ändert.
Heute? Da guck ich mir ein Länderspiel an und ärgere mich innerlich ein wenig, dass durch die Länderspielpause die Liga aussetzen muss oder freue mich, dass einen die WM über die Sommerpause bringt.
Liegt es am Spielsystem? Liegt es an den selten vorhandenen Emotionen? Liegts am menschlichen und taktischen Einheitsbrei? Am emotionslosen Trainer? Ich weiß es nicht... Was ich weiß ist, dass ich seit einigen Jahren (bitte schlagt mich nicht) mehr mit Holland fiebere - genau da finde ich das System dass ich mag, die Typen die ich mag und die Art von Fussballgeilheit die ich mag.
Mit Ballack hat in meinen Augen der letzte "große" Spieler die Nationalmannschaft für immer verlassen (müssen). Ich bin gespannt, ob sich meine Einstellung bzw Wahrnehmung in der Ära Löw oder danach wieder ändert.
21.06.2011 - 16:13 Uhr
Zitat von Pik-Spitze:
Zitat von Belodedic:
Brasilien, Italien, Deutschland und eventuell argentinien. Da zählen nur Titel. In 30 Jahren spricht keiner mehr über den schönen fussball von löw. den kennt keiner mehr. aber der titel 90 oder 96 den vergisst man nicht. blamiert oder nicht blamiert alles unwichtig. ich sage nur für deutschland zählt nur der titel, da deutschland nicht holland, schweden oder usbekistan ist. und da muss sich löw messen.
Ich kann den ganzen Schwachsinn das nur Titel zählen nicht mehr hören (u. a. weil die Tuniere ohne Titel in Vergessenheit geraten würden).
...viel Richtiges gelöscht...
Zumal die brasilianische Mannschaft von 1982 immer noch von vielen hochgeschätzt wird. Wer wurde aber Weltmeister? Italien.
Und die Cruyff-Elf 1974? Vergessen? Da muss glaube ich jeder schmunzeln, wenn man sagt das darüber heute niemand mehr spricht.
Es ist wirklich nicht ganz nachzuvollziehen, warum nur Titel zählen sollen, wenn es soviel unvergessliche Spiele gibt. DAS ist es was Fußball ausmacht, das Spiel an sich. Für mich zumindest. Das 3:2 von Burruchaga werde ich z.B. nie im Leben vergessen können. Titel sind schön und ich will auch das Deutschland 13 mal Weltmeister in Folge wird, aber das Einzige in diesem Sport ist das nicht.
Und a propos Siegermentalität. Das sollte man auch nicht verklären, auch wenn es unglaubliche Spiele gab - am Ende stand trotzdem oft nicht der Titelgewinn. Deutschland war oft im Finale und hat nach öfter verloren und das schon lange vor Löw, mit so Siegermentalitätsbestien wie Briegel, Rummenigge, Matthäus, Beckenbauer oh und sogar Ballack. Reicht?
Zitat von Belodedic:
Brasilien, Italien, Deutschland und eventuell argentinien. Da zählen nur Titel. In 30 Jahren spricht keiner mehr über den schönen fussball von löw. den kennt keiner mehr. aber der titel 90 oder 96 den vergisst man nicht. blamiert oder nicht blamiert alles unwichtig. ich sage nur für deutschland zählt nur der titel, da deutschland nicht holland, schweden oder usbekistan ist. und da muss sich löw messen.
Ich kann den ganzen Schwachsinn das nur Titel zählen nicht mehr hören (u. a. weil die Tuniere ohne Titel in Vergessenheit geraten würden).
...viel Richtiges gelöscht...
Zumal die brasilianische Mannschaft von 1982 immer noch von vielen hochgeschätzt wird. Wer wurde aber Weltmeister? Italien.
Und die Cruyff-Elf 1974? Vergessen? Da muss glaube ich jeder schmunzeln, wenn man sagt das darüber heute niemand mehr spricht.
Es ist wirklich nicht ganz nachzuvollziehen, warum nur Titel zählen sollen, wenn es soviel unvergessliche Spiele gibt. DAS ist es was Fußball ausmacht, das Spiel an sich. Für mich zumindest. Das 3:2 von Burruchaga werde ich z.B. nie im Leben vergessen können. Titel sind schön und ich will auch das Deutschland 13 mal Weltmeister in Folge wird, aber das Einzige in diesem Sport ist das nicht.
Und a propos Siegermentalität. Das sollte man auch nicht verklären, auch wenn es unglaubliche Spiele gab - am Ende stand trotzdem oft nicht der Titelgewinn. Deutschland war oft im Finale und hat nach öfter verloren und das schon lange vor Löw, mit so Siegermentalitätsbestien wie Briegel, Rummenigge, Matthäus, Beckenbauer oh und sogar Ballack. Reicht?
Dieser Beitrag wurde zuletzt von jim_nihilist am 21.06.2011 um 16:17 Uhr bearbeitet
21.06.2011 - 16:32 Uhr
Zitat
Heute? Da guck ich mir ein Länderspiel an und ärgere mich innerlich ein wenig, dass durch die Länderspielpause die Liga aussetzen muss
Kann ich nachvollziehen. Bei Deutschland-Aserbaidschan regt sich auch nicht viel bei mir.
Zitat
... oder freue mich, dass einen die WM über die Sommerpause bringt.
Verstehe ich hingegen überhaupt nicht. Für mich sind die großen Turniere und vor allem die WM der eigentliche emotionale Fluchtpunkt im Fußball, die große Fiesta, die nur alle vier Jahre kommt. Wo eben gerade nicht (oder nicht automatisch) der bessere und reichere gewinnt, wo sich im Brennglas verschiedene Taktikideen und Fußballkulturen zeigen. Und wo es kribbelt wie sonst nicht. Bei wem es bei Deutschland-England nicht kribbelt, der tut mir nur leid.
Zitat
Liegt es am Spielsystem? Liegt es an den selten vorhandenen Emotionen? Liegts am menschlichen und taktischen Einheitsbrei? Am emotionslosen Trainer? Ich weiß es nicht...
Kann ich null, _null_ nachvollziehen. Wo gibts denn mehr Drama als bei den großen Turnieren? Wo gibts denn menschlichen Einheitsbrei (was immer damit gemeint ist) - meinst Du damit Maradona? Die taktische Vielfältigkeit ist bei einer WM nach meiner Meinung viel, viel höher als bei einer Champions League-Runde. Nein, versteh ich nicht.
Heute? Da guck ich mir ein Länderspiel an und ärgere mich innerlich ein wenig, dass durch die Länderspielpause die Liga aussetzen muss
Kann ich nachvollziehen. Bei Deutschland-Aserbaidschan regt sich auch nicht viel bei mir.
Zitat
... oder freue mich, dass einen die WM über die Sommerpause bringt.
Verstehe ich hingegen überhaupt nicht. Für mich sind die großen Turniere und vor allem die WM der eigentliche emotionale Fluchtpunkt im Fußball, die große Fiesta, die nur alle vier Jahre kommt. Wo eben gerade nicht (oder nicht automatisch) der bessere und reichere gewinnt, wo sich im Brennglas verschiedene Taktikideen und Fußballkulturen zeigen. Und wo es kribbelt wie sonst nicht. Bei wem es bei Deutschland-England nicht kribbelt, der tut mir nur leid.
Zitat
Liegt es am Spielsystem? Liegt es an den selten vorhandenen Emotionen? Liegts am menschlichen und taktischen Einheitsbrei? Am emotionslosen Trainer? Ich weiß es nicht...
Kann ich null, _null_ nachvollziehen. Wo gibts denn mehr Drama als bei den großen Turnieren? Wo gibts denn menschlichen Einheitsbrei (was immer damit gemeint ist) - meinst Du damit Maradona? Die taktische Vielfältigkeit ist bei einer WM nach meiner Meinung viel, viel höher als bei einer Champions League-Runde. Nein, versteh ich nicht.
21.06.2011 - 16:39 Uhr
Zitat von Forever_Hansa:
Was ich weiß ist, dass ich seit einigen Jahren (bitte schlagt mich nicht) mehr mit Holland fiebere - genau da finde ich das System dass ich mag, die Typen die ich mag und die Art von Fussballgeilheit die ich mag.
Alarm ist gedrückt, bitte nicht mehr posten.
:o
:ugly
Was ich weiß ist, dass ich seit einigen Jahren (bitte schlagt mich nicht) mehr mit Holland fiebere - genau da finde ich das System dass ich mag, die Typen die ich mag und die Art von Fussballgeilheit die ich mag.
Alarm ist gedrückt, bitte nicht mehr posten.
:o
:ugly
21.06.2011 - 17:38 Uhr
Zitat von Korf:
Ich weiß nicht, ob ich ganz verstehe, worum es Dir geht. Den Eindruck Deines Gefühls "Die früher haben mit Herz gespielt, und die heute tun das nicht" kann ich Dir natürlich nicht absprechen – einer sachlichen Überprüfung hält er meiner Ansicht nach nicht stand, siehe oben (Ich finde den Vorwurf auch ungerecht. Nicht jede Niederlage ist auf mangelnden Einsatz zurückzuführen. Sonst wären ja auch 90% aller deutschen Nationalspieler Laumänner und Lutscher; der DFB hat schließlich seit 1954 zwar 25 Turnier bestritten, aber davon lediglich vier ohne Niederlage abgeschlossen. Aber es passt in die Erklärungsmuster der Zeit )
Hier muss ich dir widersprechen. Ich habe nie behauptet, dass jede Niederlage der Nationalmannschaft auf mangelnden Einsatz zurückzuführen war.
Zitat
Richtig ist, dass die DFB-Elf 2010 anders spielt als die von 2000 als die von 1980 als die von 1960. _Natürlich_. Genauso wie ja auch die Elf von 1990 sich komplett von der von 1970 unterscheidet. Weil sich die Fußballregeln ändern, die taktischen Rahmenbedingungen ändern, die Trainer ändern, die Spieler ändern. Wer 2000 mit Personal und Taktik von 1990 antritt, kann eben nur hilflos hinterherlaufen (und wirkt dabei gerne mal herzlos). Auf die Spitze gebracht ist dies im Vereinsfußball. Wer einen Spielertyp repräsentiert, der aktuell nicht gefragt ist, kann einpacken, und zwar im Zweifelsfall heute. Hier führen Anwendung der Regeln des Marktes und die Regeln der Kriegskunst zum selben Ergebnis: Dem Erfolg und der Vermeidung des Misserfolgs hat sich alles unterzuordnen. Und am schnellsten das Rezept von gestern.
Gibt es jetzt einen einheitlichen Trend, hin zu Einheitsgesichtsfußball? Ich finde nicht. Argentinien hat 2006 einen prägnanten Fußball gespielt und 2010 einen anderen prägnanten, aber völlig anderen.
Ist speziell die DFB-Elf eine gesichtslose Kopie eines internationalen Standards? Ich finde wieder nicht. Sie trägt die Handschrift ihres Trainers, teilweise wird der FC Bayern der Saison 2009/10 als Vorbild gesehen (ich bin da eher zurückhaltend) – aber mit welchen anderen Spitzenklubs hat sie denn Gemeinsamkeiten? Ich finde, die derzeitige deutsche Mannschaft spielt völlig anders als Holland oder Frankreich oder England oder Barcelona oder Manchester oder Inter Mailand; sie hat auch kein Vorbild in früheren Teams dieser Länder.
Die Zeiten ändern sich, der Fußball ändert sich. Wenn ich mir alte Spiele anschaue, kann ich dabei Nostalgiegefühle entwickeln, weil sie mich an Zeiten erinnert, wo ich jünger war, aber das ist eine emotionale Perspektive. Aber Raumnutzung, Tempo, individuelle Qualität – vor dreißig Jahren wurde ein anderes Spiel gespielt.
Um ein Beispiel zu nehmen: Ja, die chromverzierten Autos der Sechziger waren schöner und schnittiger als der der Aerodynamik geschuldete Einheitsbrei, der weitestgehend heute die Fabriken verlässt. Und darüber kann man auch seufzen. Aber kein Youngtimer taugt heute noch als Alltagsauto für die Masse; ein Unternehmen, das dem technischen Standard auch nur wenige Jahre hinterherhinkt, ist absehbar ein Sanierungsfall; und auch: kaum ein Autofahrer verzichtet nur für ein besseres Gefühl doch ernsthaft freiwillig auf ABS, Airbag und niedrigen Verbrauch verzichten. Opa mag beim Familientag erzählen, wieviel Fahrgefühl das Zwischengas beim Käfer erforderte – nachher steigt er in seine E-Klasse.
Und wer auf die aktuellen Annehmlichkeiten gar für die grottenhässlichen Plastik-Karren der Achtziger verzichten wollte, würde zurecht als Sonderling verlacht.
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Davon ab freue ich mich darüber, dass die DFB-Elf heute wieder mehr auf Leichtfüßigkeit setzt als auf puren Siegeswillen wie zwischendurch mal. Mein Mitfiebern wird nicht im mindesten durch Entertainment angetastet.
Ansonsten kann ich dir hier natürlich nicht widersprechen. Vielleicht bist du einfach anpassungsfähiger als andere oder gehst ein Stück nüchterner an das Thema heran.
Deine Autometapher finde ich übrigens sehr passend.
Und als Sonderlling verlacht zu werden, muss nicht das Schlechteste sein. (Kommt auf den Kontext an.)
Zitat
Aber das ist Geschmackssache.
Richtig!
Ich weiß nicht, ob ich ganz verstehe, worum es Dir geht. Den Eindruck Deines Gefühls "Die früher haben mit Herz gespielt, und die heute tun das nicht" kann ich Dir natürlich nicht absprechen – einer sachlichen Überprüfung hält er meiner Ansicht nach nicht stand, siehe oben (Ich finde den Vorwurf auch ungerecht. Nicht jede Niederlage ist auf mangelnden Einsatz zurückzuführen. Sonst wären ja auch 90% aller deutschen Nationalspieler Laumänner und Lutscher; der DFB hat schließlich seit 1954 zwar 25 Turnier bestritten, aber davon lediglich vier ohne Niederlage abgeschlossen. Aber es passt in die Erklärungsmuster der Zeit )
Hier muss ich dir widersprechen. Ich habe nie behauptet, dass jede Niederlage der Nationalmannschaft auf mangelnden Einsatz zurückzuführen war.
Zitat
Richtig ist, dass die DFB-Elf 2010 anders spielt als die von 2000 als die von 1980 als die von 1960. _Natürlich_. Genauso wie ja auch die Elf von 1990 sich komplett von der von 1970 unterscheidet. Weil sich die Fußballregeln ändern, die taktischen Rahmenbedingungen ändern, die Trainer ändern, die Spieler ändern. Wer 2000 mit Personal und Taktik von 1990 antritt, kann eben nur hilflos hinterherlaufen (und wirkt dabei gerne mal herzlos). Auf die Spitze gebracht ist dies im Vereinsfußball. Wer einen Spielertyp repräsentiert, der aktuell nicht gefragt ist, kann einpacken, und zwar im Zweifelsfall heute. Hier führen Anwendung der Regeln des Marktes und die Regeln der Kriegskunst zum selben Ergebnis: Dem Erfolg und der Vermeidung des Misserfolgs hat sich alles unterzuordnen. Und am schnellsten das Rezept von gestern.
Gibt es jetzt einen einheitlichen Trend, hin zu Einheitsgesichtsfußball? Ich finde nicht. Argentinien hat 2006 einen prägnanten Fußball gespielt und 2010 einen anderen prägnanten, aber völlig anderen.
Ist speziell die DFB-Elf eine gesichtslose Kopie eines internationalen Standards? Ich finde wieder nicht. Sie trägt die Handschrift ihres Trainers, teilweise wird der FC Bayern der Saison 2009/10 als Vorbild gesehen (ich bin da eher zurückhaltend) – aber mit welchen anderen Spitzenklubs hat sie denn Gemeinsamkeiten? Ich finde, die derzeitige deutsche Mannschaft spielt völlig anders als Holland oder Frankreich oder England oder Barcelona oder Manchester oder Inter Mailand; sie hat auch kein Vorbild in früheren Teams dieser Länder.
Die Zeiten ändern sich, der Fußball ändert sich. Wenn ich mir alte Spiele anschaue, kann ich dabei Nostalgiegefühle entwickeln, weil sie mich an Zeiten erinnert, wo ich jünger war, aber das ist eine emotionale Perspektive. Aber Raumnutzung, Tempo, individuelle Qualität – vor dreißig Jahren wurde ein anderes Spiel gespielt.
Um ein Beispiel zu nehmen: Ja, die chromverzierten Autos der Sechziger waren schöner und schnittiger als der der Aerodynamik geschuldete Einheitsbrei, der weitestgehend heute die Fabriken verlässt. Und darüber kann man auch seufzen. Aber kein Youngtimer taugt heute noch als Alltagsauto für die Masse; ein Unternehmen, das dem technischen Standard auch nur wenige Jahre hinterherhinkt, ist absehbar ein Sanierungsfall; und auch: kaum ein Autofahrer verzichtet nur für ein besseres Gefühl doch ernsthaft freiwillig auf ABS, Airbag und niedrigen Verbrauch verzichten. Opa mag beim Familientag erzählen, wieviel Fahrgefühl das Zwischengas beim Käfer erforderte – nachher steigt er in seine E-Klasse.
Und wer auf die aktuellen Annehmlichkeiten gar für die grottenhässlichen Plastik-Karren der Achtziger verzichten wollte, würde zurecht als Sonderling verlacht.
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Davon ab freue ich mich darüber, dass die DFB-Elf heute wieder mehr auf Leichtfüßigkeit setzt als auf puren Siegeswillen wie zwischendurch mal. Mein Mitfiebern wird nicht im mindesten durch Entertainment angetastet.
Ansonsten kann ich dir hier natürlich nicht widersprechen. Vielleicht bist du einfach anpassungsfähiger als andere oder gehst ein Stück nüchterner an das Thema heran.
Deine Autometapher finde ich übrigens sehr passend.
Und als Sonderlling verlacht zu werden, muss nicht das Schlechteste sein. (Kommt auf den Kontext an.)
Zitat
Aber das ist Geschmackssache.
Richtig!
21.06.2011 - 18:09 Uhr
Zitat
Vielleicht bist du einfach anpassungsfähiger als andere oder gehst ein Stück nüchterner an das Thema heran.
Ich bevorzuge eine Deutung, wonach ich es schaffe, mir kindliche Begeisterung zu bewahren, während um mich herum begründeter oder grundloser Zynismus überhand nimmt :) ;)
Vielleicht bist du einfach anpassungsfähiger als andere oder gehst ein Stück nüchterner an das Thema heran.
Ich bevorzuge eine Deutung, wonach ich es schaffe, mir kindliche Begeisterung zu bewahren, während um mich herum begründeter oder grundloser Zynismus überhand nimmt :) ;)
21.06.2011 - 19:00 Uhr
Zitat von Korf:
Zitat
Viele von deinen genannten Spielen habe ich live gesehen, andere in Wiederholungen auf den Dritten Programmen vor großen Turnieren, andere auch wiederum nicht. Ja, die Tiefen gab es genauso wie die Höhen und ich konnte mich genauso mit den schlechten und grausamen Spielen identifizieren, wie ich es mit den grandiosen oder auch einfach durchschnittlichen konnte. Warum das gegen Spanien im negativen Sinne und gegen Argentinien und England im positiven Sinne nicht mehr so war, habe ich versucht, mit der Gesichtslosigkeit des modernen Fussballs zu begründen. Ob ich Teile der Vergangenheit dadurch verkläre? Vielleicht. Na und! Im Grunde genommen kommt es unterm Strich nicht darauf an, rational zu begründen, warum ich an jenem 5. Juli 2010 aufgehört habe, ein Fanatic zu sein. Rational begründen, warum ich es in meiner Kindheit geworden bin, kann ich ebenso wenig.
Aber Korf, jedem das Seine. Kannst du durchweg rational begründen, warum du, und ich gehe bei deinem Wappen mal davon aus, Fan der deutschen Nationalmannschaft geworden und auch heute noch bist?
Und übrigens: Ich würde gerne die Zeit zurückdrehen, denn es war eine gute Zeit, die ich sehr genossen habe! Leider kann ich das nicht.
Ich weiß nicht, ob ich ganz verstehe, worum es Dir geht. Den Eindruck Deines Gefühls "Die früher haben mit Herz gespielt, und die heute tun das nicht" kann ich Dir natürlich nicht absprechen – einer sachlichen Überprüfung hält er meiner Ansicht nach nicht stand, siehe oben (Ich finde den Vorwurf auch ungerecht. Nicht jede Niederlage ist auf mangelnden Einsatz zurückzuführen. Sonst wären ja auch 90% aller deutschen Nationalspieler Laumänner und Lutscher; der DFB hat schließlich seit 1954 zwar 25 Turnier bestritten, aber davon lediglich vier ohne Niederlage abgeschlossen. Aber es passt in die Erklärungsmuster der Zeit )
Richtig ist, dass die DFB-Elf 2010 anders spielt als die von 2000 als die von 1980 als die von 1960. _Natürlich_. Genauso wie ja auch die Elf von 1990 sich komplett von der von 1970 unterscheidet. Weil sich die Fußballregeln ändern, die taktischen Rahmenbedingungen ändern, die Trainer ändern, die Spieler ändern. Wer 2000 mit Personal und Taktik von 1990 antritt, kann eben nur hilflos hinterherlaufen (und wirkt dabei gerne mal herzlos). Auf die Spitze gebracht ist dies im Vereinsfußball. Wer einen Spielertyp repräsentiert, der aktuell nicht gefragt ist, kann einpacken, und zwar im Zweifelsfall heute. Hier führen Anwendung der Regeln des Marktes und die Regeln der Kriegskunst zum selben Ergebnis: Dem Erfolg und der Vermeidung des Misserfolgs hat sich alles unterzuordnen. Und am schnellsten das Rezept von gestern.
Gibt es jetzt einen einheitlichen Trend, hin zu Einheitsgesichtsfußball? Ich finde nicht. Argentinien hat 2006 einen prägnanten Fußball gespielt und 2010 einen anderen prägnanten, aber völlig anderen.
Ist speziell die DFB-Elf eine gesichtslose Kopie eines internationalen Standards? Ich finde wieder nicht. Sie trägt die Handschrift ihres Trainers, teilweise wird der FC Bayern der Saison 2009/10 als Vorbild gesehen (ich bin da eher zurückhaltend) – aber mit welchen anderen Spitzenklubs hat sie denn Gemeinsamkeiten? Ich finde, die derzeitige deutsche Mannschaft spielt völlig anders als Holland oder Frankreich oder England oder Barcelona oder Manchester oder Inter Mailand; sie hat auch kein Vorbild in früheren Teams dieser Länder.
Die Zeiten ändern sich, der Fußball ändert sich. Wenn ich mir alte Spiele anschaue, kann ich dabei Nostalgiegefühle entwickeln, weil sie mich an Zeiten erinnert, wo ich jünger war, aber das ist eine emotionale Perspektive. Aber Raumnutzung, Tempo, individuelle Qualität – vor dreißig Jahren wurde ein anderes Spiel gespielt.
Um ein Beispiel zu nehmen: Ja, die chromverzierten Autos der Sechziger waren schöner und schnittiger als der der Aerodynamik geschuldete Einheitsbrei, der weitestgehend heute die Fabriken verlässt. Und darüber kann man auch seufzen. Aber kein Youngtimer taugt heute noch als Alltagsauto für die Masse; ein Unternehmen, das dem technischen Standard auch nur wenige Jahre hinterherhinkt, ist absehbar ein Sanierungsfall; und auch: kaum ein Autofahrer verzichtet nur für ein besseres Gefühl doch ernsthaft freiwillig auf ABS, Airbag und niedrigen Verbrauch verzichten. Opa mag beim Familientag erzählen, wieviel Fahrgefühl das Zwischengas beim Käfer erforderte – nachher steigt er in seine E-Klasse.
Und wer auf die aktuellen Annehmlichkeiten gar für die grottenhässlichen Plastik-Karren der Achtziger verzichten wollte, würde zurecht als Sonderling verlacht.
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Davon ab freue ich mich darüber, dass die DFB-Elf heute wieder mehr auf Leichtfüßigkeit setzt als auf puren Siegeswillen wie zwischendurch mal. Mein Mitfiebern wird nicht im mindesten durch Entertainment angetastet.
Aber das ist Geschmackssache.
Das einzige was sich tatsächlich geändert hat ist die Geschwindigkeit in der alles passiert. Und ein paar Regeln, mehr nicht. Die taktischen Formationen von heute gab es früher auch schon. Der Rest ist nur "Feintuning".
Griechenland ist mit einer Spielweise aus Omis Zeiten 2004 Europameister geworden.
Es gibt genug Unternehmen die eine starke Marke sind gerade weil sie dem Fortschritt hinterher hinken.
Der "Playboy" war in den 80ern bereits tot, kam durch eine Retro Welle wieder groß raus. Die freizügige Entwicklung der Konkurrenz Hustler und Penthouse wurde einfach ignoriert
Harley Davidson gibt es auch heute noch in bewährter Form und erfreut sich höchster Beliebtheit.
Nutella hat sich nicht groß verändert und ist erfolgreich
Nivea oder Maggi als Marken ebenso.
Das Zippo wird heute noch in gleicher Art verkauft wie früher
Aber zurück zum Sport, und da zeigt uns die Geschichte das man mit allen Variationen die der Fußball bietet erfolgreich sein kann. Ganz gleich wie altmodisch sie sein mögen. Holland ist mit Supermodernen, rasant schnellem Fußball oft genug in Schönheit gestorben. Deutschland hingegen hat mit größtenteils "altbackenem" Fußball große Titel gewonnen. Alles ist möglich, letztlich kommt es auf viel mehr an wie Teamspirit, taktische Disziplin und der bloße Wille. Du betrachtest mir das ganze viel zu Plastisch.
Zitat
Viele von deinen genannten Spielen habe ich live gesehen, andere in Wiederholungen auf den Dritten Programmen vor großen Turnieren, andere auch wiederum nicht. Ja, die Tiefen gab es genauso wie die Höhen und ich konnte mich genauso mit den schlechten und grausamen Spielen identifizieren, wie ich es mit den grandiosen oder auch einfach durchschnittlichen konnte. Warum das gegen Spanien im negativen Sinne und gegen Argentinien und England im positiven Sinne nicht mehr so war, habe ich versucht, mit der Gesichtslosigkeit des modernen Fussballs zu begründen. Ob ich Teile der Vergangenheit dadurch verkläre? Vielleicht. Na und! Im Grunde genommen kommt es unterm Strich nicht darauf an, rational zu begründen, warum ich an jenem 5. Juli 2010 aufgehört habe, ein Fanatic zu sein. Rational begründen, warum ich es in meiner Kindheit geworden bin, kann ich ebenso wenig.
Aber Korf, jedem das Seine. Kannst du durchweg rational begründen, warum du, und ich gehe bei deinem Wappen mal davon aus, Fan der deutschen Nationalmannschaft geworden und auch heute noch bist?
Und übrigens: Ich würde gerne die Zeit zurückdrehen, denn es war eine gute Zeit, die ich sehr genossen habe! Leider kann ich das nicht.
Ich weiß nicht, ob ich ganz verstehe, worum es Dir geht. Den Eindruck Deines Gefühls "Die früher haben mit Herz gespielt, und die heute tun das nicht" kann ich Dir natürlich nicht absprechen – einer sachlichen Überprüfung hält er meiner Ansicht nach nicht stand, siehe oben (Ich finde den Vorwurf auch ungerecht. Nicht jede Niederlage ist auf mangelnden Einsatz zurückzuführen. Sonst wären ja auch 90% aller deutschen Nationalspieler Laumänner und Lutscher; der DFB hat schließlich seit 1954 zwar 25 Turnier bestritten, aber davon lediglich vier ohne Niederlage abgeschlossen. Aber es passt in die Erklärungsmuster der Zeit )
Richtig ist, dass die DFB-Elf 2010 anders spielt als die von 2000 als die von 1980 als die von 1960. _Natürlich_. Genauso wie ja auch die Elf von 1990 sich komplett von der von 1970 unterscheidet. Weil sich die Fußballregeln ändern, die taktischen Rahmenbedingungen ändern, die Trainer ändern, die Spieler ändern. Wer 2000 mit Personal und Taktik von 1990 antritt, kann eben nur hilflos hinterherlaufen (und wirkt dabei gerne mal herzlos). Auf die Spitze gebracht ist dies im Vereinsfußball. Wer einen Spielertyp repräsentiert, der aktuell nicht gefragt ist, kann einpacken, und zwar im Zweifelsfall heute. Hier führen Anwendung der Regeln des Marktes und die Regeln der Kriegskunst zum selben Ergebnis: Dem Erfolg und der Vermeidung des Misserfolgs hat sich alles unterzuordnen. Und am schnellsten das Rezept von gestern.
Gibt es jetzt einen einheitlichen Trend, hin zu Einheitsgesichtsfußball? Ich finde nicht. Argentinien hat 2006 einen prägnanten Fußball gespielt und 2010 einen anderen prägnanten, aber völlig anderen.
Ist speziell die DFB-Elf eine gesichtslose Kopie eines internationalen Standards? Ich finde wieder nicht. Sie trägt die Handschrift ihres Trainers, teilweise wird der FC Bayern der Saison 2009/10 als Vorbild gesehen (ich bin da eher zurückhaltend) – aber mit welchen anderen Spitzenklubs hat sie denn Gemeinsamkeiten? Ich finde, die derzeitige deutsche Mannschaft spielt völlig anders als Holland oder Frankreich oder England oder Barcelona oder Manchester oder Inter Mailand; sie hat auch kein Vorbild in früheren Teams dieser Länder.
Die Zeiten ändern sich, der Fußball ändert sich. Wenn ich mir alte Spiele anschaue, kann ich dabei Nostalgiegefühle entwickeln, weil sie mich an Zeiten erinnert, wo ich jünger war, aber das ist eine emotionale Perspektive. Aber Raumnutzung, Tempo, individuelle Qualität – vor dreißig Jahren wurde ein anderes Spiel gespielt.
Um ein Beispiel zu nehmen: Ja, die chromverzierten Autos der Sechziger waren schöner und schnittiger als der der Aerodynamik geschuldete Einheitsbrei, der weitestgehend heute die Fabriken verlässt. Und darüber kann man auch seufzen. Aber kein Youngtimer taugt heute noch als Alltagsauto für die Masse; ein Unternehmen, das dem technischen Standard auch nur wenige Jahre hinterherhinkt, ist absehbar ein Sanierungsfall; und auch: kaum ein Autofahrer verzichtet nur für ein besseres Gefühl doch ernsthaft freiwillig auf ABS, Airbag und niedrigen Verbrauch verzichten. Opa mag beim Familientag erzählen, wieviel Fahrgefühl das Zwischengas beim Käfer erforderte – nachher steigt er in seine E-Klasse.
Und wer auf die aktuellen Annehmlichkeiten gar für die grottenhässlichen Plastik-Karren der Achtziger verzichten wollte, würde zurecht als Sonderling verlacht.
---
Davon ab freue ich mich darüber, dass die DFB-Elf heute wieder mehr auf Leichtfüßigkeit setzt als auf puren Siegeswillen wie zwischendurch mal. Mein Mitfiebern wird nicht im mindesten durch Entertainment angetastet.
Aber das ist Geschmackssache.
Das einzige was sich tatsächlich geändert hat ist die Geschwindigkeit in der alles passiert. Und ein paar Regeln, mehr nicht. Die taktischen Formationen von heute gab es früher auch schon. Der Rest ist nur "Feintuning".
Griechenland ist mit einer Spielweise aus Omis Zeiten 2004 Europameister geworden.
Es gibt genug Unternehmen die eine starke Marke sind gerade weil sie dem Fortschritt hinterher hinken.
Der "Playboy" war in den 80ern bereits tot, kam durch eine Retro Welle wieder groß raus. Die freizügige Entwicklung der Konkurrenz Hustler und Penthouse wurde einfach ignoriert
Harley Davidson gibt es auch heute noch in bewährter Form und erfreut sich höchster Beliebtheit.
Nutella hat sich nicht groß verändert und ist erfolgreich
Nivea oder Maggi als Marken ebenso.
Das Zippo wird heute noch in gleicher Art verkauft wie früher
Aber zurück zum Sport, und da zeigt uns die Geschichte das man mit allen Variationen die der Fußball bietet erfolgreich sein kann. Ganz gleich wie altmodisch sie sein mögen. Holland ist mit Supermodernen, rasant schnellem Fußball oft genug in Schönheit gestorben. Deutschland hingegen hat mit größtenteils "altbackenem" Fußball große Titel gewonnen. Alles ist möglich, letztlich kommt es auf viel mehr an wie Teamspirit, taktische Disziplin und der bloße Wille. Du betrachtest mir das ganze viel zu Plastisch.
21.06.2011 - 20:03 Uhr
Zitat von Macca:
Natürlich gibt es Sinn - Löw ist ein Drückeberger, der meint, jetzt ein Exempel statuieren zu müssen, um das Thema endgültig abzuhaken - eventuell, weil Ballack nicht schnell genug den avisierten Abschied verkündet und Löws Stilempfinden gegen Null geht.
Löw braucht diese abschließende Machtdemonstration um seinen Komplex zu kompensieren.
Ist sowas eigentlich ernst gemeint? Löw hat also Machtkomplexe, die er öffentlich ausleben muss? Vorallem schön in Kombination mit dem Drückeberger, das macht dann erst so richtig Sinn. Und die restlichen Oberen des deutschen Fußballs sind auch alle blind und merken nicht, dass es bei dem gewaltig knallt im Oberstübchen. :ugly
Um zu der laufenden Diskussion ein paar Worte zu verlieren: wenn man hier so zwischen den Zeilen liest, dann kommt man relativ schnell zu dem Schluss, dass Deutschland plötzlich doof ist, weil sie schönen Fußball spielen. Wenn das so ist, gibt es eine einfache Lösung für die Frage nach einem neuen Bundestrainer, Erich Ribbeck hat im Moment bestimmt eh keinen Job.
Und jetzt nochmal weniger polemisch: wer sich nicht mit der momentanen Nationalelf identifizieren kann, kein Problem. Das jetzt aber auf die Spielweise zu schieben, die sicherlich zu den attraktivsten gehört, die wir seit langem gesehen haben, finde ich doch weit hergeholt. Die Sache mit der Verklärung scheint dann doch realistischer und keine Bange, die wird es mit der momentanen Generation auch geben. Wenn inzwischen sogar schon ein Jancker zielsicher den Kultstatus ansteuert, wird ein Lukas "Prinz Peng" Podolski auch nicht so schnell vergessen werden und Dinge wie Lehmanns Elfmeterzettel kennt in fünfzehn Jahren sicher noch jeder, der das Spiel gesehen hat.
Der Mannschaft die Leidenschaft abzusprechen ist in meinen Augen genauso unfair, gegen Serbien hat man z.B. bis zuletzt gekämpft und auch das Spiel gegen Ghana darf man als Arbeitssieg bewerten. Von der EM mal ganz zu schweigen, da gab es sowieso nur ein wirklich schönes Spiel.
Natürlich kann man auch mit einer Taktik wie in den Achtzigern auflaufen und vielleicht geht das sogar gut. Aber wieso sollte man nicht schön spielen, wenn man es kann? Umgekehrt gibt es dann vorallem die Frage: könnte Deutschland wieder den alten Kämpferfußball auspacken? Mit Leuten wie Özil hab ich da so meine Zweifel...
Natürlich gibt es Sinn - Löw ist ein Drückeberger, der meint, jetzt ein Exempel statuieren zu müssen, um das Thema endgültig abzuhaken - eventuell, weil Ballack nicht schnell genug den avisierten Abschied verkündet und Löws Stilempfinden gegen Null geht.
Löw braucht diese abschließende Machtdemonstration um seinen Komplex zu kompensieren.
Ist sowas eigentlich ernst gemeint? Löw hat also Machtkomplexe, die er öffentlich ausleben muss? Vorallem schön in Kombination mit dem Drückeberger, das macht dann erst so richtig Sinn. Und die restlichen Oberen des deutschen Fußballs sind auch alle blind und merken nicht, dass es bei dem gewaltig knallt im Oberstübchen. :ugly
Um zu der laufenden Diskussion ein paar Worte zu verlieren: wenn man hier so zwischen den Zeilen liest, dann kommt man relativ schnell zu dem Schluss, dass Deutschland plötzlich doof ist, weil sie schönen Fußball spielen. Wenn das so ist, gibt es eine einfache Lösung für die Frage nach einem neuen Bundestrainer, Erich Ribbeck hat im Moment bestimmt eh keinen Job.
Und jetzt nochmal weniger polemisch: wer sich nicht mit der momentanen Nationalelf identifizieren kann, kein Problem. Das jetzt aber auf die Spielweise zu schieben, die sicherlich zu den attraktivsten gehört, die wir seit langem gesehen haben, finde ich doch weit hergeholt. Die Sache mit der Verklärung scheint dann doch realistischer und keine Bange, die wird es mit der momentanen Generation auch geben. Wenn inzwischen sogar schon ein Jancker zielsicher den Kultstatus ansteuert, wird ein Lukas "Prinz Peng" Podolski auch nicht so schnell vergessen werden und Dinge wie Lehmanns Elfmeterzettel kennt in fünfzehn Jahren sicher noch jeder, der das Spiel gesehen hat.
Der Mannschaft die Leidenschaft abzusprechen ist in meinen Augen genauso unfair, gegen Serbien hat man z.B. bis zuletzt gekämpft und auch das Spiel gegen Ghana darf man als Arbeitssieg bewerten. Von der EM mal ganz zu schweigen, da gab es sowieso nur ein wirklich schönes Spiel.
Natürlich kann man auch mit einer Taktik wie in den Achtzigern auflaufen und vielleicht geht das sogar gut. Aber wieso sollte man nicht schön spielen, wenn man es kann? Umgekehrt gibt es dann vorallem die Frage: könnte Deutschland wieder den alten Kämpferfußball auspacken? Mit Leuten wie Özil hab ich da so meine Zweifel...
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